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«Ich stand mitten im Leben, als mich die Wechseljahre ausbremsten»

Schlafstörungen, Gewichtszunahme, Schweissausbrüche. Wechseljahre schon mit 38 Jahren, ist das möglich? Ein Erfahrungsbericht über eine zu lange Leidenszeit, Tränen der Erleichterung und den Start in eine neue Lebensphase.

Von Marah Rikli

Frau steht am Meer, die Augen mit einem Tuch verbunden. Als Marah Rikli früh in die Wechseljahre kommt, nimmt niemand ihre Symptome ernst.

Vermutet hatte ich es schon länger, dennoch dauerte es mehrere Jahre, bis ich die erlösende Gewissheit hatte: Ich befinde mich am Anfang der Perimenopause, der Wechseljahre.

Die ersten Symptome bemerkte ich, als ich 38 Jahre alt war.

Ich hatte plötzlich massive Schlafstörungen, Schweissausbrüche, nahm an Gewicht zu, verspürte immer stärkeres PMS und vor allem unerträgliche Schmerzen beim Eisprung, dazu kamen weitere diffuse Beschwerden.

Irgendwann waren die Schmerzen so stark, dass ich knapp zwei Wochen pro Monat kaum belastbar war.

Schmerzfrei war ich nur noch knapp eine Woche des Monats. Was das als Vollzeit berufstätige Mutter eines damals gerade in die Pubertät gekommenen Sohnes und einer Tochter mit Behinderung bedeutete, muss ich wohl kaum erklären.

Mehrmals konsultierte ich einen Gynäkologen, doch wirklich ernst genommen fühlte ich mich dabei nicht. Ob meine Periode noch regelmässig sei, fragte er mich: «Ja», antworte ich, und der Arzt führte daraufhin aus, dann könne es nicht die Perimenopause sein. Ich nickte hörig. Auch nach dem zweiten, dritten, vierten Termin, wo ich es aufbrachte.

Also begann ich selbst zu recherchieren. Ich las Bücher über die Wechseljahre, googelte, stiess auf Blogs, Gesundheitsberichte, Podcasts und sprach mit vielen Frauen, unter anderem mit meiner Mutter.

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Ich merkte, wie unwissend ich war.

Nie hatte ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, geschweige denn etwas zum Klimakterium, wie man die Hormonumstellung auch nennt, aus meinem Umfeld erfahren – ausser ein paar stereotypen Bildern. Wie konnte das sein? Ich würde mich nämlich als belesene, gebildete Frau beschreiben, aber hier schien ich eine riesige Wissenslücke zu haben.

Mehr und mehr kam Licht ins Dunkle. In meinen Recherchen erfuhr ich:

Es gibt nicht DIE Wechseljahre. Jede Frau erlebt diese Zeit anders.

Einige haben kaum Beschwerden, für andere ist die Umstellung enorm fordernd und belastend. Der Beginn der Perimenopause ist oft genetisch bedingt. Bei meiner Mutter trat die Menopause eher früh auf, also war es für mich auch naheliegend, die Symptome bereits vor 40 zu spüren – auch wenn ich mir bis dahin noch unsicher war, ob es wirklich die Wechseljahre sind, die mich so belasten.

Die meisten Frauen erleben die Wechseljahre zwar zwischen 45 und Mitte 50.

Ein nicht allzu kleiner Teil aber spürt die Symptome der hormonellen Umstellung schon früher, vor dem 40. Lebensjahr. Durchschnittlich dauert das Klimakterium fünf bis acht, manchmal sogar zehn Jahre.

Zehn Jahre?! Diese Info musste ich erst mal verdauen.

Genauso wie den Fakt, dass der Zyklus durchaus noch mehr oder weniger regelmässig sein kann und die hormonelle Umstellung dennoch schon begonnen hat.

Je mehr ich über diesen Lebensabschnitt von Frauen erfuhr, umso mehr fragte ich mich auch:

Wieso wird die Perimenopause so wenig thematisiert?

Warum lernen wir nichts über das Klimakterium im Aufklärungsunterricht der Schule? Warum sprach meine Mutter kaum mit mir darüber? Weshalb machen so viele Frauen negative Erfahrungen bei ihren Ärzt:innen , wenn sie nachfragen? Warum gibt es nur wenig Literatur dazu, obwohl die Wechseljahre gerade heute ein so grosses Thema sind?

Viele Frauen werden erst kurz vor 40 das erste Mal Mutter und befinden sich, kaum haben sie Kinder geboren, bereits in den Wechseljahren. Ausserdem sind heute viel mehr Frauen und Mütter berufstätig und genau im Alter des Klimakteriums auf dem Hoch ihrer Karriere.

40 ist ja bekanntlich das neue 30 – die Wechseljahre sind dabei aber wohl nicht mitgedacht.

Auch ich stand mitten im Leben, als es begann. «Viel zu früh, das kann doch gar nicht sein», dachte ich ja auch selbst zuerst.

Wechseljahre, ein Wort, das ich mit alten Frauen verband.

Mit Pensionierung, mit erwachsenen Kindern, wenig Lust auf Sex. Sicherlich nicht mit dem Leben, worin ich gerade steckte neben Beruf und Kindern: Mein jüngstes Kind war gerade mal vier Jahre alt. Immer noch ging ich ab und an gerne in dunklen Techno-Clubs tanzen, fühlte mich nie weiblicher und meine Libido war sicherlich nicht niedriger, eher höher als Anfang dreissig.

Wären da nicht der wenige Schlaf und die krassen Schmerzen gewesen, die mich erschöpften und in meinem Alltag bremsten und belasteten, wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, dass meine fruchtbaren Jahre nun bald vorbei sein sollten.

Noch mehrmals ging ich zum Gynäkologen. Es gab Krebsabstriche und mehrere Ultraschalle und keine Auffälligkeiten. Und damit keine Antworten darauf, woher die Schmerzen und das Unwohlsein kommen.

Rückblickend fühlte ich mich allein und einsam in diesen Jahren.

«Manche Frauen in den Wechseljahren verspüren in den Eierstöcken ein schmerzhaftes Ziehen», las ich irgendwann in einer schlaflosen Nacht im Internet. Und weiter: «Bei manchen entwickeln sich daraus starke Schmerzen. Denn die Eierstöcke produzieren weniger für die Fortpflanzung wichtige Hormone, was unterschiedliche Symptome auslösen kann.»

Und ich stiess auf das Interview von Andrea Jansen mit der Gynäkologin Anja Wüest und der Apothekerin Priska Christen hier auf mal ehrlich. Am nächsten Tag schrieb ich der Ärztin Anja Wüest eine Mail. Ich schilderte ihr, dass ich seit mehreren Jahren sehr starke Beschwerden habe, diese mittlerweile meinen ganzen Alltag belasten.

Endlich wurde ich ernst genommen.

Es folgte eine umgehende Antwort und ein Termin ein paar Wochen später. Ich erhielt eine Liste für meine Hausärztin, um meine Blutwerte zu analysieren. Kurze Zeit später sass ich mit den Ergebnissen bei Anja Wüest in Bern in der Praxis. Sie erklärte mir erst einmal, was im Körper während der Lebensphase passiert, in der ich stecken könnte:

«Im Verlauf der Wechseljahre bilden unsere Eierstöcke immer weniger der weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen, dadurch nimmt die Fruchtbarkeit ab und es kann zu Blutungsstörungen, wie Zwischenblutungen, verkürzten oder verlängerten Zyklen sowie sehr starker Menstruationsblutung kommen, aber auch zu Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.»

Kooperation

Villa Margarita: Durchstarten in den Wechseljahren

Koop-Box Villa Margarita Live Podcast Tour - Perimenopause

Wie können die Wechseljahre so fabelhaft werden, dass wir nochmals richtig durchstarten? Die drei Expertinnen hinter dem Erfolgspodcast VILLA MARGARITA – eine Frauenärztin und zwei Apothekerinnen –  werden im August und September 2024 erstmals live auf der Bühne stehen.

Sie widmen sich in ihrer humorvollen Art dem Thema Wechseljahre. Meditainment ist ihr Motto: Medizin und Entertainment. Abgerundet werden die Abende mit musikalischen Leckerbissen von Nyna Dubois, der Gewinnerin der Swiss Voice Tour 2022.

Tickets für die Live Podcast Auftritte in Luzern, Bern und Zürich gibt es hier.

Ich war also kein seltsamer Einzelfall.

Im Gespräch schilderte ich ihr meine letzten Lebensjahre und sie erklärte mir, wie sie immer wieder von Frauen höre, deren Wechseljahr-Symptome lange Zeit unerkannt blieben. Stattdessen unterstelle man ihnen, sie seien zu wenig stressresistent und grundlos schlecht gelaunt, sie würden zu wenig Sport machen oder zu ungesund essen.

Auch werde – wie bei mir – bei einigen Frauen der Eisprung spürbarer, da dieser intensiver werden kann. Die Eierstöcke werden maximal stimuliert, quasi das letzte Aufbäumen meiner Fruchtbarkeit.

Die Blutergebnisse zeigten: Ich bin noch nicht mittendrin, aber gemäss der Symptome sicherlich am Beginn der Perimenopause. Sie empfahl mir eine Minipille, weniger Stress und Mikronährstoffe. Ausserdem könne eine Ernährungsberatung und viel Sport unterstützen. Und für mich das Wichtigste an diesem Termin überhaupt: Sie nahm mich und meine Beschwerden ernst.

Ich verliess die Praxis und brach in Tränen aus – vor Erleichterung.

Endlich wurde ich ernst genommen, endlich erhielt ich etwas gegen die Beschwerden, endlich konnte ich mir und meinem Gefühl für meinen Körper wieder trauen. 

Und heute knapp 18 Monate später?

Ich nehme jetzt eine Minipille und ein Hormon zum Schlafen, täglich Mikronährstoffe, achte auf meine Ernährung und genügend Bewegung. Ich habe praktisch keine Schmerzen mehr, ich kann die meisten Nächte gut schlafen, ich fühle mich ausgeglichener und psychisch stabiler. Ich habe zwar an Gewicht zugenommen, aber keine Hungerattacken mehr.

Und ich fühle mich immer noch alles andere als alt, aber bereit, in die nächste Lebensphase zu starten.

Ich bin überzeugt, es warten viele gute Momente darin.

Dennoch lässt mich die Erfahrung nicht los, als Frau einmal mehr in meiner Körperwahrnehmung nicht ernst genommen worden zu sein. Und vor allem: selbst so wenig Wissen über meinen Körper gehabt zu haben.

Es braucht unbedingt mehr Aufklärung, und zwar bereits in der Schule. Anstatt Stereotypen muss Wissen und Enttabuisierung her über natürliche Prozesse im weiblichen Körper. Alles andere ist die Fortführung eines mächtigen Instruments im Patriarchat: der Beschämung und Normierung des weiblichen Körpers.

Marah Rikli, Autorin - mal ehrlich

Autorin

Marah Rikli ist Journalistin und Aktivistin und Mutter zweier Kinder. Sie schreibt Artikel für diverse Publikationen, u.a. «Magazin», «Republik», «Sonntags­Zeitung», «Wir Eltern», «Tages-Anzeiger». Zudem ist sie Host des Podcasts «Sara und Marah im Gespräch mit» der Frauenzentrale Zürich. Ihre Schwerpunkte: Inklusion, Mental Health, LGBTQIA+, Feminismus, Erziehung. Sie ist für diese Themen auch als Referentin oder Moderatorin von Talks und Panels unterwegs. www.marahrikli.ch (Bild: Anja Fonseka)

Informationen zum Beitrag

Veröffentlicht am 9. April 2024.

Dieser Artikel entstand aufgrund einer Zusammenarbeit mit der Villa Margarita an ihrem letztjährigen Event. Der Text wurde unabhängig verfasst.


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6 Antworten

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  1. Avatar von Anonym
    Anonym

    Krass… ich fühle mich zu 100% identisch mit diesem Text… ich 38 auch voll im Leben, Kinder, Betuf, alles andere sls Wechseljahre… seit 3mt bin ich beim Arzt und niemand fand etwas heraus. Bis eine ältere Frau zu mir sagte; das könnten die Wechseljahre sein. Völlig irritiert war ich und sie hatte recht. Ich bevollge jetzt die Ratschläge meiner Naturheilärztin…

  2. Avatar von Patricia Enzinger
    Patricia Enzinger

    bin mit 51 in der Menopause. Vertrage aber die Hormone nicht. Kann zusehen wie ich zunehme und depressiv werde / bin.
    meine Ärztin meinte nur ja da kann ich ihnen nicht weiterhelfen.
    ich denke es hängt auch vieles mit dem Cortisol Hormon zusammen. Schreibe der Villa Margherita auch mal ein Mail obwohl es nicht grad bei mir ums Egg ist.

    1. Avatar von Anja Knabenhans
      Anja Knabenhans

      Ja, mach das unbedingt! Sie können dir allenfalls auch Fachpersonen empfehlen, die mehr bei dir in der Nähe sind. Alles Gute!

  3. Avatar von
    Anonymous

    Aufklärung unbedingt notwendig!!
    ich bin mit 46 bereits in der menopause.
    d, h. ich habe keine messbaren hormone mehr. keine mens
    der arzt hat mein hormonspiegel geprüft, nachdem ich mit extrem starken hitzewallungen u daraus erfolgten erschöpfumg zu kämpfen hatte. mein frauenarzt arzt hat zum glück richtig reagiert und mir entsprechende hormone verschrieben, so dass ich wieder schlafen konnte. die erholung hat allerdings über ein halbes jahr gedauert.

    rüchblickend hatte auch ich grosses unwissen. mir ist erst dann klar geworden, dass sich meine ersten körperlichen veränderungen bereits im alter von ca 37 jahren bemerkbar gemacht haben. zwischen mens, anschwellen der brüste, schlecht sein, später migräne, schwitzige nächte, üble laune, gereiztheit….
    ein buch das ich wärmstens jeder frau ab 35 empfehlen kann: women on fire/ von sheila de liz
    da steht sehr einfach erklärt ess im körper passiert. hätte ich es früher gelesen , wären mir viele leidvolke stunde und tage erspart geblieben!

  4. Avatar von Fionabel
    Fionabel

    Ich war mit 42 monatelang abgeschlagen, mit Schweissausbrüchen und Schlafproblemen. Meine Mens war plötzlich weg. Zum Glück hat mich meine Frauenärztin gut beraten. Mein Hormonspiegel zeigte, dass ich hormonell bereits tief in den Wechseljahren steckte. Mit bioidentischen Hormonen ging es mir rasch deutlich besser. Auch wenn ein komisches Gefühl bleibt: ich fühle mich jung und dynamisch und sehe auch so aus. Nur in mir drin ist etwas passiert, das ich nicht habe kommen sehen. Erst im Nachhinein habe ich mich informiert. Villa Margarita vermittelt extrem wertvolle Informationen!

  5. Avatar von
    Anonymous

    Vielen Dank für den informativen Artikel und die so wichtige Aufklärung🙏