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«Ich wollte mein Leben zurück. Also liess ich die Gebärmutter entfernen.»

Die Menstruation dominiert das Leben von Regula. Sie kann nicht mehr – und entscheidet sich für einen radikalen Weg: Eine Hysterektomie. Wir durften ihre Geschichte aufzeichnen.

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Wenn die Menstruation zu stark ist, wird als letzte Lösung die Gebärmutter entfernt. mal ehrlich

Ein Mal pro Monat kriegen wir Frauen die Menstruation. Dann bluten wir für drei bis fünf Tage und unser Zyklus geht wieder von vorne los. So hat es die Natur eingerichtet. Man erzählte uns, so sei es «normal».

Es kann aber auch ganz anders sein.

Von der Normalität zum Leidensweg

Ich hatte ein Leben lang eine ganz normale Menstruation. Ich benutzte die Menstruationstasse und hatte nie Probleme. Doch nach der Geburt meines dritten Kindes änderte sich alles. Es war ein Kaiserschnitt, der gut verlief – und auch während des Stillens verhielt sich mein Körper normal.

Doch nach dem Abstillen fing ein Leidensweg an, der erst nach eineinhalb Jahren ein Ende fand.

Meine Periode kam wieder. Mit einem Zyklus hatte das allerdings nicht mehr viel zu tun. Der Rhythmus war unberechenbar.

Manchmal passierte wochenlang nichts, dann blutete ich 14 Tage lang so stark, dass ich kaum mehr Möglichkeiten hatte, meinen Alltag zu gestalten. Ich verwendete Tampons und Binden gleichzeitig – es nützte alles nichts. Starke Bauchkrämpfe und unaufhörliche Blutungen zwangen mich in die Knie.

Die Menstruation dominierte meinen Alltag

Körperliche Nähe zu meinem Mann liess ich nicht zu. Ich fühlte mich in meinem Körper nicht mehr wohl, vertraute ihm nicht mehr. Er machte mit mir, was er wollte. Es war eine Situation, die mich einsam machte.

Am liebsten hätte ich mich zu Hause eingesperrt. Ich hatte keine Lust mehr auf Aktivitäten, sagte viele Verabredungen wieder ab. Schliesslich wusste ich nie, wann mich die nächste Blutwelle überraschen würde.

Ich besuchte Fachärzte. Man empfahl mir Medikamente, doch die halfen nicht. Meine Eisenwerte waren durch den hohen Blutverlust im Keller.

Mein Arzt wunderte sich, dass ich überhaupt noch gehen konnte.

Doch ich musste funktionieren. Für meine drei Kinder. Eineinhalb Jahre lang lebte ich mit starken Schmerzen und unkontrollierbaren Blutungen. Ich versuchte, dieses Schicksal zu akzeptieren. Aber es ging mir nicht gut dabei.

Dann folgte der Tiefpunkt.

Eines Abends raffte ich mich auf und traf mich mit einer Freundin. Es war ein toller Abend und ich fühlte mich für einen Moment lang frei. Doch als ich nach der Heimfahrt aus dem Zug stieg, merkte ich, dass meine Hose blutgetränkt war. Es war dunkel und ich stieg auf mein Fahrrad. Es hatte mich niemand gesehen. Und doch schämte ich mich sehr. Unter Tränen erreichte ich mein Zuhause.

Das richtige Bauchgefühl

Ich sprach einmal mehr mit einer Frauenärztin. Die Schmerzen und die Blutungen waren nicht mehr auszuhalten.

Die Ärztin schlug mir vor, meine Gebärmutterschleimhaut veröden zu lassen. Doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass das nicht der richtige Weg ist.

Dieses Gefühl wurde mir durch meine Ärztin im Unispital Basel bestätigt. Sie riet mir davon ab. Meine Gebärmutterwand sei sehr dünn, erklärte sie mir. Die Gefahr, dass weitere Komplikationen entstünden, weil man „blindlings“ veröden müsse, sei durchaus vorhanden.

Sie riet mir zu einem radikaleren Schritt. Im ersten Moment erschauerte ich, als ich ihre Worte hörte.

Ich rate Ihnen, dass wir Ihre Gebärmutter entfernen.

Was? Meine Gebärmutter macht mich doch aus. Sie macht mich zur Frau. Sie gehört zu mir. Meine drei Kinder sind darin gewachsen.

Die Ärztin war toll, sie nahm sich Zeit, mit mir darüber zu sprechen. Ich erkannte, dass eine Hysterektomie der richtige Weg ist, mein Leben zurückzubekommen.

Noch am selben Tag unterschrieb ich die Einverständniserklärung.

Und ich war mir meiner Sache sicher: Meine Familienplanung war abgeschlossen. Nach dem dritten Kaiserschnitt hatte ich mich unterbinden lassen. Das machte mir diesen schwerwiegenden Schritt leichter.

Ich wollte mein Leben zurück

Es war August 2019. Ich stand kurz vor der Operation. Es war Zeit loszulassen. Ich machte kein grosses Trara – aber vor der Operation warf ich einen Stein ins Wasser, um mich symbolisch von meiner Gebärmutter zu verabschieden. Es war ein kleiner, aber wichtiger Moment, um das Organ, das mir meine drei Kinder geschenkt hatte, gehen zu lassen.

Endlich: Die Ursache wird erkannt

Die Operation verlief gut. Die Gebärmutter wurde durch die Vagina entfernt, daher gab es keine Operationsnarbe. Die Eierstöcke blieben im Körper, damit ich mit meinen 40 Jahren nicht direkt in die Menopause rutschte. 

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Durch die Operation erkannte man endlich die Ursache für meine starken Schmerzen und die nicht enden wollenden Blutungen: In der Gebärmuttermuskulatur hatte sich durch den Kaiserschnitt eine Narbe mit Hohlraum gebildet, eine sogenannte Isthmozele. Dort sammelte sich jeweils das Menstruationsblut an. Es floss also erst aus meinem Körper, wenn das Blut in dieser «Narbentasche» überlief.

Es war eine grosse Erleichterung, endlich zu wissen, warum das alles passiert ist.

Nach der Operation hatte ich zwei Wochen lang Schmerzen. Einen Monat lang war ich krankgeschrieben – und ich spürte, dass mein Körper diese Zeit brauchte, um zu regenerieren. 

Warum spricht man nicht darüber?

Ich habe noch keine Sekunde bereut, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Heute bin ich glücklich und erleichtert, dass ich wieder ein normales Leben führen kann.

Ich kann alles wieder machen. Für mich selbst, aber auch für meinen Mann und die Kinder, ist das Leben leichter geworden.

Ich fühle mich wohl in meinem Körper. Auch die Eisenwerte steigen wieder.

Inzwischen weiss ich von vielen Frauen, die nach ihren Geburten körperliche Probleme hatten. Von Blasenschwäche bis hin zu nicht heilenden Dammrissen.

Wieso spricht man nicht mehr darüber? Auch mir hätte es geholfen zu wissen, dass ich nicht alleine bin.

Auch ich hatte mich geschämt und brauchte viel Zeit, bis ich mich den Ärzten anvertraute.

Mein Wunsch wäre es, dass man bereits in Geburtsvorbereitungskursen auf mögliche Komplikationen nach dem Gebären hinweist. Dass ganz allgemein offener über Probleme des weiblichen Körpers gesprochen werden darf. Frauen fühlen sich oft alleine damit. Das darf nicht sein. Wir haben keinen Grund, uns zu schämen.

Wir müssen das Schweigen brechen.


Interview mit Dr. med. Bernhard Fellmann: «Die Isthmozele ist eine nicht seltene Komplikation nach einem Kaiserschnitt»

Dr. med. Bernhard Fellmann ist Leitender Arzt Gynäkologie am Universitätsspital Basel

Herr Fellmann, Regula, die uns ihre Geschichte erzählt hat, litt unter einer Isthmozele. Ist das eine häufige Komplikation nach einem Kaiserschnitt?

Das ist tatsächlich eine nicht seltene Komplikation. Die Isthmozele entsteht dort, wo man beim Kaiserschnitt die Gebärmutterwand eröffnet. Es handelt sich um eine inkomplette Narbenheilung der Gebärmutterwand. Sie wird auch als Sectionarbendehiszenz, uteroperitoneale Fistel oder Nische bezeichnet. Im Ultraschall kann man sehr häufig eine gewisse Einziehung im Bereich der Gebärmutterwandnarbe erkennen. Aber erst wenn Symptome dazukommen, hat diese auch eine praktische Relevanz.

Zu den Symptomen gehören Blutungsunregelmässigkeiten, unerfüllter Kinderwunsch und teilweise Schmerzen.

Da unter Stillen die Regelblutung meist ausbleibt und häufig nicht sofort ein erneuter Kinderwunsch besteht, verwundert es nicht, dass die Diagnose nicht selten erst nach Jahren gestellt wird.

Und wie geht man in der Regel vor, wenn die Diagnose da ist?

Vorab finde ich es wichtig, dass wenn möglich vor dem Kaiserschnitt auch über das Problem der Sectionarbendehiszenz aufgeklärt wird. Beim ungeplanten Kaiserschnitt ist man je nach Geburtsverlauf natürlich unter Zeitdruck, deshalb ist in solchen Situationen eine ausführliche Aufklärung selten möglich.

Wie schon gesagt, muss das Ultraschallbild immer im Zusammenhang mit den Symptomen gesehen werden. Bei unerfülltem Kinderwunsch oder dem ausdrücklichen Wunsch zum Gebärmuttererhalt, kann mit einer weiteren Operation die Nische angefrischt und erneut genäht werden.

Als Technik verwenden wir hierbei meistens die Bauchspiegelung.

Eine Alternative stellt auch das Abtragen der Gebärmutterschleimhaut aus der Nische mittels Gebärmutterspieglung dar. Diese Technik kann die Symptome verbessern, macht aber natürlich die eh schon ausgedünnte Wand noch dünner.

Bei Zwischenblutungen, Schmerzen und abgeschlossener Familienplanung, wie dies bei Regula der Fall war, ist häufig die Gebärmutterentfernung eine sinnvolle Technik. Da die Eierstöcke belassen werden und die Hormonproduktion in den Eierstöcken stattfindet, kommt die Patientin dadurch nicht verfrüht in die Menopause, sie hat einfach keine Blutungen mehr.

Wie läuft eine Hysterektomie ab?

Es gibt verschiedene Techniken. Man kann sie vaginal, via Bauchschnitt, mit Roboter oder mit Bauchspiegelung durchführen. Ich persönlich bevorzuge die Bauchspieglung: Im Gegensatz zur vaginalen Technik kann man den ganzen Bauch beurteilen und Begleitpathologien gleichzeitig beseitigen. Insbesondere Verwachsungen sind bei diesen Patientinnen häufig. Im Vergleich zum Bauchschnitt ist die Bauchspiegelung kosmetisch günstiger, macht weniger Schmerzen, ist mit einer kürzeren Hospitalisation und Krankschreibung verbunden und daher auch kostengünstiger. Im Vergleich zum Roboter ist die Bauchspiegelung preiswerter, nachhaltiger und kosmetisch schöner.

Ein extremer Eingriff.

Schon, aber wenn die Indikation stimmt, hat man mit dieser Methode eine sehr hohe Patientinnen-Zufriedenheit.

Zurück zu den Menstruationsbeschwerden. Wann raten Sie Patientinnen, eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen?

Wenn die Blutungen über mehrere Monate nicht regelmässig sind, zum Beispiel in Form von Zwischenblutungen, sich ein erneuter Kinderwunsch nicht umsetzen lässt oder nicht vorbekannte Schmerzen bestehen.

Der häufigste Grund für Blutungsstörungen nach der Geburt ist natürlich verbliebenes Gewebe in der Gebärmutter. Auch dieses lässt sich mittels Ultraschall erkennen.

In all den Fällen sollte man den Arzt aufsuchen.

Denken Sie, es wird zu wenig über diese Problematiken gesprochen?

Ich denke, dass die Problematik der Isthmozele noch relativ wenig bekannt ist und demensprechend auch zu wenig darüber gesprochen wird. Nur was wir kennen, können wir erkennen und verbessern. Insbesondere beim Wunschkaiserschnitt sollte man ausführlich über alle langfristigen Folgen der Operation auch im Hinblick auf mögliche Blutungsstörungen, Schmerzen und den Einfluss auf eine weitere Schwangerschaft aufklären.

Bettina bei Anyworkingmom.com

Autorin

Bettina Wyss liebt Schreiben und Singen – und macht beides beruflich. Daneben singt sie ihrem Sohn viele Schlaflieder. bezzysounds.ch

Autorin

Olivia Soland, geboren 1982, lernte das Illustrieren in den ecuadorianischen Anden. Später war sie lange Jahre im Journalismus tätig, bis sie die digitale Content Kreation für sich entdeckte. Heute ist sie vor allem als eierlegende Wollmilchsau (aka Social Media Managerin) unterwegs und führt zusammen mit ihrem Mann ein digitales Content-Atelier – und macht für ihre Kund:innen gerne mal den Handstand. Sie ist Mutter von drei kleinen Kindern. Mehr Illustrationen von Olivia: @thewomencollective

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 2. März 2022 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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5 Antworten

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  1. Avatar von Stefanie
    Stefanie

    hallo meine Gebärmutter soll auch raus und meine Eileiter mit , ich habe sehr starke Angst davor und auch das ich eine Thrombose bekomm und Lungenimmobilie deswegen ……

  2. Avatar von Rahel
    Rahel

    Danke für den interessanten Bericht.
    Ich bespreche im Moment mit den Ärzten (sic!) eine Gebärmutterentfernung wegen eines starken Prolapses nach drei Geburten.
    Sie können mir keine Auskunft darüber geben, ob diese Auswirkungen haben wird auf Sex, Orgasmen, oder meinen Sexdrive. Wurde euch etwas gesagt darüber?
    In meinem Fall ist es auch eine Option, die Gebärmutter zu behalten (allerdings scheinbar weniger empfohlen) und “hochzubinden”, aber inwiefern dies einen Unterschied macht, wissen sie nicht.

    1. Avatar von Linda Krebs
      Linda Krebs

      Hallo, Rahel!
      Bin in einer ähnlichen Situation, hatte bloß 2 Geburten, doch der Prolaps der Gebärmutter hat sich in letzter Zeit verstärkt, sodass ich in den nächsten Monaten eine Entscheidung zu einer Op. treffen soll….
      Denke, dass die Cervix- erhaltenden Operationen uns Frauen das Gefühl der Kontraktionen beim Orgasmus erhalten würden, und bei einer Totalop. wäre dieses nicht mehr vorhanden!
      LG Linda

  3. Avatar von Sonja
    Sonja

    Ich hatte schon immer starke Blutungen während meiner Periode. Nach meinem 2. Kind wurden die Blutungen auch stärker und ich war während meiner Periode auch sehr eingeschränkt. Das Gefühl, dass man gleich ausläuft und verblutete Hosen, kenne ich leider auch. In de Nacht habe ich teilweise das Bett vollgeblutet, wenn ich nicht aufgestanden bin und Tampon und Binde gewechselt habe. Mein Gynäkologe hat zu Hormone geraten, ich wollte jedoch keine Hormone einnehmen. Ich bin dann zum Glück via eine Freundin an eine Frauenärztin geraten, welche Gebärmutter-Verödungen macht. Bei mir war dies zum Glück machbar. Ich musste nicht lange überlegen, ob ich diesen Eingriff mache, da unsere Familienplanung abgeschlossen war. Es war der beste Entscheid meines Lebens. Fast keine Periode mehr. Sogar mein Mann hat mir gerade vor kurzem gesagt, dass ich während meiner Periode so viel entspannter bin und seid dem Eingriff habe ich super Eisenwerte.
    Ich habe schon ein paar Frauen meine Geschichte erzählt und ich merke auch immer wieder, dass es so viele Frauen gibt, welche unter einer starke Periode leiden, aber es wird nicht darüber gesprochen.

  4. Avatar von Suzanne
    Suzanne

    hier wird dargestellt, dass eine Gebärmutterentfernung ein “extremer” Eingriff sei. Das stimmt nicht. Heutzutage ist die Operationsweise mit der Laparoskopie sehr schonend. Mir ging es bereits nach wenigen Tagen wieder gut, nur ein Ziehen im Bauch, aber kaum Schmerzen. Ich hatte die Gebärmutter voller Myome und hatte die Entscheidung viel zu lange herausgezögert. Bei starken Blutungen und Schmerzen, wenn keine Medikamente mehr helfen, ist das der richtige Schritt. Gerade bei grossen Myomen ist eine Schwangerschaft kaum noch möglich. Es geht um die Lebensqualität.
    Und warum sollte ein inneres Organ eine Frau ausmachen? Dieses Narrativ sollte nicht mehr verwendet werden.