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Die Männerrunde. Er versteht sie. Sie versucht’s.

Einer der grössten Mythen der Menschheit: Das vermeintliche Geheimnis der Männerrunde.

Text: Reto Vogt

He said

Wenn ich nach dem Ausgang nach Hause komme, muss ich Fragen beantworten, auf die ich keine Antworten habe. Warum ist das so?

Ich: «Schaaatz, ich bin wieder da.»

Schatz: «Und, wie war’s?»

Ich: «Gut.»

Schatz: «Wie geht’s ihm?»

Ich: «Wem?»

Schatz: «Na Benjamin. Er ist doch frisch getrennt

Ich: «Ehrlich? Ja, gut, so scheint’s. Er hat zumindest nichts anderes gesagt.»

Schatz:

Tatsächlich kennt meine Frau meine Freunde oft besser als ich.

Mich überrascht immer wieder, wie gut sie über deren Beziehungen, Jobs oder auch nur Ferien Bescheid weiss, ich aber lediglich einen Bruchteil davon präsent habe – stattdessen aber haargenau weiss, welcher Fussballspieler anno 2001 in der 94. Minute das entscheidende Tor geschossen hat.

Aber das ist ein anderes Thema.

Frauenrunde, die

Jedenfalls stelle ich fest, dass in Frauenrunden eher über relevantere und persönlichere Themen wie Familie, Beziehungen oder Kinder gesprochen wird, als wenn Herren unter sich sind.

Fussball oder Stillschweigen. Mit Zufriedenheitsgarantie.

In einer Männerrunde genügt es oft, bei einem Bier über Fussball zu lamentieren, oder sich einfach auch mal einen Abend anzuschweigen, und trotzdem geht jeder zufrieden nach Hause.

Fehlt’s an solchen Abenden nicht an Tiefgang und Ernsthaftigkeit? Doch, natürlich. Aber für mich ist so ein Abend unter Geschlechtsgenossen trotzdem erholsam und zufriedenstellend und gibt mir genau das, was ich brauche: Erholung.

Die Freizeit ist nicht immer dazu da, sich mit den Komplexitäten des Lebens zu beschäftigen, sondern auf andere Gedanken zu kommen und abzuschalten. Und wie ginge das besser, als bei einem Frischgezapften zu erklären, wie das eben damals 2001 genau gewesen ist.

Schatz: «Hat er wirklich nichts gesagt?»

Ich: «Nein, aber das Bier hat geschmeckt. Und die Kiste von Patrik Andersson wird er im Leben nicht mehr vergessen.»

She said

Ich: «Und?»

Er: *nuschelt irgendetwas in den Kühlschrank*

Ich: «Gibt’s irgendwas Neues?»

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Er: «Nö.»

Ich: «Ihr habt nichts geredet, den ganzen Abend lang, gar rein nichts, das mich interessieren könnte?»

Er: «Tobi hat ein neues Auto.»

Ich: «Voll mein Interessensbereich. 100 Punkte.»

Er: «Dann, nichts.»

Ich:

Egal.

Ich bin nicht wie Reto’s Frau. Ich kenne die Freunde meines Partners nicht besser, als er selbst, und über Ferien und Jobs habe ich keinen Überblick. Aber: Interessieren würde es mich – wie seine Frau – auch.

Wie es den Kollegen geht, ob sie glücklich sind, ob sie gerade dabei sind, in eine angesagte Midlife-Crisis (it’s what you do when you’re 40, so scheint es) reinzuschlittern oder meinetwegen immerhin, wie sie zum Ende von Game of Thrones stehen. Einfach IRGENDETWAS, herrgott, was auf die persönliche Befindlichkeit hinweisen würde, ein minimaler Zwischen-den-Zeilen-Moment.

But no. Nix. Nichts. Nüscht.

Es ist mir ein ungelöstes Mysterium, eine Parallelwelt, in der dieses Bro-Bonding stattfindet. Ich verstehe es einfach nicht. Für mich fühlt sich doch eine Begegnung, ein Gespräch erst dann gut an, wenn wir einander in irgendeiner Form etwas anvertraut haben. Nähe schaffen, die Rüstung ablegen und uns wie ein Hund auf den Rücken legen, um zu testen, was dann geschieht. Kann ich Dir vertrauen? Sind wir Freunde? Klaust Du mir meinen Knochen oder meinen Kindsvater? Nicht? Ok, yay! BFFs!

Gemeinsam ein Bier trinken und sich anschweigen? Hiesse für mich so viel wie: Ich habe Dir nichts zu sagen. Ich wäre verletzt, gekränkt, würde unsere Freundschaft hinterfragen. Ich würde sehr emotional werden.

Und Du nicht.

Und vielleicht ist hier der Punkt. Aha! Ich habe einen Aha-Moment, Reto. Du willst Entspannung, das Auseinanderpflücken der emotionalen Befindlichkeit deines Kollegen aber empfindest Du als anstrengend. Ich glaube, ich habe soeben dieses ganze «Männer vom Mars, Frauen von der Venus»-Dings gelöst! Du findest das anstrengend, für mich gibt es nichts Schöneres, als mich in einem tiefen Gespräch entspannt in eine Freundschaft fallen zu lassen.

Wir müssen einander ja nicht verstehen, sondern uns die verschiedenen Bedürfnisse nur zugestehen.

Darauf ein Prost!

Autorin

Reto Vogt ist nebenberuflich Twindad und hauptberuflich Kommunikationsmensch und Journalist. Er ist Head of Content bei thescope.com. Er versucht krampfhaft, dass sich seine dreijährigen Buben ebenfalls für die schönste Nebensache der Welt interessieren: Fussball.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 31. Mai 2019 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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3 Antworten

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  1. Avatar von Jonas
    Jonas

    klingt für mich reichlich klischeehaft. Ich habe enge, innige Männerfreundschaften mit viel Tiefgang. Und ich kenne viele Männer die das haben.

  2. Avatar von Renato
    Renato

    Wer will das ganze Männergespräch zuhause nochmals erzählen? Die Antwort “Fussball” ist eh nurRe ein Codewort für “Sex, Drugs and Rock ‘n’ roll”.

  3. Avatar von Andi
    Andi

    Zum Gespräch mit Tiefgang und sich gegenseitig (an-)vertrauen gehört doch auch, dass das Besprochene nicht umgehend weitererzählt wird…
    Aber ja, manchmal reicht ein Bier und wenig Worte. Oder dann wird durchaus mit Tiefgang diskutiert – z.B. über Politik oder eben Sport…