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Opi ist 5 Jahre alt

Ein Mensch ist gestorben. Und hat seine Organe gespendet. Dank diesem unbekannten Lebensretter durfte mein Sohn seinen Opi kennenlernen.

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Ein Blick. Mehr brauchen sie nicht, der kleine und der grosse Bub, alles ist klar. Sie sind sich nah. Herzensfreunde. Dass das Herz des Grossen noch schlägt, ist nicht selbstverständlich.

Ein Mensch ist gestorben.

Name? Alter? Geschlecht? Keine Ahnung. Ich weiss nur eines: Dank dieser Person lebt der grosse Bub. Der eigentlich kein Bub mehr ist, von aussen, von innen aber schon. Der Kindskopf, mit dem man Seich machen kann, giggeln und fantasievoll spielen. Mein Papi. Der Opi meines Sohnes. Heissgeliebt.

2012, das schlimmste Jahr meines Lebens. Ein Anruf der Eltern, Familienzusammenkunft in einem Spitalzimmer, viele Tränen. Ich mache Sprüche, weil ich das besser kann als weinen. Krebs, die Leber beeinträchtigt, minimale Heilungschancen, zirka sechs Monate Lebenserwartung.

Der Boden unter den Füssen: fort

Ich weiss nicht mehr, wie wir alle die kommenden Wochen und Monate überstanden. Möchte ehrlich gesagt auch nicht allzu genau in diese Zeit zurückblicken. Weil dann die Brust eng wird, sich die Glieder verkrampfen. Der Körper erinnert sich sofort, ganz genau. Der Kopf will nicht.

Dann das Wunder: Der Tumor ist operabel – wenn sich eine neue Leber findet.

Warten. Warten. Warten. Und dann, mitten in der Nacht, geht es plötzlich los. Ein Mensch ist gestorben. Hat einen Organspendeausweis besessen oder den Liebsten seinen Willen mitgeteilt. Oder die Angehörigen haben entschieden, die Organe zu spenden.

Und mein Papi hat ein zweites Leben geschenkt bekommen. Durfte Opi werden. Heissgeliebter Opi.

Ich glaubte, ich weiss viel…

Seit über 10 Jahren trage ich einen Organspendeausweis auf mir. Aber erst seit knapp 5 Jahren weiss ich wirklich, was so eine Spende bedeutet, was sie bewirken kann.

Und verzweifle daran, dass die Quote der Organspenden in der Schweiz so tief ist. Pro Woche sterben zwei bis drei Personen, weil sie vergeblich auf ein Organ warten.

Weil die Leute nicht spenden wollen? Nein. Wegen der Wegschieberitis. Nur nicht an die Möglichkeit des eigenen Todes denken. Nicht mit dem Liebsten darüber reden. Kein Wunder, erzählen immer wieder medinizische Fachkräfte von heillos überforderten Angehörigen, die im Schockzustand wichtige Entscheide treffen müssten. In mehr als der Hälfte der Fälle ist die Haltung der Verstorbenen zur Organspende nicht bekannt.

Mehr als die Hälfte! Das macht mich kaputt.

Nur 5 Minuten!

Bitte, bitte, bitte: Nehmt euch kurz Zeit. Überlegt, was ihr möchtet: Sollen eure Organe im Todesfall an andere gehen? Ja? Nein? Jein?

Es ist egal, welchen Entscheid ihr trefft. Hauptsache, ihr entscheidet euch.

Okay, das ist gelogen. Natürlich fände ich es schöner, wenn ganz viele Menschen ihre Organe spenden möchten. Ein Organspender kann bis zu sieben Menschenleben retten. Aber lieber Neinsager als Garnichtssager.

Auf einer Organspendekarte von Swisstransplant kann man verschiedene Optionen angeben: Ablehen jeglicher Spende, Bereitschaft zur Spende, Einschränkungen bei gewissen Organen. Swisstransplant führ zudem ein nationales Online-Register, wo man sich ganz unkompliziert eintragen kann.

Weitere Beispiele von Transplantierten (darunter auch Kinder) zeigen, was dank einer Organspende alles möglich ist.



Porträtfoto von Anja Knabenhans - Chefredaktorin mal ehrlich AG

Autorin

Anja Knabenhans ist die Content-Chefin von mal ehrlich. Sie war viele Jahre Journalistin bei der NZZ und NZZ am Sonntag – als Schreibende oder Tätschmeisterin, manchmal auch vor der Kamera oder hinter dem Podcast-Mikrofon. 2017 stieg sie bei Any Working Mom ein. Neben ihrer Tätigkeit bei mal ehrlich macht sie ihr eigenes Ding mit ding ding ding. Während sie beruflich ihre Freude am Tüpflischiss auslebt, zelebriert sie daheim das familiäre Chaos. Sie ist Mutter von zwei Kindern im Schulalter.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 8. September 2017 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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2 Antworten

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  1. Avatar von Sybille
    Sybille

    Danke für diesen Beitrag! Mein Papa wartet auch auf eine Spenderleber & mein erstgeborener Sohn, der ebenfalls leberkrank ist, wird eines Tages auch darauf angewiesen sein. Und trotz grosser Anteilnahme in der Familie ist doch niemand durch deren Geschichte auf die Idee gekommen, einen Organspendeausweis zu machen, auch jüngere Semester nicht. Das ist etwas, was ich einfach nicht verstehen kann.

    1. Avatar von Anja
      Anja

      Danke für deinen Beitrag! Ich drücke ganz fest die Daumen, dass dein Papa bald eine Leber erhält! Und dass zu der Zeit, wenn dein Sohn eine benötigt, die Spendebereitschaft in der Schweiz schon höher ist.