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Der Sohn sieht grün

Der Antichrist unter den Toppings oder eine Anleitung für Gastronomen, wie man die kleinen Gäste so richtig hässig macht.

https://mal-ehrlich.ch/der-sohn-sieht-gruen/

Gut, dass wir reserviert hatten. Die Bergbeiz füllte sich schnell und wir brachten ungeduldige, hungrige Gäste mit: Drei Kinder unter fünf.

Schnell war da ein Kindermenü zum Ausmalen. Kollektives Ausatmen bei den Eltern. Phew, alles gut. Ich freue mich grundsätzlich ja immer, wenn’s im Restaurant ein Kindermenü gibt. Wenn da drauf noch etwas anderes als Fischstäbli und TK-Chicken Nuggets zu finden sind, noch besser.

Es gibt mir das Gefühl, dass wir hier mit Kindern willkommen sind, dass vom Hochstuhl nicht erst eine drei-Zentimeter-dicke Staubschicht weggewischt werden muss, dass ich davon ausgehen kann, dass man hier Kinder gewohnt ist.

Nicht, dass ich dann auch tatsächlich das Mini-Kalbsschnitzeli mit der gedämpften Gemüsebeilage bestellen würde. Ich bin ja gegen Food Waste, und genau dieses Schicksal würde das Schnitzel und die sorgfältig gerüsteten Bluemechölichöpfli ereilen – je nach Tagesform des Nachwuchses, man weiss es ja nie so genau.

Aber auf Diskussionen und dreiste Bestechungsversuche, die Leitwolf Jesper Juul laut aufheulen lassen würden oder irgendwelche „Gemüse-versteck“-Aktionen lasse ich mich im öffentlichen Raum partout nicht ein.

Kinder wollen kein Grün auf dem Teller - eine Geschichte auf Anyworkingmom.com


Deshalb bestellten wir auch diesmal – Pragmatismus olé – die Leibspeise der zwei zugegebenermassen unvorbildlich und unausgewogen ernährten Foodbanausen: Pasta ohni Nüt.

Teigwaren (wenn’s geht Penne, weil mit Spaghetti wird die Sauerei noch grösser – das nur zur Info, liebe Restaurantbesitzer) mit Butter, gerne etwas Reibkäse separat. Farblos, relativ geschmacklos, und vor allem: keine Steilvorlage zum Trotzanfall.

Und so sassen wir da, eines wunderschönen Wintertages im Januar, der sich anfühlte wie einer im April, draussen in dieser Bergbeiz und warteten. Und warteten. Und händigten den Kindern die iPhones aus, um nach 45 Minuten und mit nicht abwendbarem Sonnenbrand im Elternnacken wenigstens noch weitere zehn die Ruhe zu wahren.

Und dann, endlich, die Kellnerin, die sich mit grossen Tabletts und Entschuldigungen murmelnd durch die Menge schob, an unserem Tisch: „Eimal de Chindertäller!“ verkündete sie und hob die Servierglocke. Die Mundwinkel vom Sohn fingen an zu zittern.

Schnittlauch. Klein geschnittener, gestreuter Schnittlauch. Pasta nicht ohni Nüt sondern mit grünen Masern. Oder aus der Sicht des Sohnes: Schnittlauch – der Antichrist unter den Toppings.

WAS ZUM CHRÜTLI HABT IHR EUCH DABEI GEDACHT!?

Ein kleiner Gruss von mir in die Küche, in alle Küchen: Auf einen Kinderteller müssen keine Kräuter. Und wenn ihr es nicht lassen könnt, dann bitte in Deko-Form, an einem Stück, gabeltauglich. Damit die Pasta nicht unberührt im Kübel landen würde, fischte ich an besagtem Tag zwanzig Minuten lang mit spitzen Fingern 3mm-breite Schnittlauchringli aus der Butterpasta.

Weil der Sohn grün sah. Und ich rot.

https://www.instagram.com/p/BOmtafKAz-6/?utm_source=ig_web_copy_link
Kidsamtisch - Logo - Der Sohn sieht grün

Dieser Text ist ebenfalls als Kolumne im digitalen Food Magazin für Eltern «Kids am Tisch» erschienen – check it out!

Autorin

Andrea Jansen hat 2016 Any Working Mom gegründet und lange als CEO geführt. Bei mal ehrlich ist sie für Strategie und Business Development verantwortlich. Sie reist gerne durch das Leben und um die Welt, versucht, weniger zu micromanagen und mehr zu schlafen. Sie ist Unternehmerin, Stiftungsrätin, Journalistin und Mutter von drei Kindern. Seit mindestens drei Jahren will sie ihre Website updaten und kommt nicht dazu – bis dahin findet man sie auf Insta als jansenontour.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 1. September 2017 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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6 Antworten

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  1. Avatar von Marion
    Marion

    ich finde die Kinderkarten so einfältig und langweilig.. Wir essen kein Fleisch, bleiben meist Pommes. Das mit dem Schnittlauch ist mir resp. dem Sohn und mir auch schon passiert. Ich unterschreibe Deine Chefcharta.

    Im Bergrestaurant Muragl im Engadin gibt es Gemüsespiess auf der Kinderkarte und blutti Knöpfli, super!

    Risotto wäre doch auch mal einfach oder unsere Konder mögen reis mit Erbsli.

    Und zu der Frage wieso überhaupt eine Kinderkarte: Food waist und Portemonnaie.

  2. Avatar von Honeybee
    Honeybee

    Du sprichst mir aus der Seele, danke für diesen Beitrag!! Und im schlimmsten Fall sind die Penne dann doch unrettbar verdorben, weil “me schmöckts no”…

    Ganz einfallsreich fand ich auch den Kinderteller (mit Marienkäferchen etc.), der uns mit den Worten “Achtung, der Teller ist sehr heiss”, serviert wurde.

    1. Avatar von Andrea
      Andrea

      Liebe Honeybee, danke für den Kommentar….langsam habe ich das Gefühl, das schreit nach einem Resti-Bullshit-Bingo…hihi…;-) So im Sinne von:https://mal-ehrlich.ch/playdate-bullshit-bingo/

  3. Avatar von Shary
    Shary

    Warum braucht es eigentlich überhaupt Kindermenüs? Und warum sind diese auf Nuggets, Pommes Frites und Pasta beschränkt sind? In Frankreich essen die Kinder von Anfang bzw. nach der Breiphase das, was die Erwachsenen essen. In der Restaurants gibt es keine Kindermenüs, sondern die Kinder bestellen vom Erwachsenenmenü. Und interessanterweise machen die Kinder dort auch nicht ein Riesentamtam sondern essen, was es halt gibt, ohne Extrawürste. Ich frage mich manchmal, ob die hiesige Kultur der Kindermenüs ein Zeichen von zuviel Wohlstand oder doch eine cleveres Marketinginstrument der Restaurants ist?

    1. Avatar von Niki
      Niki

      Immer diese ver… Vergleiche mit den Franzosen Kindern! Ich kanns nicht mehr lesen. By the way, Franzosenmütter sind jetzt auch nicht wirklich bekannt dafür, sehr liebevoll und Bedürfnisgerecht mit ihren Kindern umzugehen. Aber egal. Ich finde, jede Mutter, egal wo auf der Welt, macht einfach was sie für richtig hält. Sei dies die Ernährung, Erziehung oder was auch immer betreffend. In Frankreich meinetwegen so und in der Schweiz andersrum. Und in Schweden nochmal anders. Na und? Ich mochte mit meinen Kids,zumindest mit den jüngeren beiden, als sie noch klein waren, auswärts auch kein Drama provozieren, am allerwenigsten mit dem mittleren Sohn nicht, der wirklich aufs übelste ausrasten konnte, wenn ihm was nicht passte, was aufs Teller kam. Zum “Glück” kannte ich mich damals noch nicht so gut mit dem Thema Foodwaste aus, heute dreht es mir fast den Magen, wenn ich daran denke, was ich alles wegschmeissen musste. 🙁
      Und nein, Kind eins war nicht so, das war richtig perfekt, ein sogenanntes Musterkind, wie aus dem Büchli. Und Kind drei war nochmal anders. That’s it. Konnte und kann es auch nicht ändern. Und nein, an der Erziehung liegt das definitiv nicht, ich habe meines Wissens alle drei mehr oder weniger “gleich” erzogen… 😉

    2. Avatar von Joëlle
      Joëlle

      Also ich finde Kindermenus vor allem praktisch, weil ich (hoffentlich) günstig zwei verschiedene Menus für zwei verschiedene Kinder bekomme. Die mögen nämlich noch keine Erwachsenenportionen, ich möchte nicht unbedingt das essen was die Kinder wollen und alles immer teilen, bzw. vom einen Teil gar nichts bekommen und die Kinder möchten ja auch nicht immer das gleiche essen (sich ein grosses Menu teilen)!