«Ich wollte ein Top-Vater sein – auch mit Krebs»
Als Danny Schneider die Krebsdiagnose erhielt, war seine Tochter gerade mal zwei Monate alt. Der Befund traf den ehemaligen Motocross-Profi hart und unerwartet. Aber er liess sich nicht unterkriegen – vor allem für seine Tochter.

Meine Tochter kann und darf nicht ohne mich aufwachsen! Das war mein erster Gedanke, als ich vor rund sechs Jahren die Diagnose Hodenkrebs bekam. Der Befund kam überraschend.
Ich hatte seit einiger Zeit einen vergrösserten Hoden. Keine Schmerzen, nichts. Ich dachte, ich zeige das einem Arzt, das wird schon nichts Ernstes sein. Am Ende der Untersuchung hörte ich den Satz, den kein Mensch je hören möchte: Sie haben Krebs.
Ich weinte, war verzweifelt und fertig. Ein guter Freund von mir hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Hodenkrebserkrankung durchgemacht. Ihn rief ich sofort an. Er konnte mir die Angst etwas nehmen. Er sagte, es sei machbar und die Heilungschancen seien gut. Da war der Fall für mich noch klarer: Ich muss das überstehen – für meine Tochter. Es gibt keinen Plan B, nicht einmal vielleicht.
Vater sein, zu 100 Prozent
Zum Zeitpunkt der Diagnose war meine Tochter zwei Monate alt. Ich wollte nie Kinder. Trotzdem passierte es. Als dieses kleine Mädchen zur Welt kam, und ich sie zum ersten Mal sah, drehte sich meine Welt. Ich wusste: Das ist das Schönste und Beste, was mir im Leben passiert ist. Ab jetzt ist mein Job zu hundert Prozent Papa.
Ich verzichtete auf Einladungen vom Schweizer Fernsehen, auf die Eröffnung der coolen neuen Bar und auf all die ach so tollen Events. Es fiel mir leicht. Ich war 45 Jahre alt und hatte alles erreicht. In allem, was ich bis dahin gemacht hatte, war ich spitze. Ich war ein Top-Snowboarder, ein Top-Motocross-Fahrer, ein Top-Motorradbauer.
Ich musste niemandem mehr etwas beweisen. Das ist bis heute so. Ich könnte jedes Wochenende mit meinen Sponsoren nach Monaco reisen, um mit Lewis Hamilton zu essen. Aber das interessiert mich nicht. Seit meine Tochter auf der Welt ist, will ich nur noch eins: ein Top-Vater sein. Auch mit Krebs.
«Ich sauste mit der Kleinen mit dem Chemo-Wägeli durch die Gänge. Das fand sie wahnsinnig lustig. Ihre Besuche waren mein Highlight.»
Mein Verlauf war ungewöhnlich. Kurz nach der Diagnose wurde ich operiert. Es schien alles gut. Neun Monate später hatte ich einen Rückfall. Ich erhielt eine hochdosierte, dreimonatige Chemotherapie – mit zahlreichen Nebenwirkungen. Ich verlor meine Haare, hatte Gleichgewichts- und Koordinationsverlust, eine Sehschwäche, und mir fielen sogar Zähne aus. Das ganze Programm. Ich blieb stark und nahm eins ums andere. Als mein erster Zahn ausfiel, sagte ich mir: Okay, dann kommt eben ein neuer rein. Let’s go.
Am Ende der Therapie war mein Körper dermassen voller Wasser, dass die Venen verschwanden. Die Ärzte mussten die Nadel für die Therapie in den Kopf oder in den Fuss setzen, weil sie sonst nirgends eine Vene fanden. Es war hart. Meine Tochter war ein Jahr alt. Sie verstand nicht, dass ich so schwer krank war. Sie besuchte mich mit ihrer Mutter jeden Tag im Spital. Wir frühstückten gemeinsam und ich sauste mit der Kleinen mit dem Chemo-Wägeli durch die Gänge. Das fand sie wahnsinnig lustig. Ihre Besuche waren mein Highlight.
Nach Abschluss der Chemotherapie war ich ziemlich fertig. Doch es war noch nicht vorbei. Erst kam es zur Trennung von meiner Partnerin, dann entdeckte man rund ein Jahr nach der Chemo einen Tumor in meinem Rückenmark. Zwar war er gutartig, er hätte sich aber zu einem bösartigen entwickeln können. Also musste er raus, da gab es für mich keine Diskussion. Auch nicht, als ich erfuhr, dass es sich um eine äusserst komplizierte Operation handelt.
Der Eingriff war erfolgreich. Zwei Tage nach der Operation entliess ich mich selbst aus dem Spital. Das war vor vier Jahren. Seither ist es ruhig.
Momente kreieren und Erinnerungen schaffen
Ich habe immer schon im Moment gelebt. Das liegt an den Extremsportarten, die ich mein Leben lang betrieben habe. Mir war bewusst, dass es nur einen Fehler braucht, und ich bin tot oder querschnittgelähmt oder schwer verletzt. Ich hatte in meinem Leben schon 49 Knochenbrüche, allein mein Fussgelenk war 18-mal gebrochen.
Körperliche Tiefschläge waren also für mich nichts Neues. Die Krebsdiagnose war ein weiterer solcher Tiefschlag – und sie führte dazu, dass ich noch mehr im Jetzt lebe. Ich blicke kein Jahr nach vorne, kein halbes Jahr und auch keinen Monat. Ich wusste damals nicht, was morgen ist, oder übermorgen. Und auch heute weiss ich das nicht.
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Vielleicht heisst es nächste Woche: Sie haben wieder Ableger. Wer weiss. Ich lebe jeden Moment so intensiv wie möglich – vor allem jene mit meiner Tochter. Ich will für sie möglichst viele Momente kreieren und Erinnerungen schaffen. Wenn ich morgen nicht mehr da bin, soll sie wenigstens viele Erinnerungen an mich haben. Ich verbringe sehr viel Zeit mit ihr. Seit sie ein Jahr alt ist, mache ich ihr ausserdem jedes Jahr ein Fotobuch. Sie liebt diese Bücher.
Zeit mit der Tochter in der Alphütte
Diese Erinnerungen und Momente gaben auch mir viel Kraft in den harten Zeiten. Ich hatte während der Krankheit und der Chemotherapie die Wahl: Entweder ich lege mich ins Bett und bemitleide mich. Oder ich mache, was möglich ist, und kreiere Momente für sie und mich. Ich entschied mich für Letzteres.
Jene Zeit, die ich während der Chemotherapie nicht im Spital war, verbrachte ich mit meiner Tochter. Wir waren oft in unserer Alphütte. Es waren ganz kleine Dinge, die mir Kraft gaben und Freude machten: Wenn wir ein Feuer machten, eine Maus fingen, ein Reh beobachteten, sie badete, wir Regenwürmer sammelten.
In der Zeit nach der Chemo – mit der Trennung und dem zweiten Rückfall – war ich am Boden. Doch ich konnte nicht zusammenfallen, nicht, solange meine Tochter mich braucht. Also raffte ich mich auf und änderte mein Leben. Ich begann wieder zu trainieren, gesund zu essen, auf Alkohol zu verzichten und ein strukturiertes Leben zu führen. Bis heute ziehe ich das durch.
«Ich hoffe, Menschen, die Ähnliches erleben, helfen zu können.»
Ich weiss nicht, wie ich ohne meine Tochter mit der Krankheit und der Situation umgegangen wäre. Ich hatte immer einen starken Geist, aber meine Tochter hat mich ganz sicher gepusht. Sie hat dafür gesorgt, dass mein Wille unbändig war, alles zu besiegen und bis heute gesund zu leben.
Inzwischen ist sie sieben Jahre alt. Sie hat keine Erinnerungen an diese Zeit, manchmal reden wir darüber. Ich beantworte ihr alle Fragen, die sie hat. Ich gehe allgemein mit meiner Geschichte sehr offen um. Ich hoffe so, Menschen, die Ähnliches erleben, helfen zu können. Darum habe ich mich auch entschieden, bei der Kampagne der Krebsliga mitzumachen. Ich möchte aufklären und sensibilisieren.
Krebs betrifft alle. Irgendwie. Irgendwann.
Wie Danny geht es rund 450’000 Menschen in der Schweiz: Sie kämpfen mit der Krankheit Krebs. Neben der körperlichen und seelischen Belastung wirbelt eine solche Diagnose auch den Alltag von Betroffenen und ihren Angehörigen gehörig durcheinander.
Genau hier hilft die Krebsliga mit kostenloser Beratung, Information und psychosozialer Unterstützung. “Spendengelder ermöglichen die Unterstützung von Menschen mit Krebs und ihren Familien”, sagt Mirjam Lämmle, CEO der Krebsliga Schweiz. “Die Krebsliga ist bereits ab dem ersten Moment für Betroffene da – telefonisch, per Chat, vor Ort oder online. Das schafft einen niederschwelligen, vertrauensvollen Anlaufpunkt, der in schwierigen Momenten wirklich hilft.»
Unterstütze die Krebsliga dabei, Menschen wie Danny in ihren wohl schwierigsten Lebensphasen zu helfen. Nur so können die vielfältigen Angebote der Krebsliga aufrechterhalten werden – und dein Franken kommt garantiert dort an, wo er hingehört.
Dieser Satz: «Sie haben Krebs», der haftet ein Leben lang an einem. Der geht nicht mehr weg. Ich habe für mich beschlossen, dass ich mich nicht mehr davon bestimmen lasse. Wenn ich heute Bauchweh habe, dann habe ich einfach Bauchweh und es ist nicht gleich Krebs.
Wenn ich nach all dieser Zeit Eltern etwas mitgeben würde, dann einfach das: Verbringt Zeit mit euren Kindern – so viel ihr könnt. Schafft Momente und Erinnerungen. Das sind die Dinge, die stark machen und bleiben. Kinder wollen keine Villa, keine fancy Ferien oder einen Bentley, sie wollen Zeit mit euch verbringen.
Wir alle wissen nicht, wie viel Zeit uns bleibt. In der Welt, in der wir leben, nehmen viele alles für selbstverständlich. Morgen geht’s ja eh weiter und übermorgen und in einem halben Jahr auch, denken viele. Aber es kann ganz schnell ganz anders sein. Bei jedem von uns könnte morgen Schluss sein, einfach so. Jeder Moment ist der erste und der letzte. Die Zeit mit unseren Kindern kommt nie mehr zurück. Darum sollten wir jeden einzelnen Moment so gut wie möglich geniessen.
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Veröffentlicht am 3. Februar 2026.
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