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Unsere Kinder lernen an dieser EM fürs Leben

Fussball spielte in meiner Kindheit eine wichtige Rolle –als Zuschauerin. Ich feuerte meinen Bruder an und jubelte den Profispielern zu. Lasst uns die EM der Frauen nutzen, um unseren Kindern gleichberechtigte Rollenbilder mitzugeben. 

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Von

Ein Mädchen steht im Goal bei einem Fussballmatch.

Stundenlang stand ich als Mädchen auf dem Sportplatz. Meistens am Wochenende nahm mich mein Vater mit zum Fussball. Nicht zum Spielen. Nein. Ich war Zuschauerin. Im Mittelpunkt stand mein grosser Bruder, der im Verein spielte. Oder die damaligen Helden des FC St. Gallen, denen ich immer wieder von der Tribüne vom Stadion Espenmoos zujubelte. 

Mich beeindruckte dieser Sport. Der Teamgeist. Die Konzentration. Die Sprints. Die Fouls. Die Torschüsse. Die Jubelschreie. Das Raunen auf der Seite gegenüber. Von der Seitenlinie oder der Tribüne aus fragte ich mich oft: Wie ist es wohl, auf diesem Platz zu stehen? Wie fühlt sich dieser Teamspirit an?

Fussball war in unserer Familie ein grosses Thema. Aber für mich war immer klar: Gespielt wird er von anderen. Von Männern. Und von den Jungs. Alles andere war einfach nie Thema. 

Für mich ist das nicht nur ein Sportereignis, sondern ein gesellschaftlicher Meilenstein. 

Mit diesem Gedanken war ich damals nicht allein. Im Jahr 1990 spielten in der Schweiz gerade einmal 4’000 Mädchen und Frauen Fussball. Heute sind es mit 40’000 Fussballerinnen bereits zehnmal so viele. Und der Schweizerische Fussballverband hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2027 sollen nochmals doppelt so viele Spielerinnen, Schiedsrichterinnen, Trainerinnen und Funktionärinnen aktiv sein.

Kniesocken statt Schienbeinschoner: Michèle Widmer als Kind neben dem Fussballfeld.

Mit der Fussball-Europameisterschaft startet die grösste europäische Sportveranstaltung für Frauen – erstmals in der Schweiz. Für mich ist das nicht nur ein Sportereignis, sondern ein gesellschaftlicher Meilenstein. 

Spielerinnen als nahbare Identifikationsfiguren

Als Mutter sehe ich in dieser Heim-EM eine grosse Chance. Meine Tochter soll sehen, dass auch sie zu den Besten gehören kann. Wenn Lia Wälti, Sydney Schertenleib oder Alayah Pilgrim in den Stadien in Basel, Bern und Genf einlaufen, dann träumen plötzlich Tausende von Mädchen davon, selbst dort zu stehen. Die Spielerinnen werden zu nahbaren Identifikationsfiguren. 

Fussballerinnen sind vielfältige Vorbilder. Es sind lesbische, hetero- oder bisexuelle Frauen, die lange oder kurze Haare tragen. Die Kinder bekommen und weiter kicken. Das Spektrum des Frauseins wird plötzlich grösser.

Hören Buben Begriffe wie «Frauenschuss» oder «Mädchenflanke», rollen sie hoffentlich bald die Augen.

Auch mein Sohn soll sich die Bilder dieser EM einprägen. Für unsere Söhne, die Männer von morgen, wird so klar: Frauen sind gleichwertige Athletinnen, die genauso hart kämpfen, genauso geschickt sind, genauso gefeiert werden. Hören Buben Begriffe wie «Frauenschuss» oder «Mädchenflanke», rollen sie hoffentlich bald die Augen. Denn mit jedem Dribbling und mit jedem Kopfball haben Fussballerinnen solche stereotypischen Vorurteile widerlegt. 


Das Thema beschäftigt auch unsere Community:

Wie kinderfreundlich ist das Women’s Euro Public Viewing an der Europaallee in Zürich?

Oder stell deine eigene Frage.


Ich bin überzeugt: Kinder, die heute erleben, dass Frauen und Männer im Sport gleichwertig sind, werden morgen selbstverständlich für Gleichberechtigung einstehen.

In den USA gilt Equal Pay

Ein Blick in die USA zeigt, was möglich ist, wenn Frauenfussball wirklich populär wird. Über zwei Millionen Frauen und Mädchen spielen dort «Soccer». Die US-Frauen gehören zu den erfolgreichsten der Welt und gewannen mehrfach die Weltmeisterschaft. Der Durchbruch kam mit der Frauen-WM im Jahr 1999 im eigenen Land.

Mittlerweile erhalten in den USA Fussballerinnen den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen. Es ist sogar so: US-Fussballerinnen sind profitabler als das Männernationalteam. So weit sind wir in der Schweiz leider nicht. Hierzulande können auch Profi-Fussballerinnen noch immer nicht vom Sport leben.

Dieser vier Wochen, sie haben das Potenzial, die Sicht unserer Kinder auf Gleichberechtigung zu prägen.

Also, lasst uns diese Heim-EM als Chance für die Gleichberechtigung nutzen. Schauen wir gemeinsam mit unseren Kindern die Spiele. Im Stadion, im Public Viewing, im Gemeinschaftszentrum im Quartier oder ganz einfach zu Hause mit Popcorn und Chips.

Sprechen wir über die Spielerinnen, ihre Geschichten, ihre Träume, und die Träume unserer Kinder. Ermutigen wir sie, es selbst zu versuchen. Die neuen Vorbilder sind in den nächsten Wochen sichtbar wie nie. Diese vier Wochen, sie haben das Potenzial, die Sicht unserer Kinder auf Gleichberechtigung zu prägen.

Autorin

Michèle Widmer ist als neue Content-Leiterin im Januar 2025 bei mal ehrlich an Bord gestiegen. Davor arbeitete sie als Journalistin beim Tages-Anzeiger und schrieb die letzten zehn Jahre als Redaktionsleiterin beim Fachmagazin persoenlich.com über Medien, Werbung und Kommunikation. Zu Hause baut sie aktuell komplexe Briobahn-Konstruktionen durch die ganze Wohnung und löst mit miniLÜK Zahlenrätsel. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.

Informationen zum Beitrag

Veröffentlicht am 1. Juli 2025.


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2 Antworten

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  1. Avatar von Fränzi
    Fränzi

    Vielen Dank für deinen Artikel! Mir wurde damals gesagt, ich soll doch Volleyball spielen, Fussball sei nichts für Mädchen. Mich macht es so glücklich zu sehen, dass es für meine Jungs keine Rolle spielt, ob Frauen oder Männer auf dem Platz Fussball spielen.

  2. Avatar von Andi
    Andi

    Diese Sichtweise teile ich nur teilweise. Mädchen sind im Sport untervertreten, in anderen Freizeitbereichen hingegen nicht. Und auch im Sport gibt es viele Sportarten, in denen Frauen gleich oder übervertreten sind. In einigen Sportarten gibt es praktisch keine Männer.
    Es ist absolut wichtig, dass jedes Kind, jeder Mensch seine Freizeit nach eigenen Vorlieben statt nach Geschlechterrollen gestalten kann. Wenn Mädchen gerne Fussball spielen, sollen sie das tun (dürfen). Hindernisse wie fehlende Infrastruktur oder Leiter/innen (als Folge davon, dass sich Frauen im Sport deutlich weniger freiwillig engagieren) sollten möglichst beseitigt werden.
    Jetzt wird seit einigen Jahren mit viel Geld und Penetranz der Frauenfussball gefördert. Das mögen Fussballfans gut finden oder nicht. Vertreter/innen anderer Sportarten finden das eher befremdend. Ist es denn wichtig, dass Frauen jetzt klassische Männersportarten betreiben? (die Stadt Zürich hat dafür extra ein Programm eingerichtet). Sind diese Sportarten wichtiger als das, was Frauen von sich aus oder traditionell gerne tun, wie etwa Tanzen, Geräteturnen, Volleyball, Reiten, usw.? Und wenn es um Rollenmuster gehen würde – warum gibt es keine Programme, den Jungs die entsprechenden Sportarten näher zu bringen?
    Warum mussten jetzt Millionen für die Frauen EM gesprochen werden, nur weil bereits die Männer-EM so teuer war? Nur um dann im nächsten Moment beim Breitensport (Jugend und Sport) harte Sparmassnahmen zu ergreifen? Warum werden nicht Sportarten gefeiert wie die Leichtathletik, wo Frauen bereits absolut gleichberechtigt teilnehmen können (und mittlerweile in Nachwuchsbereich in der grossen Überzahl sind). Warum gibt es kaum mediale Beachtung für das Eidgenössische Turnfest mit über 60 000 Teilnehmer/innen, mehrheitlich Frauen?
    Gleichberechtigung in meinen Augen würde nicht nur heissen, Stereotype abzubauen (und zwar auf beiden Seiten). Sondern auch aufhören damit, männlich konnotierte Gebiete als erstrebenswert(er) und wertvoll(er) zu betrachten als das, was typischerweise eine Frau macht. Und das nicht nur auf den Sport bezogen.