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Einmischen in Streit der Kinder: clever oder never?

Grenzen setzen ist anstrengend. Sich einmischen ist unangenehm. Trotzdem gehört es zum Elternsein dazu, oder?

sich in den Zickenkrieg einmischen? aber sicher - by Rebekka Häfeli für mal ehrlich

Nein, ich mochte sie auch nie, als meine Tochter noch klein war. Die Mütter und Väter, die sich in jeden Streit um ein Sandschüüfeli einmischten. Die ihre Kinder davon abhielten, sich auf dem Spielplatz mit Gleichaltrigen zu zoffen, ihre Stärke auszutesten, sich mit anderen zu messen.

Noch weniger mochte ich die Mütter und Väter, die ihre Kinder vordergründig zu Friedensengeln erzogen. Die aber wegschauten, wenn ausgerechnet ihr Kleiner oder ihre Kleine hinterrücks ein anderes Kind biss, in den Oberarm kniff oder ihm mit dem geklauten Sandschüüfeli eins über den Schädel zog.

«Nein, das kann nicht sein. MEIN Kind würde sowas nie machen!»

«Es ist immer soooo friedlich», flöteten sie beim ersten Zwischenfall über die Spielwiese. Wenn ihr Dreikäsehoch dann weiteren Kindern eins übergebraten hatte, gingen Mami und Papi in die Gegenoffensive. Man kann ja einfach mal behaupten, in Wirklichkeit seien die anderen schuld. Der Bubi habe in Notwehr gehandelt.

So ging das manchmal einen halben Nachmittag lang. Bis mit Ausnahme eines einzigen Kindes alle weinend zu ihren Eltern gerannt waren. Nun konnten auch Mami und Papi die Augen vor den Tatsachen nicht mehr verschliessen.

Sanftes Einmischen in Streit: «Sag das Zauberwort!»

Sie fassten sich also ein Herz und – nein – sie begannen nicht etwa, mit ihrem Wonneproppen zu schimpfen. Sie sagten ihrem Kind nicht, es habe sich gefälligst anders zu verhalten. Stattdessen forderten sie es mit säuselnder Stimme auf, sich doch bitte bei den anderen Kindern zu entschuldigen.

Kaum war das Zauberwort halbherzig ausgesprochen, war die Sache für die Eltern erledigt.

Keine Diskussion, keine Konsequenzen. Das Leben geht schliesslich weiter. Ich ärgerte mich stets über dieses Verhalten. Und konnte nicht immer aufs Maul sitzen.

Gehört zum Kinderhaben nicht auch, klare Grenzen zu setzen?

Seither war ich lange nicht mehr auf einem Spielplatz. Doch als meine Teenager-Tochter kürzlich in einen Zickenkrieg verwickelt war, erinnerte ich mich an solche Nachmittage zurück.

Auslöser für die Unstimmigkeit zwischen ein paar Kolleginnen war eine Performance an einem Anlass. Dafür liess sich nur mühsam gemeinsame Übungszeit finden. Der Streit gipfelte in diversen, spöttisch bis fies formulierten Text- und Sprachnachrichten, die meine Tochter während eines Wochenendes erreichten. Als die Tochter schliesslich heulend im Bett lag, lupfte es mir den Hut.

Beim kleinsten Verdacht auf Mobbing läuten bei mir die Alarmglocken.

Ich meldete mich bei der Mutter einer der Kolleginnen. Ich wollte wissen, ob sie eine Ahnung habe, was los sei. Ob sie ihre Tochter mal fragen könnte. Und ob es nicht vielleicht möglich wäre, vernünftig zu kommunizieren.

Ich wisse schliesslich auch nicht, welchen Anteil meine Tochter habe. Ob sie den Streit womöglich sogar angezettelt habe. Aber ich hätte mit ihr gesprochen. Und nun müssten meiner Meinung nach alle einen Schritt aufeinander zugehen.

«Die müssen das Problem allein lösen», kam es zurück, «ich mische mich da nicht ein.» Das klang nicht unfreundlich, aber doch kompromisslos. Mir war klar: Freunde hatte ich mir mit dieser Aktion nicht gemacht.

Selbstverständlich kann ich die Reaktion der Mutter nachvollziehen: Wieviel einfacher und bequemer wäre es, sich nicht um Streitereien unter Teenagern zu kümmern!

Einmischen in Streit mag uncool und altbacken sein.

Aber zu kommunizieren, in Kontakt mit den Kindern zu bleiben und Grenzen zu ziehen, gehört in meinen Augen so selbstverständlich zum Elternsein, wie nachts die Bettwäsche zu wechseln, wenn dem Kind schlecht geworden ist. Und das wird – ob es mir passt oder nicht – noch eine ganze Weile so bleiben.

Wie haltet ihr es mit dem Einmischen in Streit? Bitte zum Kommentieren mit dem Handy gaaaanz nach unten scrollen!

Autorin

Rebekka Haefeli lebt in Zürich, ist verheiratet und Mutter einer Teenie-Tochter. Sie hat ihre Neugier zum Beruf gemacht und arbeitet seit der Matur als Journalistin. Sie hat u.a. ein Buch über die Walliser Hebamme Augusta Theler verfasst («Mit dem Hebammenkoffer um die Welt»). Rebekka hält sich an den Spruch, den ihr einst ihr Vater ins Poesiealbum geschrieben hat: «Zweifle an allem wenigstens einmal.» Sie ist stets auf der Suche nach Glück, nach Gerechtigkeit und nach einem Weg, alle Ideen verwirklichen zu können. www.rebekkahaefeli.ch

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 18. August 2019 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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Eine Antwort

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  1. Avatar von Miriam
    Miriam

    Hm. Wie so vieles mit Kindern nicht ganz einfach.. Wurden Grenzen überschritten? Wenn ja: Unsere Haltung dazu muss unmissverständlich sein. Können die Kinder das selber regeln? Wenn nein: Wie können wir sie an die Hand nehmen, dass sie den Konflikt selber lösen können? Falls auch das (noch) nicht geht: Eingreifen. Was ist für die Entwicklung des Kindes am besten? Wahrscheinlich: Mit gestärktem Rücken und fair selber Konflikte lösen können. Das ist aber, so mein Gefühl, mit 4 J. erst in ca. 10% der (heftigeren) Konfliktfälle ohne unsere Hilfe möglich..
    Das wäre so in etwa meine Ansicht dazu. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt (die Ältere ist nun 4 J.) und auf andere Meinungen..!