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Markus Tschannen wechselt wieder Windeln

Weltuntergang? Wir liegen in den Startlöchern

Die aktuellen Nachrichten sind düster und das Fitnessabo ist schon wieder gekündigt. Markus Tschannen und seine Familie haben trotzdem einen Plan für 2026 – na ja, zumindest ein Motto.

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Markus Tschannen auf dem Kolumnencover.

Na, habt ihr euer Fitnessabo auch schon beschämt mit dem Fuss scharrend gekündigt, das angefangene Buch in die zum Bücherschrank umdekorierte Telefonzelle gestellt und den faulenden Brokkoli im Kühlschrank mit spitzen Fingern und zugehaltener Nase nach draussen eskortiert? 

Wenn die Welt vor die Hunde geht, darf man bei den Neujahrsvorsätzen nicht päpstlicher sein als der … gibt es den Papst überhaupt noch? Lange nichts gehört.

Weltuntergangs-Fatalismus wäre ja ein ganz passender Vibe, um das Leben in der aktuellen Zeit etwas gemütlicher anzugehen. Irgendwann am Tag einfach Schluss machen, eine melancholische Playlist beim Streamingdienst des kleinsten Misstrauens suchen und zu allen noch anstehenden Verpflichtungen sagen: «Scheiss drauf!»

Steuererklärung? «Pfft!» Fenster putzen? «Ha!» Altersvorsorge? «Ach …» Man muss sich vor der Apokalypse ja nicht auch noch selbst kaputtmachen.

Nur: Es scheitert an den Kindern. Erstens mögen sie es nicht, wenn man auf alles scheisst – das ist schliesslich ihr Job. Zweitens leben die Biester noch einige Jahrzehnte und bei allem Alltagsärger, den sie uns bescheren: Den Atomkrieg wünschen wir ihnen dann doch nicht an den Hals. 

Also aufraffen und den Kindern zuliebe zusammenbleiben. Nicht in der Ehe, sondern geistig. Einfach nicht auseinanderfallen.

Wir haben die Neujahrsvorsätze vor einigen Jahren aufgegeben – aus offensichtlichen Gründen. Stattdessen wenden wir das Konzept «Jahresmotto» an.

Aber wie? Neujahrsvorsätze sind natürlich eine Möglichkeit. Einmal im Jahr ein paar gut gemeinte Ziele aufstellen: Fit werden, um dereinst mit genug Energie den Widerstand anzuführen. Aus Lehm vom örtlichen Bach einen Bunker bauen. Die Schokolade im Notvorrat aufstocken, ohne sie am nächsten Tag gleich wieder zu essen. Nicht aufhören zu atmen.

Toll, wenn’s klappt. In meiner Familie haben wir die Neujahrsvorsätze vor einigen Jahren aufgegeben – aus offensichtlichen Gründen.

#daschamebruuche aus unserem Concept Store

Stattdessen wenden wir das Konzept «Jahresmotto» an. Wir geben uns einen Leitspruch, der uns ein Jahr lang Orientierung bietet. Zumindest ein klitzekleines Stückchen Orientierung. Das Motto muss schliesslich auch schwammig genug sein, damit wir im Jahresverlauf so ziemlich alles damit rechtfertigen können. 

Falls ihr das Konzept übernehmen möchtet, teile ich hier als Inspiration gerne unsere zwei letzten und das aktuelle Jahresmotto. Und nein, ich sauge mir das nicht für ein süffiges Textchen frisch aus den Fingern. Nach diesen Leitsätzen haben wir die letzten 26 Monate wirklich gelebt:

2024: Die Würfel werden neu gemischt

Wir lebten Anfang 2024 schon einige Zeit in einer gewissen Beständigkeit – es drohte spiessig zu werden. Meine Frau verdingte sich in der akademischen Forschung und Lehre, ich als Hüter des Haushalts mit einem Kind seit Jahren in der Schule und dem anderen am Rockzipfel. Doch den musste es alsbald loslassen, denn im Sommer stand die Einschulung bevor. 

Aus Angst, mich künftig im Haushalt zu langweilen (haha), klickte ich mich durch Stelleninserate und zack, war’s passiert: Zum Jahresende arbeitete meine Frau in Basel, ich in Zürich und beide Kinder gingen zur Schule. In Bern. 

Irgendwie kam ich zudem auf die Idee, ein Buch zu schreiben und weil damit die Würfel noch nicht genug gemischt waren, fragten wir uns immer öfter: «Hmmm … drittes Kind?»

2025: Wann, wenn nicht wir?

Das dritte Kind war rasch gezeugt und wir nutzten unser neues Jahresmotto, um uns zünftig auf die Geburt vorzubereiten und trotzdem nicht das Leben zu vergessen: «Neues Auto mit 7 Plätzen?» – «Wann, wenn nicht wir?» Oder: «Nochmal teure Ferien im Familienhotel, obwohl uns bald ein kostspieliges Rollschinkli die grauen Haare vom Kopf speichelt?» – «Wann, wenn nicht wir?» Und immer wieder auch als Rechtfertigung: «War es überhaupt vernünftig, ein drittes Kind zu zeugen?» – «Ach, na ja … wann, wenn nicht wir?»

Am Ende des Jahres war das Rollschinkli – eher ein kräftiger Hinterschinken – da und wir ziemlich glücklich mit unserem Leben. Ein bisschen pleite auch.

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2026: Wir liegen in den Startlöchern

Dieses Jahr müssen wir die zweifelhaften Entscheidungen von 2024 und die fehlende Disziplin im 2025 ausbaden. Wir sind bereit für weitere Familienabenteuer in den nächsten Jahren, aber zuerst legen wir uns hin und ruhen aus. 

Ich schreibe in den nächsten Monaten sicher nicht noch ein Buch und auch sonst braucht es ein paar harte Entscheide: Das mittlere Kind kann für den Moment gut genug Schwimmen und meine Baby-Updates auf mal-ehrlich.ch wird es auch nicht mehr jeden Monat geben.

Kurzer Einschub – Baby-Update: Tertius gedeiht prächtig, ist gründlich gegen alle Akronyme geimpft und besteht die Lernkontrollen bei der Kinderärztin mit Applaus. Drei Kinder sind zwar eine Handvoll, aber es stimmt, was uns viele erzählt haben: Beim Dritten hat man Routine und ist deutlich effizienter als bei den ersten beiden. Es fühlt sich an, als würden wir nach der Lehre als Eltern (1. Kind) und den Praktika (2. Kind) endlich im Berufsleben stehen. Nur das Gehalt ist unterirdisch.

Im Hinblick auf die Weltlage ist unser Jahresmotto leider auch ganz passend.

In der Mikroökonomie unserer Familie ist also alles einigermassen auf Kurs. Und damit zurück zur Globalpolitik und der melancholischen Playlist. Im Hinblick auf die Weltlage ist unser Jahresmotto leider auch ganz passend: Einfach mal mit eingezogenem Kopf im Loch liegen und hoffen, dass alles vorbeigeht.

Vor allem aber hoffen, dass es für unsere Kinder immer eine Metapher bleibt. Und damit verbunden: nicht vergessen, was Kinder andernorts erleben müssen.

Markus Tschannen, Autor, Kolumnist, mal ehrlich - "Markus Tschannen ist nie ganz fertig"

Autor

Markus Tschannen ist Mediensprecher im Tourismus, Kolumnist für Familienthemen und Hobby-Holzfäller. Er lebt mit seiner Frau, Beebers (6) und dem Brecht (11) in der Nähe von Bern. Im Herbst 25 kam sein jüngstes Kind Tertius (0) zur Welt. Seit zehn Jahren schreibt Markus regelmässig über das Familienleben, unter anderem für den inzwischen eingestellten Mamablog und Papablog des Tages-Anzeigers. Man findet ihn als @souslik auf Bluesky und als @instantsouslik auf Instagram.


Informationen zum Beitrag

Veröffentlicht am 30. März 2026.

Die Kolumne «Markus Tschannen wechselt wieder Windeln» erscheint alle paar Monate.


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