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«Manchmal ist ADS auch schön» – eine Teenagerin erzählt

Ihr ADS fühlt sich für Bridget* (13) an wie ein ständiger Sprung zwischen Traumwelt und Realität. Lange dachte sie, sie sei einfach «zu langsam» oder «zu verpeilt». Erst eine Diagnose brachte Klarheit – und den Mut, ihre Geschichte zu erzählen.

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Illustration eines Mädchenkopfs mit pinker Wolke über den Augen und orangen Felsen um den Hals. ADS-Erfahrungsbericht einer Teenagerin.

Weisst du, wie es ist, wenn du dich einfach auf nichts konzentrieren kannst? Wenn die Gedanken ständig irgendwo anders sind und du in deiner eigenen Traumwelt festhängst? So ist mein Leben. Ich bin Bridget* – und ich habe ADS.

Für alle, die nicht wissen, was das ist: ADS bedeutet, dass man sich schwer konzentrieren kann. Man schweift schnell ab, träumt viel, ist oft «weg». Das kann schön sein, weil man eine riesige Fantasie hat – aber auch richtig anstrengend.

Es fühlt sich an, als würde die Welt um mich herum verschwimmen, und ich fange an zu träumen.

Zum Beispiel in der Schule: Wenn ein Fach langweilig ist, bin ich gedanklich sofort woanders. Kinder ohne ADS können sich einfach besser konzentrieren – und ich sitze dann da und merke plötzlich, dass ich fast nichts verstanden habe. Es fühlt sich an, als würde die Welt um mich herum verschwimmen, und ich fange an zu träumen – über meinen Tag, meine Ziele, meinen Crush oder einfach irgendwas Lustiges. Irgendwann lande ich dann wieder in der Realität, meistens mitten im Unterricht.

#daschamebruuche aus unserem Concept Store

Schulhass, Mobbing, Verständnis

In der Schule war’s lange nicht einfach. Ich hatte wenige Freunde und war echt schlecht in vielen Fächern. Ich war jung und hab angefangen, an mir zu zweifeln: Warum kann ich mich nicht einfach konzentrieren? Bin ich komisch? Dumm? Meine Unterstufen-Lehrerin hat mich dann zu einer Therapeutin geschickt. Dort kam zum ersten Mal der Verdacht auf, dass ich vielleicht ADS habe.

Damals hasste ich die Schule – wirklich. Ich wurde auch oft gemobbt, und die ersten Jahre waren einfach die Hölle. Aber dann kam die Mittelstufe, eine neue Klasse – und alles änderte sich. Ich bekam endlich Freunde und einen richtig tollen Lehrer. Er verstand mich, und plötzlich wurden meine Noten besser. Sogar so gut, dass ich es ins E-Niveau schaffte! Ich war so stolz und glücklich.

Sie wohnt nicht im gleichen Dorf wie ich, aber sie ist immer für mich da. Wenn’s mir schlecht geht, versteht sie mich einfach – meistens besser als Menschen, die im gleichen Raum sitzen.

An meiner Seite war immer meine Familie – und ganz besonders meine beste Freundin Naëmi. Sie wohnt nicht im gleichen Dorf wie ich, aber sie ist immer für mich da. Wenn’s mir schlecht geht, versteht sie mich einfach – meistens besser als Menschen, die im gleichen Raum sitzen. Sie ist mein Ruheort, mein Lieblingsmensch. Ohne sie hätte ich vieles nicht geschafft.

Plötzlich ergibt alles Sinn

In der Oberstufe war der Start wieder sehr schwer. Neue Klasse, keine Freunde, niemand, der mich kannte. Ich fühlte mich anders, unsicher und einfach fehl am Platz. Dann ging ich freiwillig nochmals zur Therapie, wo ich Spiele spielte, mein Herz ausschüttete und wo mein IQ getestet wurde – da kam endlich raus, dass ich wirklich ADS habe. Ab da ergab plötzlich alles Sinn! Ich war gar nicht dumm, wie ich immer dachte – sondern sogar überdurchschnittlich schlau. Das zu erfahren, war total erleichternd.

Ich nehme keine Medikamente gegen ADS, aber ich hab Wege gefunden, damit umzugehen. Ich tanze Streetdance, höre viel Musik, chille oder bin einfach mit Naëmi unterwegs. Ich mag’s, wenn wir einfach irgendwo sitzen, reden oder Blödsinn machen. Das ist meine Art, runterzukommen – meine ganz eigene Me-Time.


Das Thema AD(H)S beschäftigt auch unsere Community:

ADHS-Verdacht beim Kind: Wie gehen wir am besten vor?

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Intensive Gefühle, die Eltern oft nicht verstehen

Ich finde, Lehrer sollten Kinder mit ADS besser verstehen. Weniger Druck, mehr Geduld – das hilft total. Ich mag Lehrer, die mich nicht ständig testen oder anschreien, sondern mir einfach zuhören.

Auch Eltern müssen manchmal verstehen, dass Kinder mit ADS anders fühlen. Wir nehmen vieles intensiver wahr – auch die Stimmungen und Gefühle anderer. Das kann echt anstrengend sein. Aber wenn man verstanden wird, ist es das schönste Gefühl überhaupt.

Ich motiviere mich oft selbst, wenn’s schwer ist. Dann sag ich mir: «Irgendwann hast du ein tolles Leben mit einem tollen Job – wenn du dich nur gut anstrengst! Noch ein paar Jahre, dann bist du raus aus der Schule!»

Ich denke anders, fühle mehr, sehe die Welt auf meine eigene Art – und genau das macht mich zu mir.

Ich könnte mir vorstellen, irgendwann Medikamente auszuprobieren – aber im Moment hab ich mich entschieden, einfach mit meinem ADS zu leben. Denn: Manchmal ist ADS auch schön. Ich kann viel besser einschlafen wegen meiner riesigen Fantasie. Dank meiner grossen Vorstellungskraft bin ich oft sehr gut vorbereitet und kann Lösungen für Probleme finden, auf die andere gar nicht kämen.

Ich denke anders, fühle mehr, sehe die Welt auf meine eigene Art – und genau das macht mich zu mir.

Betrifft AD(H)S auch deinen Familienalltag? Hat dein Kind, dein:e Partner:in oder du selbst eine Diagnose oder steht der Verdacht im Raum? In unserem Zoom Live vom 26. Februar 2026 beantwortet Susanne Spalinger, Co-Geschäftsleiterin der ADHS-Organisation elpos, all deine Fragen. Willst du dabei sein?
Bridget, junge Autorin

Autorin

Bridget (*2012) heisst in Wirklichkeit anders. Sie hat diesen Namen gewählt, weil ihre Lieblingsromanfigur so heisst. Bridget besucht die 2. Oberstufe und hat diesen Text anlässlich eines Schnupperlehrtages im Journalismus selbstständig geschrieben. Sie liebt Tiere, aber hasst Spinnen, ist begeistert vom Reisen, vor allem in den Süden, und guckt am liebsten Horror-Filme. Sie ist herzliche Italienerin mit einem Hauch Marokkanerin und einer Prise Engländerin.

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Veröffentlicht am 18. Februar 2026


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