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Warten auf G. – eine Einleitung in vier Akten

Wehencocktail, Eipollösung, Ballonkatheter? Rebekka hat sie alle durch, die verschiedenen Einleitungsmethoden. Sie verrät, welche wehtut, welche eklig ist und was die Geburt schliesslich in Gang gebracht hat. Ein Erfahrungsbericht mit Skala.

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Liegende Frau in Spitalhemd von unten fotografiert, der Fokus liegt auf ihrem schwangeren Bauch. - Einleitung der Geburt, Erfahrungsbericht

Und schon wieder bin ich im 11. Monat schwanger. Mein Körper scheint diese Phase so richtig auskosten zu wollen (ganz im Gegensatz zu mir) und mein Glaube an ein Ende wird von Tag zu Tag kleiner. Während ich letztes Mal noch beflissen alles Mögliche ausprobiert habe – Nelkenöl auf den Bauch, Himbeerblättertee, Treppenlaufen – verharre ich nun stoisch in meinem Bett und schaue Serien im jahrhunderthitzewellenbegründeten Ventilatororkan.

Seit Tagen bin ich überzeugt, dass es bald losgeht. Mir ist sterbenselend und ich habe ständig Übungswehen, Bauch- und Kopfschmerzen, ich komme mit nichts mehr klar, heule rum, wenn man mich drei Minuten mit meiner Tochter alleine lässt und werde täglich erschöpfter. Kurz: Ich bin völlig zermürbt und weiss nicht, wie ich mit diesem Energielevel eine Geburt überstehen soll.

Die grosse Herausforderung ist, die Balance zu finden. Dazwischen, mich körperlich nicht zu übernehmen und gleichzeitig mental nicht komplett zu verkümmern. Weil ich ja seit Wochen denke, dass ich mich gerade ausruhen muss für die (wirklich kurz) bevorstehende Löwinnenleistung, treffe ich keine Freundinnen mehr und verlasse das Haus nur widerwillig. Es ist wohl so ein bisschen wie beim Sterben in hohem Alter: Man ahnt, es kommt bald, aber wann genau man den Sadomaso-Keller räumen sollte, weiss man nicht.

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mal ehrlich
Checkliste Geburt

Was die Sache wesentlich komplizierter macht als noch bei der ersten Geburt: Die ältere Tochter gibt es ja auch noch. Während mein Freund und ich also immer mal wieder glauben, dass es nun aber wirklich so weit ist, geht die Organisation der Kinderbetreuung im Anschluss jedes Mal von vorne los. Ihr seid ab dem Geburtstermin in den Ferien? Keeein Problem. Und ihr sechs Tage danach? Das muss ich mir nicht mal notieren, bis dann ist das Baby längst da!

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Ich hadere. Gleichzeitig will ich nur noch raus aus diesem doofen Zwischenzustand.

Als auch eine Woche nach Termin noch nichts passiert ist, wird es Zeit für die grösseren Geschütze: Das Thema Einleitung steht im Raum. Ich hadere. Gleichzeitig will ich nur noch raus aus diesem doofen Zwischenzustand. Aber ich denke auch: Muss ich dieses Kind jetzt wirklich stressen? Mein Gott, jetzt sind es doch höchstens noch ein paar Tage.

Aber auch diese Tage vergehen und sagen wir so – immerhin bin ich nun Expertin in Sachen Einleitung. Es folgt eine kurze Zusammenfassung und meine sehr persönlichen Eindrücke von alldem, was da so auf einen zukommt.

Eipollösung (8/10 auf der Schmerzskala)

Etwas vom Ersten, was mir angeboten wird, ist die Eipollösung. Bei dieser haut einem jemand einige Finger in den Geburtskanal und löst das Köpfchen vom Eingang. Glaub. (Anmerkung der Redaktion: Richtig wäre: Die äussere Eihaut der Fruchtblase wird vom Gebärmutterhals gelöst.)

Ich erfahre befremdet, dass man da schon reinfassen kann (das war bei der ersten Geburt noch anders, aber es ist offenbar nicht unüblich, dass ich da jetzt grundsätzlich etwas offenstehe). Am errechneten Geburtstermin wird meine Tochter also zum ersten Mal am Kopf angefasst und ich traue mich ab jetzt nicht mehr zu drücken auf der Toilette.

Wehencocktail (4/10 auf der Grusigkeitsskala)

Sieben Tage über Termin gibt’s Rizinusöl für mich. Gemischt mit Aprikosensaft und Mandelmus für ein besseres Trinkerlebnis zwar, aber trotzdem widerstrebt’s mir irgendwann ziemlich. Die Idee ist, dass die abführende Wirkung Wehen auslösen soll. Das Internet warnt mich vor wilden Darmkrämpfen und fontäneartigen Durchfallepisoden – ich chille auf dem Sofa. Wohl weil ich schon seit zehn Tagen einer Fontäne gleiche, offenbar ein Zeichen der nahenden Geburt, LOL. Wehen habe ich, aber irgendwann hören auch die wieder auf. Top.

Ballonkatheter (2/10 auf der Unangenehmskala)

Als nächstes machen wir Druck von innen. Ein langer Schlauch mit Ballon am Ende wird in meine Gebärmutter eingeführt und da aufgeblasen. So soll signalisiert werden: Hier ist ein Kopf, der will raus. Das hat man letztes Mal schon gemacht, damals allerdings hat man eine mysteriöse Haut über meinem Muttermund gefunden, kurzerhand durchstochen und danach hat es dermassen rumgeblutet, dass man mich gleich im Spital behalten hat.

Diesmal ist die Haut nicht mehr da, das Ganze nicht unangenehmer als die Jahreskontrolle beim Frauenarzt und man schickt mich wieder nach Hause. Sitzen ist schwierig mit am Bein angeklebtem Schlauch, aber irgendwann fällt das Ding auf dem WC raus und die Sache hat sich auch wieder erledigt.

Keine einzige Wehe, aber angesichts der Grösse des Ballons bin ich jetzt wohl schon etwas weiter geöffnet (oder immerhin sehr, sehr weich) und grause mich beim anschliessenden Bädelen vor dem Brunnenwasser, das den Kopf meines Fötus’ umspült.

Die Ärztin sagt: «Ohne Kind kommen Sie hier nicht wieder raus»

Am Tag nach dem Ballon muss offenbar aus Prinzip eingeleitet werden, also begebe ich mich mit meinem Köfferchen, das ich in den letzten Wochen gefühlt tausendmal ein- und wieder ausgepackt habe, auf den Weg ins Spital. Die Ärztin sagt: «Ohne Kind kommen Sie hier nicht wieder raus», was mich beruhigt. Weil ganz ehrlich – ich glaube wirklich nicht mehr dran. Ich bin wohl wie Maria I. von England, die 1555 nach Ausbleiben einer Geburt einfach wieder abnahm.

Meine Freund:innen wünschen mir viel Glück, aber das Wissen um eine Bekannte, die nach Beginn der Einleitung volle sechs Tage im Spital auf ihr Baby warten musste, lässt mich abwinken. Jetzt nur nicht denken, es sei geschafft.

Medikamentöse Einleitung (1/10 auf der Action-Skala)

Beim richtigen, tatsächlichen Einleiten wird ein kleines Zäpfchen, das offenbar auch im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen verwendet wird, vaginal eingelegt (oder besser: reingewürgt). Entgegen der landläufigen Meinung, dass es danach gleich losgeht, passiert erst einmal – oh Wunder – nichts. Der Vorgang wird nun alle vier Stunden wiederholt, nach 24 Stunden gäbe es 12 Stunden Pause, danach kann der Zyklus noch maximal dreimal repetiert werden.

Bei mir sind am Ende doch nur drei Dosen nötig, bis sich ernsthaft etwas tut. Nach 14 Stunden im Spital schiebt man mich also endlich in Richtung Gebärsaal. Und dann geht plötzlich alles sehr schnell. Es ist wie Dessert – jede Wehe erfüllt ihren Zweck statt mich nur zu quälen, die PDA ist schnell gelegt und himmlisch. Und am Ende? Am Ende bringe ich entgegen aller Erwartung ein kleines Menschlein zur Welt. Völlig unkompliziert und äusserst effizient.

Rebekka Bräm, Autorin, Schwangerschaftskolumne mal ehrlich

Autorin

Rebekka Bräm mag Texte, die in wenig Worten viel sagen. Ursprünglich Opernsängerin, ist sie heute selbstständig in der (Kultur-)Kommunikation und als Autorin tätig, unter anderem für die «Annabelle» und für «kulturzüri.ch». Schreiben ist etwas, was Rebekka passiert ist. Es hilft ihr dabei, in turbulenten Momenten ihre Ruhe wiederzugewinnen. Was sie als Autorin ausmacht, ist unzensierte Ehrlichkeit. Sie will auf den Punkt kommen, berühren und unterhalten.

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Veröffentlicht am 12. Oktober 2026


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