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Streitpunkt Kinderbetreuung: andere Länder, andere Vorwürfe

Was, dein Kind geht drei Tage in die Kita? Sowas hört man in der Schweiz nicht selten. In Lissabon ist das ein bisschen anders…

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Text: Uemit Yoker

Kinderbetreuung hat in anderen Ländern ganz andere Regeln mal ehrlich

Wenn Ana mürrisch schaut, ist es meistens halb zwei. Manchmal legt sie schon um eins die Stirn in Falten, bisweilen auch erst um zwei. Sicher ist: Es fällt mit meiner Ankunft in der Kita zusammen, in der sie sich um meine Kinder kümmert. «Hat dich deine Mama wieder aus dem Mittagsschlaf geholt», sagt sie dann jeweils, wenn ich an der Tür stehe, und drückt mir den kleineren meiner beiden Buben in den Arm, dabei schaut der eigentlich ganz zufrieden drein. Nur sie scheint nicht glücklich darüber zu sein, dass ich meine Kinder an manchen Tagen früher abhole, als andere Mütter dies tun.

Hui, so viele Kita-Tage? Tz, tz, tz…

Wie oft man seine Kinder von anderen Menschen betreuen lassen darf, ohne als schlechte Mutter (den Vater betrifft das Urteil noch immer selten) zu gelten, hängt immer auch vom Umfeld ab, in dem man sich gerade befindet. Manchmal ist man unter Leuten, die drei oder vier Tage in der Kita in Ordnung finden, andere ziehen schon bei eineinhalb Tagen scharf die Luft ein, und bisweilen trifft man auch auf jemanden, der sich gar nicht erst anmasst, die Situation besser beurteilen zu können als die Eltern selbst, aber furchtbar häufig ist das nicht der Fall.

In der Schweiz war ich es mir gewohnt, als berufstätige Mutter immer mal wieder in den Verdacht zu geraten, das Wohl meiner Kinder sorge mich zu wenig, weil diese nicht jeden Tag bei mir zu Hause sind. Was ich nicht wusste: Zieht man in ein anderes Land, muss man sich unter Umständen plötzlich dafür rechtfertigen, dass man seine Kinder nicht täglich in die Kita schicken will.

Unbedingt tägliche Kinderbetreuung!

Auf meiner Suche nach einem Krippenplatz in Lissabon musterten mich Betreuerinnen deshalb sorgenvoll, wenn ich das Anliegen vorbrachte, dass ich meine Kinder an einem oder zwei Tagen oder zumindest an manchen Nachmittagen zu Hause behalten möchte. Es sei den Kleinen nicht zuzumuten, klärte man mich auf, dass sie an einigen Tagen in der Kita seien und an anderen nicht, nur der tägliche Besuch gewähre ihnen ausreichend Struktur im Alltag.

Meinen Einwand, dass in der Schweiz ziemlich viele Kinder gut damit zurechtkämen, Montag und Dienstag in der Krippe, Mittwoch beim Grosi und die übrigen Tage zu Hause zu verbringen, wurde geflissentlich überhört. Genauso wie meine Berichte zurück in die Schweiz, dass all die Buben und Mädchen, die in Portugal jeden Tag in die Kita gehen, in der Regel keine vernachlässigten und verschupften Wesen seien, sondern ganz normale Kinder.

Was ist das Richtige für unsere Familie?

Obwohl wirtschaftliche und politische Umstände in einem Land wesentlich mitbestimmen, ob wir mit unseren Kindern zu Hause bleiben und uns dies auch leisten können oder ob es sich rechnet, dass beide Elternteile berufstätig sind und für Kinderbetreuung aufkommen, halten wir an unseren Überzeugungen oftmals fest, als seien sie unumstösslich und gottgegeben. Vielleicht, weil die Vorstellung, nie mit absoluter Sicherheit sagen zu können, was das Richtige ist für unsere Kinder, einfach unerträglich ist.

Irgendwann habe ich Ana zur Rede gestellt. Ich wisse, dass meine Betreuungslösung hier unüblich sei, aber solange meine Kinder, mein Mann und ich damit zufrieden seien, hielte ich sie für die beste. Manchmal kann sie sich einen Spruch auch heute noch nicht verkneifen. Aber wir zwinkern uns dabei zu.

Autorin

Ümit Yoker ist freischaffende Journalistin und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen seit 2014 in Lissabon.

Dieser Text erschien als Erstes auf dem Mamablog.

Nach der Krippe kommen schon die nächsten Hürden: Das Loslassen des Kindergarten-Kindes. Und dann der Druck in der Schule – oder ginge das auch anders?

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Autorin

Ümit Yoker ist freischaffende Journalistin und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen seit 2014 in Lissabon.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 6. Mai 2018 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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Eine Antwort

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  1. Avatar von Patricia
    Patricia

    Habe ich in Italien auch so erlebt. Als ich fragte, ob man das Kind auch nur 3 Tage in die Kita schicken könne, hat man mir ebenfalls erklärt, dass die Kinder die tägliche Struktur bräuchten. Auch die Kinderärztin war besorgt, als ich erzählt habe, dass meine einjährige Tochter erst in einem halben Jahr in der Kita starten würde. Sie meinte, meine Tochter müsse umbedingt mit anderen Kindern ihres Alters zusammen sein.