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Ade Mütter-Bashing, olé Sisterhood!

Wieso machen sich Mütter gegenseitig runter, statt sich zu stützen? Und wie verhalten sich die Männer? Mara Ittig über unnötige Kommentare und aufreibende Kämpfe.

Text: Mara Ittig

Quelle Unsplash - mal ehrlich

Dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, gilt wohl nur für die Rabenvögel. Unter Frauen aber wird gerne beurteilt und verurteilt – ganz besonders unter Müttern. Wer macht es besser, wer macht es richtig, wer macht es falsch? Typisches Mütter-Bashing.

Dabei könnten wir mehr Solidarität und Sisterhood ganz gut brauchen.

Als anlässlich des Frauenstreiks im vergangenen Juni tausende Frauen auf die Strasse gingen, wischte ich mir inmitten dieser wunderbar bunten Schar verstohlen ein paar Tränen aus den Augen. Die Welle der Solidarität berührte mich tief. Was für ein grossartiges Gefühl, zu sehen, dass so viele Frauen gemeinsam für eine Sache unterwegs sind: laut, leise, kreativ, lustig, frech, verkleidet, mit Kindern oder ohne.

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Heulen könnte ich manchmal auch wegen der Antipodin der weiblichen Solidarität. Aber nicht vor Freude.

Stutenbissigkeit geht mir total auf den Sack.

So richtig fällt mir das Phänomen des weiblichen «sich nichts schenken wollen“ erst auf, seit ich Mutter bin. Die ungefragten Kommentare, wenn man mit einem schreienden Baby oder mit herumturnenden Kindern im öffentlichen Verkehr unterwegs ist, kommen meiner Erfahrung nach in nahezu allen Fällen von anderen Frauen.

Auch die Kommentare in Mütterrunden können bisweilen ganz schön perfid sein: «Stillt sie immer noch? Das Kind hat doch schon Zähne, oder?» – «Ah, sie arbeitet schon wieder? 80 Prozent? Tja, das muss ja jede selber wissen…“

Und nun ein Klassiker des Mütter-Bashings:

„Schau, diese Kinder machen gerade etwas sehr Verbotenes: Sie gehen zu zweit aufs Trampolin.“

Meine Lieblingsform mütterlicher Kritik. Man adressiert sie nicht direkt, sondern spricht einfach in ausreichender Lautstärke mit den eigenen Kindern und stellt so sicher, dass es die andere Mutter garantiert mitbekommt.

Man könnte statt zu kritisieren auch reflektieren. Und sagen: «Cool, dass sie einen Job hat, der ihr so viel Spass macht, dass sie weiterhin trotz Spagat voll dabei bleibt.» Oder: «Wie schön, dass sie nach zwei Jahren immer noch stillen mag

Die vielen Kommentare, die als frische und auch als gestandene Mutter auf einen einprasseln: Wieso kommen sie meistens von Frauen? Wieso dieses Mütter-Bashing? Und wieso sind es oft Frauen, die selber auch Mutter sind, aber einfach schon aus dem Gröbsten raus?

Gerade sie müssten es doch besser wissen.

Haben sie wirklich vergessen, dass es ohnehin schon ein Spiessrutenlauf ist, mit einem brüllenden Kleinkind um die Migrosregale herumzukurven — auch ohne Kommentare oder Tipps wie „Laufen Sie ihm einfach davon – dann hört er schon auf zu täubelen“?

Noch nie hat mir ein Mann erklärt, was ich mit meinem Kind falsch mache.

Oder dass ich imfall wirklich nicht meinen müsse, ich könne nach dem Mutterschaftsurlaub einfach ankommen und nur noch Teilzeit arbeiten.

Ich habe lange überlegt, ob mir nicht wenigstens ein Beispiel einfällt, in dem sich ein Mann in dieser Art geäussert hat. Aber tatsächlich: Nichts!

Wie kommt’s? Sonst erklären mir Männer doch auch ganz gerne ungefragt die Welt: Im Fitnessstudio, bei der Arbeit, beim Warten auf den Lift (als Frau kann man offenbar sogar den Liftknopf falsch drücken).

Sisterhood - Quelle: Unsplash
Sich gegenseitig stützen, statt niedermachen – das wär’s doch. (Bild: Unsplash)

Aber: Männer sind zurückhaltend mit Wortmeldungen, wenn es um meine Rolle als Mutter geht. Fühlen sie sich zu wenig kompetent, um einer Frau Tipps zu Kindern und Erziehung zu geben? Handelt es sich dabei um ein Gebiet, in dem sie sich gar nicht hervortun wollen? Interessiert es sie schlicht nicht, was andere Eltern so machen, solange es bei ihnen selber rund läuft?

Was mich jedoch mehr beschäftigt als das (Nicht-)Verhalten der Männer: Wieso urteilen Frauen über Geschlechtsgenossinnen so erbarmungslos?

Weshalb immer dieses Mütter-Bashing?

Nur weil es eine andere Mutter anders macht, heisst das ja nicht, dass sie es falsch macht — oder ich. Wir machen es einfach anders.

Frauen definieren sich häufig immer noch viel stärker über ihre Mutterrolle als Männer das als Väter tun. Und fühlen sich in ihrer Identität deswegen wohl auch eher angegriffen, wenn jemand etwas im Umgang mit den Kindern anders macht. Weil damit offenbar implizit die eigene Herangehensweise hinterfragt wird.

Beim Elternsein gibt es nun mal kein Richtig oder Falsch.

Darum orientieren wir uns immer auch an dem, was andere tun. Es gibt uns Sicherheit, wenn wir sehen, dass andere Mütter und Väter gewisse Dinge gleich handhaben wie wir.

Und es verunsichert, wenn jemand etwas nicht so macht, wie wir es für richtig halten. Weil das ja auch heissen könnte, dass wir es falsch machen. Aber das heisst es nicht.

Weil Erziehung keine Ampel ist, bei der alles falsch ist, ausser bei Grün zu gehen.

Denn ist es nicht auch so, dass ich gar nicht anders erziehen kann, als ich als Mensch halt bin? Sprich: Eine Perfektionistin wird ihre Kinder naturgemäss anders erziehen als eine Chaotin. Und eine temperamentvolle Frau anders als eine stille und zurückhaltende Mutter.

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, ich könnte meine Kinder mit viel Struktur und eingespielten Abläufen durch den Tag begleiten? Würde das nicht vieles vereinfachen? Irgendwann musste ich einsehen, dass das einfach nicht meine Art ist. Ich bin eine spontane Person, die auch für sich selber wenig Strukturen und Abläufe hat, sondern die Dinge nimmt, wie sie gerade kommen.

Es war ein aufreibender Kampf, mich selbst zu einer strukturierten Mutter mit klaren Regeln erziehen zu wollen – und eine echte Befreiung, dieses Ziel irgendwann loszulassen. Weil ich einfach nicht so bin.

Dass wir so unterschiedlich sind und es kaum eindeutige Regeln gibt, macht das Elternsein zwar anspruchsvoll, aber doch auch spannend.

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Wie langweilig wäre es, wenn wir alle unsere Kinder gleich erziehen würden?

Und wie unrealistisch.

Wäre es nicht an der Zeit, aufzuhören, über andere Mütter zu richten, wenn sie sich nicht an unsere eigenen Erziehungsregeln halten und einen anderen Stil im Umgang mit ihren Kindern pflegen?

Seien wir doch etwas netter zueinander und gestehen uns gegenseitig zu, dass jede Person ihren eigenen Weg hat, ihre Kinder zu erziehen. Sie tut es ganz bestimmt nach bestem Wissen und Gewissen. Wir haben es ja gezeigt am 14. Juni: Wir können das mit der Solidarität und Sisterhood eigentlich wirklich gut.

Was habt Ihr für Erfahrungen zum Thema «Mütter-Bashing» und «Sisterhood Solidarität»? Zum Kommentieren bitte ganz nach unten scrollen.

Autorin

Weitere Texte von Mara: In «Dino oder Rüschen – und nix dazwischen» schreibt sie über Geschlechterbilder und in «Weniger Streit, mehr Verständnis? Tauscht die Rollen!» verrät sie uns ihr Fazit nach einem temporären Rollentausch mit ihrem Mann.

Autorin

Mara Ittig ist Lifestyle-Redaktorin, freischaffende Texterin und Kommunikationsberaterin. Ihr Alltag als Mutter von zwei Söhnen gleicht einem Balanceakt: zwischen Kindern und Job, zwischen Frausein und Bubenmami, zwischen verständnisvoller Fee und schäumendem Drachen, zwischen eigenen Ansprüchen und begrenzten Ressourcen.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 22. September 2019 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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4 Antworten

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  1. Avatar von Michelle
    Michelle

    Ich denke, dass es eben ein grosses Problem ist, dass wir keine einheitliche Erziehung mehr haben und auch wenige wirklich eine Ahnung wie es geht ( mich eingeschlossen). Man kommt als Mutter “auch auf die Welt” und irgendwie weiss man so gar nicht was man tun soll. Selbst eigentlich simple Sachen wie stillen, hatte ich null Ahnung was das heisst, geschweige den wie man mit Kindern in der Autonomiephase umgeht. Wenn ich eine Mutter sehe die ihr Kind am Ohr zieht oder anschreit oder das Gegenteil das Kind alles machen lässt, dann habe ich Probleme wegzusehen. War Erziehung nicht schon immer eine Gesellschaftsaufgabe und eher eine neue Form so wie wir es heute betreiben (Mutter-Kind-Erziehung). Ich finde das Buch “Kindern mehr Zutrauen” sehr spannend, wo es um die ursprüngliche Erziehung geht. Die Autorin untersuchte bei indigenen Völkern die Kindererziehung und stellte viele Gemeinsamkeiten fest, viele Sachen auch wie wir früher hier die Kinder erziehten. Und da alle die gleiche Einstellung haben, ziehen alle am gleichen Strick und helfen einander. Ich finde es aber bei uns schwierig einander zu helfen, da jeder Ratschlag oder Tipp als Angriff verstanden wird, als als Vorschlag. Als ob man mit dem Tipp das Können hinterfragt. Also mich eingeschlossen, wenn die Schwiegermutter einem sagt , lass das Baby einfach schreien und verwöhne es nicht zu sehr (Problem unterschiedliche Erziehungsvorstellung), obwohl ich eigentlich sehr froh wäre um Hilfe und Tipps, wie es richtig geht. Aber eben Fazit Kinder hat man schon immer gemeinsam erzogen, darum wohl die Einmischung. Aber Einmischungen können auch gut sein und Inputs geben. Beispiel Schwiegermutter halt dass man es gelassener nimmt und nicht immer zu ernst.

  2. Avatar von Magda
    Magda

    DankeDanke für deinen Text!
    Ich bin gerade mal für einige Tage wieder aus FB raus, weil mich das working mom-bashing so aufregt und ja, ich nehme die mangelnde Solidarität v.a. von Seiten privilegierter Mütter wahr, die in die Rollen unserer Mütter und Großmütter zurückspringen, natürlich aufgemöbelt für Instagram und (ohne wirkliche wissenschaftliche Grundlagen) auf arbeitende Mütter und alleinerziehende Mütter herabschauen. Und ich finde es selbst sehr anstrengend, auch immer wieder mit mir selbst zu ringen und mir klarzumachen, dass diese Rama-Familien-Seligkeit schon immer ein Trugbild war.

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Liebe Magda – danke für Dein Feedback! Im Gegenzug möchte ich Dich fragen, ob es denn wiederum nötig ist, “privilegierte Mütter” in eine Schublade zu stecken? Wollen wir uns – ganz im Sinne dieses Textes – nicht einfach leben lassen und gegenseitig unterstützen, OHNE den eigenen Lebensentwurf höher zu werten als den anderen? Liebe Grüsse!

  3. Avatar von Mava
    Mava

    Danke, danke, danke für diesen wunderschönen Artikel! Ich habe als frichgebackene Mutter die vielen Kritiken als sehr belastend und störend empfunden. Zunächst dachte ich, dass es daran liegt, dass ich relativ jung (mit 24 Jahren) Mutter geworden bin und daher von älteren Frauen als unerfahren erlebt werde. Schnell habe ich festgestellt, dass sich viele wohl generell gerne in die Kindererziehung einmischen und ungefragt ihren Senf dazu geben. Auch in Internetforen geht es oft hoch her, wenn jemand eine Frage stellt, die darauf schließen lässt, dass vielleicht in der Kindererziehung irgendwas anders gemacht wird. Müttern, die nicht stillen wollen oder können, wird nicht selten suggeriert, dass ihre Kinder lebenslange mit Bindungsstörungen zu kämpfen haben und im Jugendalter bestimmt aggressiv werden. Teilweise sind diese hobby-psychologischen Schlussfolgerungen so abstrus, dass es schon fast zum Lachen ist. Dabe finde ich es eigentlich traurig, wie sehr Mütter sich untereinander “bekämpfen” (leider ist kämpfen hier ein wirklich passender Ausdruck), unter Druck setzen und versuchen, ein schlechtes Gewissen einzureden. Dass Kritik nur von anderen Müttern (oder Frauen) kommt, kann ich allerdings nicht bestätigen. Ein paar ältere Männer aus unserer Nachbarschaft haben sich auch ab und zu eingemischt und waren zum Beispiel fassungslos, dass auch mal der Papa “allein” auf das Baby aufpassen muss, weil die Mutter so dreist ist, eigene Bedürfnisse zu haben, und zum Sport fährt…