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Teilzeitarbeit bei Männern: Wo ist das Problem?

Kommt ein Kind zur Welt, muss ein Elternteil das Pensum reduzieren. Teilzeitarbeit ist bei Männern aber immer noch selten. Über Gründe und Auswege.

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Text: Anne Gross

Tochter umarmt ihren am Boden liegenden Vater. Teilzeitarbeit für Männer ist nach wie vor schwierig - weshalb?

Ein Vater, der Pausenbrote schmiert, bei fast jeder Schulaufführung dabei ist und zum Muttertagsfest zur Schule kommt, weil Mama arbeitet – so bin ich aufgewachsen. Mein Vater war immer da, weil er sich seine Arbeitszeit so eingeteilt hat, um für mich da sein zu können.

Das ist 25 Jahre her. Eine flexible Arbeitszeit-Einteilung oder Teilzeitarbeit bei Männern hatte damals gewiss eine Seltenheit. Doch heute sollte das normal sein, oder? Nicht ganz! Aber warum?

Heute arbeiten ca. 17,7 Prozent der Männer in Teilzeit.

Eine Zahl, die zwar einen deutlichen Fortschritt zu den Vorjahren aufweist, aber dennoch:

Es läuft in der Schweiz eher zäh, was das ganze Thema Teilzeitarbeit bei Männern angeht.

Das sagt Thomas Neumeyer. Er ist Leiter Betrieb und Kommunikation des Vereins männer.ch.

Der Verein bildet auch die Trägerschaft für die im Jahr 2012 gestartete Kampagne «Der Teilzeitmann». Die Kampagne hatte zum Ziel, dass bis ins Jahr 2020 insgesamt 20 Prozent der arbeitstätigen Männer und Väter Teilzeit arbeiten.

Dass dieses Ziel nicht ganz erreicht wurde, hat mehrere Gründe, die unter anderem auch systemisch verankert sind: «Schweizer:innen haben oft das Gefühl, dass wir in einem fortschrittlicheren Land leben, als wir es tatsächlich tun«, sagt Neumeyer. Gerade im Bereich Elternschaft, Vereinbarkeit und Gleichstellung stehe die Schweiz nicht besonders gut da. 

So sind zum Beispiel die Kitas sehr teuer und auch prozentual viel weniger subventioniert als in den meisten anderen europäischen Ländern. Und Tagesschul-Strukturen gibt es bis anhin kaum. 

Die aktuellen Strukturen erfordern, dass ein Elternteil das Pensum reduziert.

Und das ist weiterhin in den meisten Fällen die Frau. Das zeigt auch das Beispiel einer jungen Mutter, mit der ich kürzlich sprach: «Ich bin Mutter von drei kleinen Kindern und Anwältin. Ich möchte wieder in meinen Beruf einsteigen. Die Kosten für die Kinderversorgung sind aber so gewaltig, dass es sich eigentlich nicht lohnt, arbeiten zu gehen», sagt sie.

Dennoch tut sie es und zahlt dafür einen hohen finanziellen Preis. Sie verhindert damit aber auch, in die «long-run child penalty» zu geraten.

So wird die langfristige Einkommensreduktion bezeichnet, die Mütter 5 bis 10 Jahre nach der Geburt haben im Vergleich zu den Vätern. «In der Schweiz haben die Mütter gegenüber den Vätern längerfristig eine Einkommenseinbusse von 67 %. Der Wert ist in Deutschland und Österreich tiefer , bei 61 % bzw. 51 %.» (Quelle: Bass-Studie 1/2023, S. V/VI)

Auch die Kita- und Kindergartenzeiten machen es kaum möglich, dass beide Eltern ihrem Job in Vollzeit nachgehen können. «Kaum ist man bei der Arbeit, steht das erste Kind bereits schon wieder vor der Tür, zurück aus dem Kindergarten für den Zmittag», sagt die Mutter.

Ein weiterer struktureller Faktor, der von Anfang an die Rollenverteilung deutlich macht, ist der Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen. Die Erhöhung von einem Tag auf zwei Wochen ist zwar erfolgt, allerdings sei damit wirklich nur ein Minimalziel erreicht, sagt Neumeyer.

Eine Elternzeit, die beide Elternteile beziehen können, ist noch nicht in greifbarer Nähe. 

Zurück zu meinem Vater: Würde er heute noch leben, würde ich ihn sehr gerne fragen, warum er sich dazu entschieden hat, mehr Zeit für die Care-Arbeit zu investieren als die meisten seiner Freunde, die währenddessen ihren steilen Karrieren in der Wirtschaft gefolgt sind. Ich weiss, dass er oft dafür belächelt wurde und als nicht ehrgeizig genug galt.

«Dein Vater hat sein Leben eben genossen», diesen Satz habe ich sehr oft gehört. Dass er sich ganz selbstverständlich für gemeinsame Zeit mit seiner Tochter entschieden und sich damit bewusst gegen die gesellschaftliche Norm gestellt hat, davon sprach bisher niemand. 

Teilzeitarbeit bei Männern galt nicht als erstrebenswert oder vorbildlich.

Bis heute scheint es vielen Männern schwerzufallen, sich gegen die immer noch tiefsitzenden Normen zu wehren.

Und das, obwohl so viele den Wunsch haben, weniger zu arbeiten, um mehr Zeit für ihre Familie und Kinder zu haben.

Teilzeitarbeit bei Männern scheint nämlich schon ein Bedürfnis.

Das zeigt auch eine Paar-Umfrage des BSF aus dem Jahr 2019. 47 Prozent der befragten Paare haben den Wunsch, dass beide Teilzeit arbeiten. Aber nur 13 Prozent der Befragten leben dieses Modell auch. 

Lukas Klaschinski ist Psychologe, Podcaster und selbst Vater einer fünfjährigen Tochter. Er sieht die Gründe der Teilzeit-Problematik bei Männern sowohl psychologisch als auch soziologisch tief geprägt: «Wir leben nach wie vor noch mit dem Gender-Pay-Gap, was die Entscheidung, wer zu Hause bleibt, von Anfang an meist in die Richtung lenkt, dass die Frau zu Hause bleibt

Zudem sei das Selbstbild des Mannes als Versorger bei vielen immer noch stark verankert. «Psychologische Prägungen sitzen sehr tief», so Klaschinski. Auch wenn Männer sich vornehmen, alles anders zu machen als ihre eigenen Väter, schlägt die Prägung dann mit der Geburt des ersten Kindes doch nochmal zu. Das klassische Zuhause, wie man es aus der Kindheit kennt, ist das, womit man sich identifiziert und wo man sich am wohlsten fühlt.

«Tiefe Prägungen zu überwinden ist schwierig, aber nicht unmöglich», sagt Klaschinski. Der erste Schritt sei dabei, sich seiner Prägung bewusst zu werden und dann zu reflektieren, was man eigentlich will. 

Was macht es denn mit den Kindern, wenn der Vater hauptsächlich abwesend ist?

Dazu sagt Klaschinski: «Entwicklungspsycholog:innen gehen davon aus, dass die Bindung zu den Eltern gerade in den ersten drei Jahren essentiell wichtig ist. Da kann es nur von Vorteil sein, wenn beide Elternteile so viel wie möglich anwesend sind.»

Kinder, die mit der mehrheitlichen Abwesenheit des Vaters aufgewachsen sind, können das Verhalten entwickeln, sich um die Aufmerksamkeit des Vaters bemühen zu müssen, wenn er denn mal da ist. «Und was diese Prägung für spätere Liebesbeziehungen macht, kann man sich in etwa vorstellen.»

Auch Thomas Neumeyer betont: «Es ist nötig, dass Männer noch mehr bereit sind, für ihren Wunsch nach aktiverer Vaterschaft und Teilzeit zu kämpfen.»

Teilzeitarbeit bei Männern wird nicht automatisch Usus.

Konkret bedeutet dies, dass Forderungen gestellt und gegebenenfalls auch Konsequenzen gezogen werden müssen, sollte man mit der Frage nach familienfreundlicheren Arbeitsumständen auf Ablehnung stossen. Das, was Frauen (nicht unbedingt freiwillig) schon lange tun.

Denn Fakt ist: Wenn beide Partner einen Arbeitgeber haben, der keine Pensumsreduktion erlaubt (und fünf Tage Kita nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubs für das Paar nicht in Frage kommt), sind es zurzeit fast immer die Frauen, die den Job aufgeben.

Neumeyer fügt hinzu: «Ich weiss, das ist viel verlangt, in einer Phase des Umbruchs, in dem auch finanzielle Sicherheit wichtig ist. Aber hier können die Männer beweisen, dass sie es wirklich ernst meinen mit der Gleichberechtigung in ihrer Beziehung.»

Die Ängste von Männern bezüglich Teilzeitarbeit sind leider durchaus berechtigt.

Tatsache ist, dass Männer, die sich mit dem Wunsch nach Teilzeitarbeit bewerben, weniger Chancen haben, einen Job zu bekommen als Frauen. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hat anhand der Daten der grössten Stellenvermittlungplattformen der Schweiz (Job Room) untersucht, welche Bewerber zum Gespräch eingeladen werden.

Das Ergebnis: Wer sich als Mann mit dem Wunsch nach einer 90-Prozent-Anstellung bewirbt, hat eine 16 Prozent geringere Chance, kontaktiert zu werden. Bei Frauen ist der Nachteil weniger als halb so gross. (Quelle: Kopp, Daniel, and Michael Graff. «Arbeitsmarktdiskriminierung in der Schweiz», 2021)

Die Verantwortung liegt also auch ganz deutlich bei den Unternehmen: Viele Firmen bieten glaubwürdige Teilzeitstellen an, so Neumeyer. Aber die meisten haben noch nicht erkannt, dass es sich auch für sie lohne, ihre Strukturen so anzupassen, dass die Familienphase ihrer Angestellten als etwas Normales mitgedacht wird, so Neumeyer.

Teilzeitarbeit und Flexibilität seitens Arbeitgeber:in habe das Potenzial, gute Mitarbeiter:innen in der Firma motiviert und zufrieden zu halten. Das Väternetzwerk Schweiz von männer.ch macht genau das. Es unterstützt Unternehmen dabei, eine väterfreundliche Umgebung zu schaffen. 

Kooperation

PostFinance engagiert sich für bessere Vereinbarkeit

Vater zeigt Kind, wie man einen Backofen bedient

«Die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben ist uns ein grosses Anliegen und wird mit flexiblen Rahmenbedingungen gefördert», sagt Dominic Bodenheimer, Corporate Responsibility, von PostFinance.

Mal ehrlich, wie sieht das konkret aus? Bodenheimer erklärt: «Wir unterstützen unsere Mitarbeiter:innen dabei, wo möglich, flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitarbeit oder Führungsmodelle wie geteilte Führung zu leben. Obwohl Teilzeitarbeit auch bei uns nach wie vor typisch weiblich ist, liegt der Anteil teilzeitarbeitender Männer leicht über dem schweizerischen Durchschnittswert. Wir setzen uns dafür ein, dass Teilzeitarbeit unabhängig vom Geschlecht als normal wahrgenommen wird – über alle Hierarchiestufen hinweg.  

Das wird auch intern immer wieder aufgezeigt, steter Tropfen, ihr wisst schon. Bodenheimer sagt: «Im Intranet haben wir schon mehrfach Portraits von teilzeitarbeitenden Männern und Frauen publiziert. Ausserdem werden alle unsere Stellen als Teilzeitstellen ausgeschrieben.»

Immer wieder wird Neues ausprobiert: So hat sich beispielsweise die Ferienwoche etabliert, in der Mitarbeiter:innen ihre Kinder während der ersten Woche der Sommerferien betreuen lassen können. Momentan läuft das Projekt «Spielzimmer am Hauptsitz». «Eltern, die an grösseren und längeren Meetings am Hauptsitz teilnehmen müssen, können ihre Kinder in einem eigens dafür eingerichteten Spielzimmer betreuen lassen. Falls das Fazit des Pilotprojekts positiv ausfällt, wird das Angebot weiter ausgerollt.»

Damit sich etwas verändert bezüglich Teilzeitarbeit bei Männern, ist Kommunikation essentiell.

Insbesondere zwischen Paaren.

«Eigentlich sollte man als Paar bereits wenn man den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält, wissen, wer wann wie arbeitet und nicht erst kurz vor der Geburt», sagt Neumeyer. Viele Männer haben nach wie vor die Glaubenssätze, dass sie in der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt sowieso kaum etwas tun können und das Kind vor allem die Mutter braucht.

Dabei vergessen sowohl Männer als auch Frauen, dass eine frühzeitige Planung der Arbeitsverteilung auch langfristig vor Armut schützen kann. Denn, so Neymeyer:

Je höher der Anteil der Frau am Erwerbseinkommen, desto geringer das Risiko einer (sehr) prekären finanziellen Situation.

Dieser Effekt ziehe sich durch sämtliche Bildungs- und Einkommensschichten. (BASS Studie 2023)

Ich danke also meinen Eltern. Sie haben, ob bewusst oder unbewusst, ein sehr modernes Familienleben geführt. Es hat mir Zeit mit meinem Papa geschenkt. Gleichzeitig aber auch sichergestellt, dass wir trotz Schicksalsschlägen eine finanziell gesicherte Zukunft hatten, da es meiner Mutter immer möglich war, mich zu versorgen.

Porträtbild von Anne Gross

Autorin

Anne Gross ist freie Redakteurin und arbeitet für verschiedene Podcast Projekte – am liebsten mit psychologischen Hintergründen, wie zum Beispiel für «Stahl aber herzlich». Geschichten lesen, hören und erzählen, gehören zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Das Studium der deutschen Literatur und Germanistik hat sie in Zürich und Berlin absolviert. Nach fünf Jahren in der deutschen Hauptstadt ist sie in die Schweiz zurückgekehrt.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 7. November 2023 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.

Der Beitrag wird unterstützt von PostFinance. Das bedeutet: Das Thema wurde gemeinsam definiert, weil beide Seiten es wichtig finden, hier mehr Informationen zu vermitteln. Beim Verfassen des Artikels war unsere Autorin aber komplett frei.

Im Artikel stehen Heterofamilien im Zentrum. Uns ist aber bewusst, dass es auch noch viele weitere Familienmodelle gibt, die von der Thematik nicht ausgeschlossen sind.


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4 Antworten

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  1. Avatar von Andi
    Andi

    Das Thema ist wichtig und sinnvoll, dass es breit diskutiert wird. Aber ich frage mich, warum es dabei immer vorwiegend um die Männer geht, die nicht wollen oder nicht können. Es ist doch ein Paarthema, und Männer wie Frauen sind gleichermassen an den Entscheidungen zum Familienmodell beteiligt. Väter wollen nicht teilzeitarbeiten und sehen sich eher nicht als Hausmann. Mütter wollen nicht Vollzeit arbeiten und fühlen sich eher nicht in der Verantwortung, die finanzielle Versorgung der Familie sicherzustellen (ausser es geht nicht anders).
    Und die erste Frage dabei ist, wie viele Tage im Idealfall oder maximal die Kinder fremdbetreut werden sollen, und entsprechend wie gross denn das Erwerbspensum total sein kann. Es gibt meiner Meinung nach, trotz aller Klagen über fehlende Strukturen, wenig Grund, warum gerade bei gut ausgebildeten Eltern mit entsprechendem Lohn nicht auch beide Vollzeit arbeiten können. Die Kinderbetreuung könnte auch privat geregelt werden, z.B. mit Nanny.
    Aber das wollen die meisten Paare in der Schweiz lieber nicht. Und insbesondere die Mütter nicht. Das führt dazu, dass Teilzeitarbeit zwingend wird, wobei die Väter das häufig nur bei günstigen Umständen umsetzen, die Mütter hingegen schon, weil es einerseits sowieso ihren Prioritäten entspricht, andererseits in ihren Augen alternativlos ist.
    Im Hintergrund spielen klassische Rollenmodelle, aber vielleicht auch etwas Biologie. Auf jeden Fall scheint es so zu sein, dass es für die Väter wichtig ist, auch beruflich erfolgreich zu sein, gut zu verdienen und damit die Familie abzusichern. Sie erleben häufig, dass das bei den potentiellen Partnerinnen auch so verlangt wird. Auf der anderen Seite fühlen sich viele Mütter für ihre Kinder hauptverantwortlich, und legen auch wert darauf, erste Ansprechpersonen zu sein. Übrigens auch dann, wenn die Mutter eigentlich deutlich besser verdienen würde.
    Insofern ist das heutige Modell das Resultat der Bedürfnisse und Prioritäten von vielen Männern und Frauen. Aber doch nicht in Stein gemeisselt, sondern jedes Paar kann davon abweichende Regelungen treffen. Weil der Mann unbedingt teilzeit arbeiten möchte, und mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Weil die Frau unbedingt ihre Karriere vorantreiben möchte, trotz Kindern.
    Bei diesen Entscheidungen spielen meiner Meinung nach die Systemvoraussetzungen der Schweiz eher eine untergeordnete Rolle. Wir wollen zwar wie im Ausland billige Betreuungsmöglichkeiten, aber nicht die damit verbundene Erwartung der Vollzeit-Erwerbstätigkeit.

    1. Avatar von Ines
      Ines

      Lieber Andi
      Welches Familienmodell bevorzugt wird, soll jedes Paar für sich entscheiden können, da hast du vollkommen recht. Allerdings glaube ich, dass die Rahmenbedingungen eine grössere Rolle spielen, als du das sagst. Sprechen wir vom Einkommen. Alles wird teurer. Da überlegt sich eine Familie zweimal, ob wirklich die Frau in einem hohen Pensum externer Erwerbstätigkeit nachgehen soll, wenn der Mann beim gleichen Pensum mehr Geld nach Hause bringt. Und ob die Frau wirklich arbeiten soll, wenn sich eine Fremdbetreuung finanziell nicht lohnt. Die Vorstellung, dass jedes Paar frei entscheiden kann, welches Modell es bevorzugt, ist wohl nicht ganz realistisch und hört sich etwas gar romantisch an.

      1. Avatar von Andi
        Andi

        Romantisch? Ich versuche eigentlich immer, möglichst nahe bei den Fakten zu bleiben. Zum Einkommen: Ja, das scheint logisch, dass ein Paar immer das Familieneinkommen maximiert. Aber stimmt es denn auch? Ich habe in meinem Umfeld mehrere Paare, bei denen die Frau eigentlich mehr verdienen würde. In keinem einzigen Fall ist sie mehr erwerbstätig als der Partner. Ausserdem sind die Einkommensunterschiede vielfach nicht riesig, wenn es sie überhaupt gibt. Und wenn es sie gibt, ist auch noch die Frage, wie sie entstanden sind.
        Und ganz unpassend wäre dann die Forderung nach “gleichberechtigter” Arbeitsaufteilung, also beide sind gleichermassen erwerbstätig und zu Hause engagiert.
        Und lohnt sich die Erwerbsarbeit? Ich kenne keinen Mann, der sich diese Frage stellt. Der arbeitet, um die Familie zu versorgen. Und fast immer bleibt auch von der Erwerbstätigkeit der zweiten Person nach Abzug der Betreuungskosten Geld übrig, die Arbeit lohnt sich also finanziell. Zumal die Kinder bald einmal eingeschult werden, die Betreuungskosten weniger werden. Denken wir an die Lohnentwicklung, an die Pension, dann lohnt sich der Verzicht auf einen Erwerbsunterbruch (fast) immer.
        Aber es ist stressig. Für alle Beteiligten. Und niemand kann gleichzeitig beim Kind und bei der Arbeit sein, diese “Vereinbarkeit” ist schlicht unmöglich. Die Frage nach dem “lohnt es sich” ist auch etwas eine Wohlstandsperspektive.

  2. Avatar von Y.
    Y.

    Das unverständliche daran ist für mich, dass Männer für eine Weiterbildung oder für Spitzensport jederzeit problemlos ihr Pensum reduzieren können, nicht aber für die Betreuung der Kinder.