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Der Mythos der gleichberechtigten Partnerschaft

Wie sieht die Rollenverteilung in Schweizer Haushalten wirklich aus? Paula Scheidt über Mütter und Väter, die Gleichberechtigung wollen, aber nicht leben.

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Spielzeugfiguren in Star Wars Manier symbolisieren eine Familie - Mythos gleichberechtigte Partnerschaft,

Vor meinem Fenster: Ein junger Mann biegt auf dem Rennvelo um die Ecke, sein T-Shirt flattert im Fahrtwind, Handy, Schlüssel, Kreditkarte stecken wohl im Hosensack. Ein Bild von einem Mann. Ist er auf dem Weg in eine Bar? Trifft er Freunde?

Ach nein, nun taucht eine Frau hinter ihm auf, ausser Atem, sie tritt schwer in die Pedale. An ihrem Velo ist ein Anhänger montiert, darin zwei schreiende Kleinkinder, darauf eine grosse Tasche. Ein Bild von einer Mutter. Ergibt zusammen das Bild von einer Familie, auf Velotour – ungleich verteilte Lasten, vermutlich nicht nur in den Taschen, sondern auch in den Köpfen.

Die Idee der gleichberechtigten Partnerschaft, sie ist romantisch.

Sie ist das, was viele Paare anstreben. Aber irgendwie klappt es dann doch fast nie. Warum nur?

Das Bundesamt für Statistik erhob zuletzt 2017, wie viele Stunden Männer und Frauen unbezahlt für Haushalt und Familie arbeiten. Ob mit oder ohne Familie, ob kleine oder grosse Kinder, ob in Partnerschaft oder alleinerziehend, Frauen machen mehr. Deutlich mehr.

Erstaunlich ist: Auch das Arbeitspensum ist nur ein bescheidener Indikator. Väter von unter sechsjährigen Kindern, die 90 bis 100 Prozent arbeiten, wenden im Durchschnitt zusätzlich 31 Wochenstunden für die Haus- und Familienarbeit auf, Frauen mit dem gleichen Arbeitspensum aber ganze 20 Stunden mehr.

Sogar ein Mann, der nicht erwerbstätig ist, also von morgens bis abends Zeit hätte, sich um Haushalt und Familie zu kümmern, wendet im Durchschnitt 6 Stunden weniger in der Woche für diese Arbeit auf als eine Frau, die in Vollzeit ausser Haus berufstätig ist.

Es mag unrealistisch klingen, bedeutet aber:

Eine Frau mit 40-Stunden-Arbeitswoche arbeitet inklusive Familie und Haushalt 91 Stunden pro Woche.

Sieben Tage die Woche, täglich 13 Stunden. Also eigentlich immer, wenn sie nicht gerade isst oder schläft.

Natürlich kann diese Arbeit vergnüglich sein – ein Telefonat mit der Tante, eine Internetsuche nach einem neuen Duschvorhang, ein Ausflug in den Wald oder die Zubereitung einer Mahlzeit. Aber das alles kostet Zeit, und sie tut es in erster Linie für andere.

Debatten über Gleichberechtigung kreisen oft um die Frage, wie man Frauen beruflich fördern kann, wie es gelingt, dass sie die Arbeitswelt stärker mitgestalten, wie sinnvoll eine Frauenquote für Führungspositionen ist.

Worüber kaum gesprochen wird, ist die Belastung zu Hause.

Welchen Anreiz hat eine Frau, ihr Arbeitspensum zu erhöhen, wenn sie bereits 50 bis 60 Stunden pro Woche – also mehr Zeit, als ein Vollzeitjob beanspruchen würde – für Haushalt und Familie arbeitet. Wie soll sie in einer Chefposition volle Leistung bringen, wenn sie in jeder freien Minute mit einem Lehrer telefoniert oder den Bananenbrei aus den Rillen des Tripp-Trapp-Stuhls kratzt?

Während der Druck auf Männer sinkt, alleine für das Einkommen zu sorgen, ist für Frauen der Druck gleich geblieben, sich um Kinder und Haushalt zu kümmern.

Ein Report der OECD von 2017 nennt denn auch die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen innerhalb der Beziehung als einen der wichtigsten Aspekte unserer Zeit, die es für die Gleichberechtigung zu verbessern gilt.

Natürlich gibt es Männer, die zu Hause konsequent mitdenken und die Hälfte der Arbeit übernehmen – oder sogar mehr. Die gab es immer.

Es gibt Hausmänner, die alles alleine schmeissen. Väter, die sich neben einem Job alleinerziehend um ihre Kinder kümmern. Aber hier soll es um das strukturelle Problem gehen: zu viele Frauen, die zu viel arbeiten.

Als Sabrina (39), Kommunikationsmanagerin aus Zürich, und ihr Mann sich kennenlernten, arbeiteten beide Vollzeit, in ähnlich anspruchsvollen Jobs. Das bisschen Wäschewaschen und Staubsaugen, das ohne Kinder anfällt, teilten sie sich. Dann wurde sie schwanger, nach Geburt und Mutterschaftsurlaub stieg sie mit reduziertem Pensum wieder ein. Inzwischen haben sie drei gemeinsame Kinder im Alter von drei, fünf und acht, und sie wünscht sich, dass auch ihr Mann sein Pensum reduziert, denn auch zu Hause fällt viel Arbeit an.

Kommt er aber abends müde zur Tür herein, dann ist die Familienwohnung für ihn Ort der Entspannung.

Für Sabrina ist die Wohnung ihr zweiter Arbeitsplatz.

Erst die Idee von der gleichberechtigten Partnerschaft, dann der Rückfall in alte Rollen.

Mit der Geburt der Kinder wurden die beiden zu einem der vielen Paare, die sich – zu ihrer eigenen Überraschung – in traditionellen Geschlechterrollen wiederfinden: er als Hauptverdiener, sie als Mädchen für alles. Ein Machtgefälle, das die Beziehung gefährden kann.

Es müsste also allen am Herzen liegen, Frauen wie Männern, dieses Machtgefälle zu verhindern.

Kurz vor dem Ausbruch der Pandemie verlor Sabrina ihren Job bei einem grossen Verlag aufgrund einer Umstrukturierung. Man könnte meinen, das habe ihr Leben während des Shutdowns erleichtert, denn nun musste sie ihre drei Kinder ganztags mit altersgerechten Rechenaufgaben, Bastelideen und Ausflügen bei Laune halten, weil Schule, Kindergarten und Kita geschlossen waren.

Aber sie sieht es anders: Mit dem Job fiel ihre einzige Möglichkeit weg, sich zu erholen. Sie sagt:

Es ist eine Illusion zu denken, zu Hause sei die Arbeit banaler als im Büro. Das Umgekehrte ist der Fall.

Ein Satz, den ich häufig zu hören bekam, in den vielen Gesprächen mit berufstätigen Müttern, die ich für diesen Artikel geführt habe.

Die New Yorker Psychologin und Journalistin Darcy Lockman schreibt in ihrem Buch «All the Rage – Mothers, Fathers and the Myth of Equal Partnership»: «Die Art und Weise, wie wir tatsächlich leben, scheint nicht mit unseren relativ neuen Idealen mitgehalten zu haben.»

«Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre» nannte der verstorbene Soziologe Ulrich Beck dieses Verhalten schon in den 1980er-Jahren.

Wieso machen moderne Männer nicht mehr?

Die Suche nach einer Antwort ist unangenehm – nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen, weil sie schnell zu Kränkungen und Streit führen kann. Und zwar da, wo es am schmerzhaftesten ist: in der eigenen Paarbeziehung.

Zudem wird es Frauen heutzutage leicht gemacht, dankbar zu sein: Männer heute kümmern sich öfter um ihre Kinder, engagieren sich mehr im Haushalt und befürworten eher die Karriere ihrer Partnerin als die Männer aller vorangegangenen Generationen.

Spricht man mit älteren Frauen, sind sie beeindruckt von den jungen Vätern, die auf Spielplätzen oder in den Strassen mit einem Kinderwagen zu sehen sind. Das gab es nicht, als sie jung waren.

Tatsächlich entspricht es heute dem Selbstbild vieler Väter, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und im Haushalt zu arbeiten.

Engagiertere Väter: Toll? Ja, aber…

Aus historischer Perspektive kann man sich über diesen Fortschritt freuen. Ob er die Erwartungen berufstätiger Mütter an eine faire Aufgabenteilung erfüllt, ist eine andere Frage.

Wenn Judith (33), HR-Fachfrau aus dem Aargau, sich in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis umschaut, dann kommt ihr Mann sehr gut weg. Er arbeitet im 80-Prozent-Pensum, schaut zwei halbe Tage auf die Kinder, drei und fünf, und bringt sie regelmässig abends ins Bett. Aber ihn deshalb gleich aufs Podest heben?

Wenn ein Kind krank ist, ist sie diejenige, die zu Hause bleibt. Wenn die Familie in die Ferien fährt, packt sie die Koffer. Sie macht die Wäsche, geht einkaufen. Sie kocht das Abendessen und steht nachts auf, wenn ein Kind ruft.

Sagt ihr Mann Sätze wie «Jetzt habe ich zwei Stunden auf die Kinder geschaut, damit du putzen kannst» oder «Sei doch froh, andere Partner machen gar nichts im Haushalt», dann wird sie wütend. Sie arbeitet 10 Prozent weniger ausser Haus, aber zu Hause schuftet sie ein Vielfaches mehr.

Die Ungerechtigkeiten können subtil sein.

Der Feminist Nils Pickert, der sich mit männlicher Emanzipation beschäftigt, reflektiert in seinem Buch «Prinzessinnenjungs», einem Plädoyer für eine freiere Erziehung von Buben, auch seine Vorbildrolle als Vater: Er müsse sich selbstkritisch fragen, ob es fair sei, dass er vor allem koche, während seine Frau mehr aufräume. Denn fürs Kochen bekomme man deutlich mehr Anerkennung.

«Einmal im Monat explodiere ich», sagt Judith, die HR-Fachfrau. «Dann kündige ich an, mein Arbeitspensum zu reduzieren mit der Konsequenz: wir hätten weniger Einkommen.» Es ist eine leere Drohung, denn auch Judith erholt sich während der Bürozeiten geistig und körperlich von den Aufgaben zu Hause, wie sie sagt. «Am besten», resümiert sie, «funktioniert es mit klaren Anweisungen.»

Eine Metapher, die immer wieder fällt: Sie ist die Chefin, er der Angestellte. Sie trägt die Verantwortung für Prozesse und Ergebnisse.

Sie initiiert, plant, leitet an und kontrolliert – er führt hauptsächlich aus.

In Firmen heisst diese Arbeit Projektmanagement, ist angesehen und gut bezahlt, auch wenn Aussenstehenden nicht immer klar ist, worin sie genau besteht. Im Privaten soll sie stillschweigend nebenbei erledigt werden – meistens von der Frau.

Ferienwohnung buchen, neue Hockeyschuhe für die Tochter besorgen, alte Kommode auf Ricardo verkaufen, ein vitaminreiches Znüni einpacken, an den Todestag des Grossvaters denken. Erst seit ein paar Jahren etabliert sich für diese Arbeit die Bezeichnung Mental Load, mentale Belastung.

Die meisten Frauen wissen sofort, was mit Mental Load gemeint ist.

Die Berliner Psychologin und Bestsellerautorin Patricia Cammarata beschreibt in ihrem kürzlich erschienenen Buch «Raus aus der Mental Load Falle», wie sie selbst nur knapp einer Erschöpfungsdepression entkam, wie sie auf dem Weg ins Büro jeden Morgen von dem übermächtigen Wunsch gepackt wurde, sich einfach zwischen all den Passanten für ein paar Minuten auf den Asphaltboden zu legen.

«So vergingen Jahre. Jahre, in denen ich mich kraftlos und ständig müde fühlte. Aber das schien normal. Andere Mütter hatten das auch. Die Dauererschöpfung gehörte zum Muttersein, so schien es mir logisch und quasi natürlich. Mütter, die nicht total platt waren, Mütter, deren Kinder durchschliefen, Mütter, die vielleicht nur ein genügsames Kind hatten oder die finanziellen Mittel, um sich zu entlasten, entschuldigten sich bei den Müttern, die fix und alle waren

Männer schätzen den Beitrag, den sie zu Hause leisten, oft falsch ein.

Zu diesem Ergebnis kommen diverse internationale Studien, unter anderem eine 2017 durchgeführte Umfrage des «Economist» bei Eltern in acht westlichen Ländern, die ergab, dass 46 Prozent der Väter, aber nur 32 Prozent der Mütter meinen, die Aufgaben zu Hause seien gleichmässig verteilt.

Dass das so ist, liegt auch an der Mental Load. Wenn Haushalt und Familie perfekt gemanagt werden, läuft der Alltag reibungslos, und die Gefahr ist gross, das für selbstverständlich zu halten anstatt für Arbeit.

Beklagen Frauen sich, lautet der gut gemeinte Lösungsvorschlag oft: «Du musst mir halt sagen, was ich tun soll.»

Drandenken ist eben auch ein To-do, auch eine mentale Belastung.

Natürlich können Paare sich dafür entscheiden, dass einer mehr im Haushalt arbeitet, also weniger Freizeit hat.

Hausarbeit kann Spass machen, das kann ein Grund sein. Vielleicht gibt man im Gegenzug die finanzielle Verantwortung ab. Oder, ein häufiges Argument: Wenn die Ansprüche unterschiedlich sind, wie gewissenhaft bestimmte Aufgaben erfüllt werden sollen, dann ist, wer die höheren Ansprüche hat, auch für deren Erfüllung zuständig.

Nach dem Motto: «Wenn es dir so wichtig ist, dass unser Kind Klavier spielen lernt, kannst du es ja zum Unterricht fahren.» Oder: «Ich bin da heikler als mein Partner, deshalb übernehme ich das Putzen.»

Trotzdem führt das Ungleichgewicht meist zu Unmut.

«Wenn mein Mann am Wochenende Velo fahren gehen will, dann verabredet er sich einfach, weil: Ich bin ja zu Hause», sagt Sabina. «Will ich zur gleichen Zeit mit meinen Freundinnen brunchen gehen, muss ich zuerst die Kinder wegorganisieren. Ich rufe die Schwiegereltern oder den Babysitter an, koordiniere die Betreuung, erarbeite mir somit meine Freizeit und verschaffe ihm indirekt auch seine. Er nimmt es für selbstverständlich.»

Manche Männer sind einsichtig. Zum Beispiel Barack Obama.

«Gender-Legacy-Paare» – so werden in der Soziologie Paare genannt, die an ihrem eigenen Ideal einer egalitären Beziehung scheitern. Wegen vermeintlich individueller Entscheidungen, die aber gesellschaftlichen Mustern folgen.

Zu den bekannteren solcher Paare zählen Michelle und Barack Obama. Als ihre beiden Töchter klein waren, verfolgten beide anspruchsvolle berufliche Karrieren, die spätere US-Präsidentschaft lag noch in weiter Ferne.

Barack Obama, der sich als Feminist bezeichnet, reflektierte seine eigenen Unzulänglichkeiten später öffentlich: «Ich kann jetzt zurückblicken und feststellen, dass ich zwar geholfen habe, aber in der Regel nach meinem Zeitplan und zu meinen Bedingungen. Die Last fiel unverhältnismässig stark und unfairerweise auf Michelle.»

Helfen – allein mit diesem Wort drückt man aus, dass die Verantwortung bei jemand anderem liegt.

Wo liegt denn das Problem?

Auf der Suche nach einer Erklärung für die Hartnäckigkeit des Problems wird oft die Biologie bemüht. Gerne möchten wir glauben, die ungleiche Arbeitsverteilung sei irgendwie naturgegeben. Inzwischen ist aber widerlegt, dass es so etwas wie einen Mutterinstinkt gibt: Ein Forscherteam der Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv konnte 2014 zeigen, dass die Amygdala – der für Gefühle zuständige Teil des Gehirns – bei Männern die gleiche, erhöhte Aktivität zeigt wie bei Frauen, wenn sie die wichtigste Bezugsperson eines Babys sind.

Mit homosexuellen Probanden gelang der Nachweis, dass für die Entstehung einer starken Bindung nicht das Geschlecht entscheidend ist, nicht einmal die biologische Verwandtschaft, sondern allein, wie viel Zeit man wie intensiv für ein Baby sorgt.

Die Autoren der Studie kamen denn auch zu dem Schluss: «Während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit starke Grundlagen für die mütterliche Fürsorge durch Amygdala-Sensibilisierung liefern, schuf die Evolution andere Wege für die Anpassung an die Elternrolle von Vätern. Und diese alternativen Wege kommen mit Praxis, Einstimmung und täglicher Betreuung.»

Beim Haushalt versteht sich von selbst, dass diese Aufgaben von allen erledigt werden können.

Männer lernen aber früh, dass als typisch weiblich angesehenes Verhalten stigmatisiert ist. Wollen Buben mit einer Puppe spielen oder ein rosa Kleid anziehen, signalisieren wir ihnen, das sei etwas Schlechtes. Buben sollen sich nicht wie Mädchen verhalten; aber wenn Mädchen den Buben nacheifern, finden wir das gut.

So wird Weiblichkeit abgewertet.

Mit Folgen: Schon Beobachtungsstudien an Zweijährigen zeigen, dass Mädchen ihr Spielverhalten auf die Wünsche von Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts hin verändern, Buben lassen sich aber nicht von Mädchen beeinflussen.

Mit dem Älterwerden beginnen Kinder, auf unterschiedliche Weise zu kommunizieren: Mädchen mit eher höflichen Vorschlägen und Buben mit eher direkten Forderungen, wie die Neurowissenschaftlerin Lise Eliot in ihrem Buch «Pink Brain, Blue Brain» beschreibt.

Während Buben weiterhin Einfluss auf alle Kinder ausüben, können Mädchen im Allgemeinen nur andere Mädchen beeinflussen.

In erwachsenen Paarbeziehungen resultiert aus dieser Dynamik ein Verhalten, das der US-amerikanische Psychologieprofessor John M. Gottman «stonewalling» nennt – mauern: Manche Männer ziehen sich gedanklich und emotional aus dem Gespräch zurück, sobald Frauen ein Thema ansprechen.

Gottman schreibt: «Mauerndes Verhalten macht es schwierig für Frauen, ihre Partner zu beeinflussen oder auch nur das Gefühl zu bekommen, dass ihr Unbehagen gehört wird.»

Als Kami (42), Regisseurin und Produzentin aus Locarno, zum ersten Mal schwanger wurde, war sie zweiundzwanzig.

«Das Kind war nicht geplant, aber mein Partner und ich freuten uns, und wir kamen überein, die Kindererziehung fünfzig zu fünfzig aufzuteilen. Ich hatte keinen Grund, an dieser Abmachung zu zweifeln. Die ersten vierzehn Monate stillte ich und kümmerte mich um unser Kind, während er studierte. Dann stand meine Aufnahmeprüfung an einer renommierten Schauspielschule an, worauf ich mich vorbereiten musste. Eine Woche lang, vier Stunden am Tag, sollte er sich um unser gemeinsames Kind kümmern.

Am letzten Tag rief ich ihn auf dem Heimweg an, ich dachte, wir könnten zur Feier des Tages mit dem Baby auswärts essen gehen und uns direkt im Restaurant treffen. Aber er nahm das Telefon nicht ab, und als ich zu Hause ankam, wälzte das Baby sich weinend in seinem Bettchen, während er auf dem Sofa sass und schrie: «Ich halte das nicht aus, ich komme mir vor wie im Gefängnis!»

Anders als Frauen werden Männer kaum darauf vorbereitet, wie enorm die Fremdbestimmung durch Kinder ist.

Männer sind weniger vorgewarnt, dass Eltern zu werden das Leben komplett verändert.

Deshalb kann es passieren, dass der Autonomieverlust von Männern als unerträglich empfunden wird. Oder dass er der Partnerin angekreidet wird statt der Situation, für die ja beide gleichermassen verantwortlich sind.

Frauen hingegen wird früh beigebracht, dass sie ihre Bedürfnisse den Kindern zuliebe zurückstellen müssen mit Sätzen wie: «Als Mutter hast du dafür keine Zeit mehr» oder «Das wäre doch ein Job für dich, da kannst du auch Teilzeit arbeiten».

Nancy J. Chodorow schreibt in dem Standardwerk «The Reproduction of Mothering»: «Fast alle Kinder machen die Erfahrung, dass ihre wichtigsten Bezugspersonen Frauen sind; Mütter erziehen Töchter, die auch bemuttern möchten.»

Dann doch lieber ganz alleine?

Die Regisseurin Kami kam zur Einsicht, dass es besser sei, sich allein um ihr Kind zu kümmern, als mit einem Mann, der sich nicht an die Abmachung einer fairen Aufteilung hält, weil sie ihn überfordert. Sie trennte sich.

«Mir ging es danach besser. Es gab keine spannungsgeladene Luft mehr, kein Lauern, keine Erwartungshaltung, dass er auch etwas macht.»

Ähnlich klingt es bei der Autorin Patricia Cammarata: «Wir trennten uns einige Jahre nach meinem Fastzusammenbruch, und es dauerte bestimmt ein weiteres Jahr, bis ich nicht mehr meinen vollen Mülleimer mit einem absurd glückserfüllten Gefühl zu den Mülltonnen trug, weil ich jetzt nicht mehr darüber verhandeln musste, wann er entsorgt werden muss.

Der Biomülleimer wurde mein Symbol für Freiheit. Ich musste nicht mehr darauf hoffen, dass er sich eines Tages ohne Hinweis leert, es war einfach klar: Ich bringe ihn runter.»

Faule und überforderte Männer, die ihren eigenen Anteil an der Hausarbeit über- und jenen der Partnerin unterschätzen und dabei erst noch unbelehrbar sind: Ist das also das Problem?

Ja, aber nicht das ganze.

Statt eine gleichberechtigte Beziehung gibt es Nörgeln und Trotz.

Die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm sieht die Frauen in der Verantwortung. «Offenbar wünschen sich nicht alle Frauen den autonomen Einsatz des Partners», schreibt sie. «Zwar liegt ihnen viel an seiner Beteiligung, trotzdem nörgeln sie an ihm herum, wenn er sich nicht so mit dem Kind oder dem Haushalt beschäftigt, wie sie sich dies vorstellen.»

Diese Mütter würden das Kind stark an sich binden und dem Vater zu verstehen geben, dass er in Betreuung und Haushalt vieles falsch mache. Der soziologische Fachbegriff: Maternal Gatekeeping, mütterliche Torwache. Stamm hat erforscht, dass knapp ein Drittel aller Mütter sich so verhalten.

Als Reaktion auf das Nörgeln zögen viele Männer sich von den häuslichen Aufgaben zurück.

Man versuche, sich die gleiche Dynamik in der Berufswelt vorzustellen: Ein Chirurg erhält im Jahresgespräch das Feedback von seinem Chef, er müsse schneller und sorgfältiger arbeiten, sonst könne man ihm keine weiteren Operationen anvertrauen. Entgegnet der: «Es ist wohl besser, ihr operiert künftig ohne mich. Ich kümmere mich derweil um den Papierkram»?

Unwahrscheinlich. Eher wird er sich anstrengen, üben und beim nächsten Mal besser operieren.

Entwickeln Männer im Privatleben vielleicht einfach nicht den gleichen Ehrgeiz?

Unter dem Titel «Schatz, wo sind die Windeln?» dachte Tobias Moorstedt, freier Autor und Vater, kürzlich im «Tages-Anzeiger» selbstkritisch darüber nach, warum die gesamte Familienplanung bei seiner Frau liegt, die als Ärztin einen unflexibleren, anstrengenderen und verantwortungsvolleren Job hat als er.

«Männer, die sonst immer alles unter Kontrolle haben wollen, behaupten im eigenen Haus: Ich weiss nicht, wie das geht! Soziologen sprechen sogar von strategischer Inkompetenz. Die Botschaft: Jemand anderes muss die Aufgabe erledigen (also die Mutter).»

«Fragen Sie nicht, warum der Wandel so langsam ist; fragen Sie, warum die Männer Widerstand leisten», schreibt der Soziologe Scott Coltrane. «Die kurze Antwort ist, dass es im Interesse der Männer ist, das zu tun.»

Der Widerstand verstärke «eine Trennung der Sphären, die die männlichen Ideale untermauert und eine Geschlechterordnung aufrechterhält, die Männer gegenüber Frauen privilegiert».

Eine Hierarchisierung, die oft unsichtbar ist und nicht nur vielen Männern, sondern auch vielen Frauen als selbstverständlich erscheint, sonst würden sie sich stärker wehren.

Es mag im Interesse vieler Männer sein, sich um die Hausarbeit zu drücken.

Aber es ist sicher nicht in ihrem Interesse, mit ständigen Vorwürfen zu leben – ob ausgesprochenen oder unausgesprochenen – oder gar verlassen zu werden.

Kein Grund zur Aufregung?

Darcy Lockman hat für ihr Buch nicht nur Frauen, sondern auch Männer interviewt und beschreibt, wie schwierig sich das gestaltete. Nicht weil die Männer sich keine Zeit für das Gespräch nahmen. Sondern weil die meisten von ihnen bisher nur oberflächlich über die Arbeitsverteilung zu Hause nachgedacht hatten.

«Für die Väter, so schien es, hat das Thema nie das Niveau wiederkehrender Besorgnis erreicht. Die Geschlechterordnung funktioniert für sie. Es gibt keinen Grund, sich darüber aufzuregen. Sie können sich widersetzen, ohne etwas zu tun. Sie widersetzen sich im wahrsten Sinne des Wortes, indem sie nichts tun.»

Es gibt ja auch wenig Anreiz, wenn man ehrlich ist. Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub wären zwar nicht einmal genug, damit die Frau sich von den Strapazen der Geburt erholen kann, erst recht nicht, um das eigene Kind richtig kennenzulernen, aber selbst diese werden von Arbeitgebern verweigert und politisch bekämpft, wie die aktuellen Debatten in der Schweiz zeigen. (Anm. der Redaktion: Mittlerweile sind 2 Wochen Vaterschaftsurlaub gesetzlich verankert.)

Elternzeit wäre für Männer ein wichtiger Schritt Richtung Fairness zu Hause.

Eine Studie aus dem Jahr 2006, die im «American Sociological Review» publiziert worden ist und mehr als zwanzig Länder über einen Zeitraum von achtunddreissig Jahren untersuchte, zeigt: Väter, die zu Elternzeit berechtigt sind, investieren signifikant mehr Zeit in die Hausarbeit. Staatliche Rahmenbedingungen beeinflussen also individuelle Paarentscheidungen.

«Ein Kind zu bekommen, ist eine enorme zeitliche Investition, weder das Schwangersein noch die Rückbildung laufen nebenbei ab. Partner:innen sollten sich überlegen, wie sie das ausgleichen können. Mehr Care-Arbeit zu übernehmen als die Mutter, wäre das Mindeste, um diese Leistung anzuerkennen», sagt die Feministin Teresa Bücker.

In der Schweiz arbeiten aber noch immer nur 18 Prozent der Männer überhaupt in Teilzeit, und von ihnen geben nur 6 Prozent die Kinderbetreuung als Grund dafür an. Einen längeren Vaterschaftsurlaub zu nehmen, geschweige denn einen Urlaub, der gleich lang wäre wie jener der Mutter, gilt als Extravaganz.

Mit der Konsequenz: Ein Vater bei der Babymassage, in der Spielgruppe, beim Kinderkleiderflohmarkt ist noch lange nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte.

Würden wir Kinderbetreuung als die gesellschaftliche Aufgabe anerkennen, die sie ist, und nicht als Privatangelegenheit und sie folglich auch gemeinschaftlich finanzieren wie in anderen Ländern, würden weniger Paare daran scheitern, ihr Ideal einer egalitären Beziehung in die Realität umzusetzen.

Zweifellos streben viele nach diesem Ideal der egalitären Beziehung – bis sie gegen die zahlreichen Hürden anrennen und nach und nach resignieren.

Kostengünstige Kinderbetreuung entlastet fast immer die Frau.

Zum Beispiel dann, wenn der Mann nicht bereit ist, sein Pensum zu reduzieren, der Arbeitgeber es nicht erlaubt oder das Paar es sich finanziell nicht leisten kann.

Solange die gesellschaftliche Default-Lösung für Kinderbetreuung und Haushalt «Frau» heisst, braucht eine egalitäre Arbeitsteilung viel mehr Kraft, als die meisten Frauen und Männer meinen.

«Wenn Paare hart daran arbeiten, in allen Bereichen gleichberechtigt zu leben, insbesondere bei der Kinderbetreuung, kann das klappen; entscheidend ist jedoch, hart zu arbeiten. Und die meisten Männer haben sich nicht dafür entschieden, bei der Kinderbetreuung hart zu arbeiten», schreibt die Literaturwissenschaftlerin Gloria Watkins, die unter dem Pseudonym bell hooks publiziert.

Eine Beziehung wie Jobsharing

Die Psychologin Lockman formuliert drei Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Elternschaft: ein explizites und unerschütterliches Bekenntnis von beiden zur Gleichstellung; dass Väter den regelmässigen und intimen Kontakt zu ihren Kindern geniessen, den oft nur Mütter haben; und dass Väter sich nach der Geburt substanzielle Elternzeit nehmen.

«Unsere Beziehung funktioniert wie Jobsharing», sagt Nicole (49), Juristin aus Kilchberg, die ihre Partnerschaft als gleichberechtigt beschreibt, aber auch als sehr privilegiert: Beide verdienen gut, können flexibel arbeiten, sich eine Putzhilfe leisten und profitieren von der Infrastruktur im stadtnahen Wohnort.

«Wenn ein Kind Husten oder Durchfall hat, dann besprechen wir: Wer hat wann ein Meeting? Welche Termine lassen sich verschieben? Oft geht der eine vormittags und der andere nachmittags ins Büro.»

Ein anderes Beispiel: Kommt der Sohn aus der Schule und bringt eine Einladung zum Kindergeburtstag mit, ist zuständig, wer sie zuerst in die Finger bekommt: Geschenk kaufen, passende Kleider einpacken, Sohn zum Fest fahren. Mit dem wunderschönen Effekt: Beide Elternteile haben eine sehr innige Beziehung zu den Kindern.

Wenn Väter und Kinder Alltag zusammen haben (ohne Mütter!), dann schweisst das extrem zusammen.

Ruft die Lehrerin oder der Kinderarzt auf Nicoles Handy an und die Verantwortung liegt an diesem Tag bei ihrem Mann, dann lässt sie es läuten, denn seine Nummer ist ebenfalls hinterlegt.

Die Autorin Patricia Cammarata rät zu vier konkreten Schritten, um eine faire Arbeitsteilung innerhalb der Beziehung zu etablieren, wenn man es bisher verpasst hat:

Erstens eine detaillierte Bestandsaufnahme aller Aufgaben inklusive Mental Load. Zweitens klar aufteilen, wer wofür zuständig ist. Drittens eine wöchentliche Teamsitzung abhalten, in der Termine besprochen und Aufgaben verteilt werden. Viertens sich einmal im Monat Zeit nehmen, um gemeinsam zu evaluieren, wie es läuft. Wie im Projektmanagement eben.

Nicole, die erfolgreiche Juristin, sagt:

Es braucht mehr Paare, die vorleben, dass es geht.

«Frauen müssen abgeben, Männer müssen übernehmen. Wenn Männer zu Hause mehr mitarbeiten, dann steigt die gesellschaftliche Wertschätzung für diese Arbeit.»

Und das müsste sie doch für mehr Männer reizvoll machen.

Paula Scheidt, mal ehrlich

Autorin

Paula Scheidt ist eine mehrfach ausgezeichnete Reporterin und Redaktorin für Das Magazin. Die Journalistin lebt in Zürich und hat für eine Reihe renommierter Medien gearbeitet – so beispielsweise für Die Zeit, die NZZ, den taz oder Neon. Zudem ist sie Gründungsmitglied von Pro Quote und Reporter-Forum Schweiz.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 30. November 2020 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.

Dieser Beitrag erschien zuerst in Das Magazin 36/2020


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25 Antworten

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  1. Avatar von Ines
    Ines

    Lieber Yngve, dein Kommentar ist wirklich Augenöffnend und gleichzeitig so witzig 🙂 Ich denke der Grund, wieso Männer auch wenn sie sich um Kinder kümmern weniger Mental Load haben, könnten 2 Dinge sein:
    1. Sie können wegen geringerem gesellschaftlichem Druck und dadurch auch Eigenanspruch auf Risiko/Spontanität setzten und somit nach dem 80/20 Prinzip enorm Zeit sparen und vieles effizienter erledigen. Wenn was schief geht, werden sie von sich selbst oder dem Umfeld nicht dafür gerügt, weil eigentlich wäre es ja die Aufgabe der Frau gewesen. Wenn es zum Kindergeburtstag keinen Kuchen gibt, weil spontan bei Migros ausverkauft, nimmt das dem Mann niemand übel, während eine Frau schon mit 40 Grad Fieber im Bett liegen müsste damit das keinen vernachlässigenden Eindruck hinterlässt. Frauen stehen hier unter größerem Druck und können daher nur selten 80/20 anwenden.
    2. Spontan in den Kühlschrank schauen was da ist und wenn nix drin spontan was holen, geht nur wenn jemand für eine verlässliche Grundsupplychain sorgt, sonst wird es schnell lästig jeden Tag vor dem Essen spontan zum Migros zu gehen. Die Aufrechthaltung der Grundsupplychain verursacht den Mental Load und wird vermutlich vermehrt von Frauen übernommen.

    Damit die gesellschaftlich verankerte Verantwortung nicht bei der Frau liegt, sondern 50/50, so dass nicht klar wäre wer den fehlenden Kuchen vermasselt hat, braucht es einen gesellschaftlichen Wandel, der leider nicht so schnell funktioniert wie wir das wünschen. Aber immerhin sind wir auf dem richtigen Weg. Wenn nicht wir, haben wenigstens unsere Kinder was davon: Der Junger der ohne den Vorwurf mangelnder Motivation in Teilzeit gehen kann und das Mädchen, dass ohne den Vorwurf der Rabenmutter Vollzeit arbeiten kann

    1. Avatar von jh
      jh

      oder man lässt dem Druck nicht nach!! Ausser dem Essen finde ich die Männerversion angenehmer. Essen sollte vorbereitet sein und jedes Mal Pasta dem Kind zu geben ist auch blöd. denn wenn der Mann sich ja allein kümmert wird er wohl vielleicht merken dass er mit den spontanen Einkäufen dem Kind nur Zeug mit wenig Vitaminen geben kann. Und am WE ist ja supermarkt meist teurer. also macht es Sinn sowas zu planen. hab selber nur Hund aber da bin ich auch entspannter, nur das Essen ist mir sehr ewichtig und manchmal plane ich was. aber wegen öffnungszeiten und öffis, kann schlecht um bestimmte Zeiten fahren. oder da ich nebenbei studiere muss ich Gassigeher organisieren. Mit Kind hätte ich noch mehr zu planen. Also ein Mittelweg ist das beste, auch mit Kindern

  2. Avatar von Yngve
    Yngve

    Als Mann der 60% arbeitet (Freundin 80%) und somit mehrheitlich die Kinderbetreuung übernimmt und organisiert, weil es mir richtig Spass macht, habe ich viel darüber nachgedacht (und auch Rückmeldung von anderen Väter, die viel Betreuungsarbeit übernehmen). Was mir auffällt, ist das Männer auch weniger mentale Arbeit machen, weil:
    1. Männer weniger oder gar nichts im Voraus überlegen (meistens kann man Probleme schnell lösen wenn sie auftreten, vor allem in der Schweiz, zumindest wenn man in der Nähe von Migros und Coop wohnt, es gibt dort sogar Babykleidung), und das macht Mütter verrückt
    2. Mütter haben schon viel überlegt (siehe 1) somit, wenn das konkrete Problem auftritt, hat sie die Lösung parat; die Spontanlösung des Mannes wird nicht gutgeheissen
    3. Sauberkeitsansprüche sind sehr unterschiedlich (Lösung: 2 h Putzfrau anstellen, billiger als Paartherapie),
    4. viel mehr Spontanität (was Frauen extrem aufregt), z.B. am Papitag steht Mann auf (wenn Kind schreit im Bett, kein Wecker), schaut aus dem Fenster (Wettervorhersage), zieht Kinder an, packt 2 (!) Pampers in die Jackentasche und geht raus, vielleicht in den Wald, vielleicht zum Bahnhof und nimmt mal ein Zug der gerade kommt (möglich in der Schweiz) je nach Lust. Frau überlegt sich 3 Tage im voraus, was am Mamitag gemacht wird
    5. Kochen: Kühlschrank auf, schauen was man mit 2 Eiern, ein bisschen Rahm, Dosentomate und Pasta machen kann (aber immer Notvorrat mit UHT-Milch haben!), weil siehe (1). Wenns wirklich nichts hat, geht/fährt man statt zum Bahnhof/Wald zur Migros (Kind verhungert in 20 Minuten nicht). Macht Mütter extrem sauer.
    6. Kinder können, gemäss Männern, manchmal sehr gut selber spielen. Mütter überwachen, begleiten und erklären viel öfter
    7. Männer erklären nicht
    8. Geburtstagsfeste würde es in einer Männerwelt wohl nicht geben oder werden sehr spontan geplant mit Cake (Migros) und Geschenk, ev. Nachbarskinder
    9. Weihnachten lädt sich Mann mit Kind zum Grosi ein
    10. Zwei verschiedene Socken am Fuss ist sehr passend
    11. Kind macht Mittagsschlaf um 14:30 statt wie üblich 12:30 (weil Spontanreise bei (4) länger gedauert hat), macht Mutter extrem sauer.
    12. Ob ein Mann z.B. perfekt eine Baustelle im Job planen kann, bedeutet nicht, dass er zuhause gut plant und im Voraus denkt (siehe auch Punkt 1)
    1X. Gibt noch viele andere Punkte. Ob diese Verhaltensweisen genetisch bedingt sind, oder mit der (Männer-)Erziehung zu tun haben, ist mir nicht bekannt. Aber gibt sicher viele Männer, die den oben genannten Punkten nicht entsprechen, verallgemeinern sollte man ja nicht….

    1. Avatar von SW
      SW

      Wow Yngve, gratuliere wie Sie das verhalten von allen Müttern ahnscheinend durchschaut haben. Es macht mir den Eindruck, dass Sie hier dampf ablassen wie die Mutter ihres Kindes sich verhält oder fühlt.

    2. Avatar von Dada
      Dada

      Eben zum Grosi! Und nicht zum Grossvater und somit dreht sich das Rad weiter… kein Wunder kommen wir zur Erschöpfung, das heisst: die Verantwortung und dessen Konsequenzen nicht ganz übernehmen zu wollen, weil es ist und war ja immer wer da der es am Ende ausbadet! (Oft eben das Grosi oder die Schwiegermutter… )

    3. Avatar von ihhi
      ihhi

      kenne viele Männer die nicht wissen wie es im Kühlschrank aussieht und pizza bestellen. wird blöd wenn man auch ein Baby versorgen soll. da sollte man noch Zeug zuhause haben also bisschen mitdenken soll man schon. sonst ja, man kann bisschen spontan sein und muss nicht alles perfekt sein

    4. Avatar von Katinka
      Katinka

      Da können Sie aber auch nur von Ihrer Frau sprechen, nicht für alle. Bei uns bin ich die Pragmatische und der Mann plant alles bis ins Detail durch und ist dann genervt, wenn es nicht klappt.

  3. Avatar von MARTIN
    MARTIN

    Ich weiss es klingt mal wieder banal und ja, es klingt männlich! Versucht man(n) den Inhalt dieses Artikels auf einen Satz zusammenzufassen dann lautet er: „Frauen sind mal wieder die benachteiligten Opfer und Männer die Bösen die zu wenig machen“ Gehen wir davon aus das es genau so wäre wie es inhaltlich in diesem Artikel gewünscht. Also Männer erfüllen alle Ansprüche wie verlangt, wird es im Anschluss etwas geben was erneut diskutiert wird. z.B. Männer bringen die überflüssigen Zalando-Päckli nicht rechtzeitig wie gefordert zur Post oder interessieren sich viel zu wenig für die Gefühlsschwankungen Ihrer Partnerin. Der Wunsch nach „Gleichberechtigung“ scheint unersättlich und bald sind wir alle so gleichberechtigt das gar kein Strom mehr fliesst, es keine Spannungen mehr gibt und somit das Feuer erlischt! Wie auch immer entweder hat man sich als Paar für Kinder und Familie entscheiden, hört auf rumzuheulen und zieht das Ding gemeinsam durch oder man lässt es bleiben.

  4. Avatar von Nina
    Nina

    Es mag wohl so sein, dass es in vielen Familien so wie im Artikel beschrieben abläuft, aber es ist nicht fair “alle” Männer in diesen Topf zu werfen. Ich denke es hat auch viele Frauen die das ganze auch so haben möchten.

    Bei uns war es mein Mann der gesagt hat “Aber hallo! du würdest wenn du 100% oder auch 80% arbeiten würdest mehr verdienen als ich.” Er wäre bereit gewesen sein Pensum zu reduzieren… Aber ICH wollte das nicht. Ich arbeite 50% im Büro und den Rest bin ich für mein Kind und bald auch zweites Kind da. Ich wollte das so, für mich war es immer schon so, wenn ich Kinder habe und will, dann möchte ich auch grösstenteils für die Kinder da sein. Und er hat das auch so akzeptiert, auch wenn er es insgeheim nicht wirklich verstehen wollte.

    Es ist nun so, dass mein Mann 100% arbeitet und noch einen Nachmittag die Woche auf unseren Sohn aufpasst, während ich arbeite. Er arbeitet in seinem Job also eigentlich 110% – holt somit diesen einen Nachmittag über die Woche verteilt vor um ihn dann mit Überstunden zu kompensieren. Er ist also durchaus sehr gewillt seinen Beitrag zur Kinderbetreuung Leisten und auch mehr dafür zu arbeiten.

    Haushalt ist für mich klar – ich bin ja die meiste Zeit mit unserem Sohn zu Hause und mache somit auch die meisten Hausarbeiten die anfallen, kann mir das ja auch gut einteilen. Und trotzdem hilft mein Mann da auch mit, wäscht mal die Wäsche, bringt ungefragt den Abfall runter, geht Abends mit dem Hund raus, nimmt mal den Staubsauger zur Hand oder geht Karton, Flaschen etc. entsorgen. Da er viel Arbeitet und eben auch mal mithilft, ist es für mich auch kein Problem am Abends das Abendbrot bereit zu machen und unseren Sohn ins Bett zu bringen. Und auch da wird aufgeteilt, ich räume den Tisch ab, er macht das Kind bettfertig, ich bringe den kleinen ins Bett, er geht mit dem Hund raus. Stundentechnisch aufgerechnet würde ich wohl mehr “arbeiten” ja, da ich ja auch noch nachts aufstehe – aber ich möchte das so, für mich stimmt das so. Es ist aber auch kein Thema wenn ich Abends mal weg möchte mit Freunden – dann bleibt er zu Hause und übernimmt die Elterlichen Pflichten. An den Wochenenden wird abgesprochen wer wann was alleine unternimmt. Es wird auch akzeptiert wenn einer mal sagt “nein dieses Wochenende möchte ich nicht, dass du xy tust, ich würde gerne dass wir als Familie was unternehmen” Kinderbetreuung wird auf beide aufgeteilt wenn wir beide zu Hause sind – mal macht der eine mehr mal der andere – kommt auch drauf an was das Kind möchte – will es von Papi gewickelt und angezogen werden oder lieber von Mami?

    Es ist ein geben und nehmen, jeder hat Kompromisse einzugehen und man muss aufeinander Rücksicht nehmen, die Wünsche/Bedürfnisse aller Parteien müssen berücksichtigt und akzeptiert werden. Nur wenn man miteinander redet und klar kommuniziert funktioniert eine Partnerschaft.

    1. Avatar von Katinka
      Katinka

      Natürlich kann man nie alle über einen Kamm scheren, weder Mütter noch Väter, aber sehr häufig ist es (wie bei mir) eben auch umgekehrt: Ich hätte nach den ersten Kinder-Jahren gern getauscht, wäre auf Vollzeit gegangen und mein Mann hätte reduzieren können. Er sagte, seinen Job könne man nicht in Teilzeit machen. Punkt. Er wollte es definitiv auch nie, hat er später zugegeben. Ich kam mir zunehmend wie das Mädchen für alles zu Hause vor, das Essen war auf dem Tisch, wenn er heimkam, die Kindertermine habe ich zu 95% erledigt, viele Haushaltsaufgaben habe ich erledigt und es wurde mir irgendwann als zu selbstverständlich genommen und ich hatte die ganze Zeit das geringere Gehalt (obwohl wir voll ca. gleich viel verdienen würden). Das führte zunehmend zu mehr Frust, weil es ja auch nicht wirklich “Kinderzeit” war, die ich durch die Reduzierung der Arbeitszeit hatte, sondern Kindertermine (Sport, Arzt, “Playdates” etc.) und alles, was am Nachmittag zu Hause so anfiel. Er war dann am Wochenende der tolle Papa, der gespielt hat oder Ausflüge unternommen hat, während ich am Schreibtisch saß und noch übrige Dinge für meinen Job erledigt hab… Die Ehe hat das auch belastet…!
      Jetzt wo die Kinder größer sind, nehme ich mir raus, auch wieder auf Vollzeit zu gehen und den Haushalt und die sog. Care Arbeit exakt 50/50 zu teilen (aber auch vorher hat er schon viel mitgemacht!). Er sieht das jetzt auch ein und unterstützt mich darin. Dann wird es endlich wirklich gleichberechtigt sein, aber es war auch für uns ein längerer Weg dahin.

  5. Avatar von Sarah
    Sarah

    Ganz mit Andi einverstanden, die Weichen werden gestellt, wenn die Mutter nach Geburt nur noch Teilzeit arbeitet. Die Weichen werden sogar zum Teil noch vorher gestellt, wenn Frauen sich bewusst für Jobs entscheiden, wo sie später mal Teilzeit arbeiten können. Diese Entscheidungen führt Frauen in schlechtbezahlte Positionen. Aus dieser Position aus wird die Ernärherrolle dann oft ganz bewusst Mann zu übergeben (oft dann noch mit dem Argument “es lohnt sich nicht mehr zu arbeiten”. Es ist deshalb zu einfach sich nachher zu beklagen, wenn die Partnerschaft nicht gleichberechtigt ist.

  6. Avatar von Milena
    Milena

    Sehr interessanter Artikel, der viele Fragen und Diskussionspunkte aufwirft. Mein Mann und ich hatten ein interessantes Gespräch nachdem wir beide den Artikel gelesen hatten…

  7. Avatar von Andi
    Andi

    In einem grossen Rundumschlag zusammengefasst, was man eigentlich täglich so liest zu diesem Thema. Immer aus der gleichen Perspektive. Persönlich halte ich das nicht zielführend, einseitig und unfair.
    Zuerst das Ziel: Die gleichberechtige Partnerschaft wünschen wir uns alle. Dies betrifft aber die Recht- und Machtfrage, und doch nicht die auf Augenhöhe ausgehandelte Aufgabenverteilung in dieser Partnerschaft. Und wenn, müsste genauso hinterfragt werden, mit welcher Selbstverständlichkeit junge Mütter ihre Anstellung reduzieren und sich damit aus der finanziellen Familienversorgung abmelden, wie die fehlende Bereitschaft vieler Väter, selber zu reduzieren.
    Betrachtet man die Statistik der Arbeitstätigkeit, so ist es wenig zielführend, immer nur die Arbeitszeit zu Hause anzuführen und das fehlende Engagement der Männer/Väter zu kritisieren. In der Gesamtschau zeigen die offiziellen Statistiken der Schweiz ja nach meinem Wissen, dass die Väter eher etwas mehr arbeiten als die Mütter. Sie sind also keineswegs faul, pauschal gesagt. Dass man in solchen Beiträgen gerne die Geldarbeit abwertet, und die Tätigkeit zu Hause überhöht, ist fragwürdig. Nein, für die meisten Menschen ist die Arbeit nicht Erholung vom Stress zu Hause, sondern ein Job, der auf allen Ebenen fordert. Und der vielfach auch mit “Mental Load” verbunden ist, weshalb auch hier die einseitige Fokussierung auf die Familien- und Kindertermine/aufgaben nicht sinnvoll ist. Nach wie vor ist es so, dass die meisten Mütter in relativ kleinem Pensum arbeiten, vielfach überqualifiziert. Und das häufig freiwillig und selbstbestimmt, weil die Priorität bei der Familie, bei der Kinderbetreuung liegt. Frauen arbeiten aber auch häufiger Teilzeit, bevor sie Kinder haben, und sie bleiben vielfach auch dabei, wenn die Kinder längst auf eigenen Beinen stehen. Daraus könnte man nun ähnlich vorwurfsvolle Artikel verfassen, nur – was bringts?
    Wenn eine Frau wirklich möchte, dass ihr Partner bei der Kinderbetreuung sich vergleichbar einbringt, dann muss sie das einfordern. Und im Gegensatz nicht nur bereits sein, mehr Lohnarbeit zu bestreiten, sondern auch den Partner in Bezug auf die Kindererziehung als gleichberechtigen Partner wahrzunehmen. Über maternal Gatekeeping kann man sich ja lustig machen, für viele Paare ist das aber gelebte Realität, mehr oder weniger intensiv. Dass die Mütter heute meinen, ihr Teilzeitmodell sei die beste Option, und auch die Väter müssten alle teilzeit arbeiten, geht übrigens in die gleiche Richtung. Denkbar wäre es auch, dass beide Eltern hochprozentig arbeiten, und Haus- und Betreuungsarbeit zu einem grossen Teil von dritten ausgeführt wird. Aber das wollen viele Mütter (und auch Väter) ja dann doch nicht.
    Also: Ein Paar besteht aus zwei Personen, die beide ihre Vorstellungen der Lebensführung haben. Die heute gelebte Realität entspricht in der Regel dem Kompromiss. Es gibt wenig Grund für die Einschätzung, die fleissigen Mütter würden alle von den faulen Vätern in eine Rolle gedrängt, die sie gar nicht einnehmen wollen. Vielmehr werden die Weichen gestellt, wenn die Mutter nach Geburt automatisch ihr Pensum auf die üblichen 20-50 Prozent reduziert, weil sie ja bei den Kindern sein möchte. Und die Väter das zulassen, und (meist durchaus bereitwillig) akzeptieren, dass sie von nun an eine Familie zu ernähren haben. Und das meist auch über eine allfällige Trennung hinaus.

    1. Avatar von Lisa
      Lisa

      Die Sache ist eben sehr komplex und fängt bei struktureller Ungleichheit an. Vielen Männern wird von Arbeitgebern verweigert, ihr Pensum nach der Geburt zu reduzieren, während viele Frauen im gebärfähigen Alter gar nicht an solche Jobs kommen, weil der Arbeitgeber im Zweifelsfall lieber den Mann nimmt, denn er kann ja nicht schwanger werden. Die Frage, die sich stellt, ist die folgende: Weshalb sehen viele Väter (nicht alle!) das Zuhause nach einem strengen Arbeitstag als Ort der Erholung, während es für die Mutter gar keinen Feierabend gibt? Ich hab das selbst erlebt: Mein Mann hat in den 4 Wochen Ferien, die er nach der Geburt genommen hat, super geholfen und toll angepackt. Er war eine grosse Entlastung für mich, und dafür war/bin ich ihm dankbar. Doch sobald er wieder arbeiten ging, änderte sich dies. Am Freitagabend kam er z.B. nach Hause und meinte: “Juhui, Wochenende!”. Und ich? Für mich gab es nach der Geburt kein klassisches Wochenende mehr. Da war nichts mehr mit ausschlafen und einfach mal das tun, worauf ich Lust hatte. Ich hatte neu einen 7×24-Job.

      Ich kenne ein Ehepaar, die haben die Gleichberechtigung vor der Geburt voll gelebt. Beide hatten gute Jobs, verdienten etwa gleich viel, arbeiteten je 90% und teilten sich die Hausarbeit auf. Dann kam ihr erstes Kind. Beide stiegen wieder mit 60% ein und liessen das Kind einen Tag fremdbetreuen. Und dann? Es hat nicht wie gewünscht funktioniert. Nach knapp zwei Jahren und vielen Gesprächen reduzierte die Mutter auf 40% und der Vater erhöhte auf 80%. Die Mutter meinte, sie könne nicht 60% arbeiten, den Haushalt schmeissen und noch die Hauptverantwortung für das Kind übernehmen. Dabei hatten sie ausgemacht, wer an welchem Tag welche Hausarbeit übernimmt. Klar, mit einem Kind funktioniert das nicht immer wie gewünscht und manchmal muss man gewisse Dinge auch verschieben, aber bei ihnen war es am Schluss so, dass fast immer nach den Papa-Tagen die Arbeit nicht gemacht war.

      Weshalb ist das so? Weshalb hat es selbst bei diesem Paar nicht funktioniert, das alles dafür gegeben hat? Weshalb trägt der Mental Load in der Familienarbeit in den allermeisten Fällen die Frau, auch wenn es beide anders wollten? Das ist ein Fakt, der sich nicht leugnen lässt, und es ist (nicht immer) die Frau schuld, weil sie nicht loslassen kann.

      1. Avatar von Andi
        Andi

        Die strukturelle Ungleichheit wie beschrieben mag es geben. Sie ist aber mehr Folge denn Ursache des Verhaltens vieler Paare. Es ist ein Entgegenkommen aus Sicht der Betriebe, dass man Frauen nach Geburt in der Regel teilzeit weiterbeschäftigt.
        Natürlich ist es aber so, dass das Zuhause als Ort der Erholung gesehen wird. Hoffentlich nicht nur für Väter. Meine Erfahrung und die vieler männlicher Kollegen ist allerdings so, dass sie dann umgehend die Kinder in die Hand gedrückt erhalten/erhielten, weil sie ja jetzt auch mal übernehmen dürfen. Und auch am Wochenende sind viele Väter mit den Kindern unterwegs, um die Mütter zu entlasten. Besser allerdings wäre es, man würde a) die gemeinsame Zeit gemeinsam planen und dabei b) genügend Erholungszeit für beide einplanen. Die Aussage einiger Mütter, sie wären nun 7*24h an der Arbeit, während der Mann faulenzt, kann ich auf jeden Fall nicht nachvollziehen. Wenn es so ist, dann läuft definitiv etwas falsch. Bei Mann wie Frau. Kommt dazu, dass die Kinder bald älter werden, und nicht ständig betreut und vor allem bespasst werden müssen. Dann entstehen auch Freiräume am Tag.
        Dass sich Vater und Mutter alle Arbeiten gleichmässig aufteilen ist nach wie vor exotisch. Warum das dann im Einzelfall nicht klappt, kann ich mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen.

        1. Avatar von Lisa
          Lisa

          Du hast natürlich recht, das Zuhause sollte (auch) ein Ort der Erholung sein, und das sowohl für die Mutter als auch für den Vater. Dass es eher als solches wahrgenommen wird, wenn man extern arbeitet, versteht sich wohl auch von selbst. Auch Mütter wissen übrigens, wie das ist, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen und gleich das Kind übergeben bekommen, by the way.

          Das A und O ist, dass sich Mutter und Vater wertschätzen und anerkennen, was der andere tut, sei es zu Hause oder auf der Arbeit extern. Das ist fast nur möglich, wenn beide Elternteile fixe Zeiten haben, an denen sie alleine zu den Kindern schauen und auch Zeiten haben, wo sie extern arbeiten. Aber selbst dann kann es Probleme geben. Ich habe schon Statements gehört wie: “Er unternimmt am Papatag immer tolle Ausflüge mit den Kindern, während ich an den Mamatagen den Haushalt schmeissen muss, was die Kinder natürlich weniger toll finden.” Wie auch immer … ich finde, in der Praxis ist alles viel schwieriger und komplizierter als in der Theorie! Und da hast du natürlich auch recht, sobald die Kinder in den Kindergarten oder in die Schule gehen, gibt es auch wieder mehr Freiräume für den betreuenden Elternteil. Ich hab mich schon für eine Weiterbildung angemeldet … statt dann mal etwas mehr Freizeit zu geniessen 😉 Und später will ich auch mein Arbeitspensum wieder erhöhen, schon nur der PK zuliebe. Auch da bin ich wohl nicht die einzige Mutter.

          1. Avatar von Andi
            Andi

            Zunächst sollten wir einmal die zwei Ebenen auseinanderhalten. Geht es um strukturelle Ungleichheit, dann lässt sich dieses in der Regel statistisch zeigen. Etwas schwieriger ist es dann, aus Ungleichheit eine Diskriminierung abzuleiten, weil da die Interpretationen weit auseinander gehen.
            Ja, viele Mütter sind wieder vermehrt erwerbstätig, wenn die Kinder in die Schule oder gar in die Oberstufe kommen. Der Anstieg ist statistisch aber nicht so deutlich, wie man es erwarten würde. Aber immerhin 56 Prozent der Mütter arbeiten wieder mindestens 50 Prozent, wenn das jüngste Kind zwischen 13 und 24 Jahren ist, bei Kindern zwischen 0-3 sind es allerdings auch schon 46 Prozent. Die Väter sind zu 80 Prozent voll erwerbstätig.
            Und ja, mag sein, dass die wenigen Väter, die also einen Vatertag haben, teilweise an diesem Tag dann weniger fleissig sind als es die Mütter wären. Vielleicht ist es aber auch nur ein Klischee.
            Ich möchte aber noch einmal bei der Wertschätzung beginnen. Ja, gegenseitige Wertschätzung ist das A und O einer funktionierenden Beziehung. Und doch, das geht auch bei einer strikten Arbeitsteilung – warum nicht? Aber das war ja eigentlich der Ausgangspunkt meiner Aussagen: Warum wird die Erwerbstätigkeit in diesen Diskussionen immer so wenig wertgeschätzt, gerade im Gegensatz zur Arbeit zu Hause? Warum ständig dieses Aufzählen, dass Väter sich zu Hause zu wenig einbringen, und dafür konsequenz ausblenden, wie gering der Beitrag viele Mütter bei der finanziellen Versorgung ist? Warum kann man die Familien nicht einfach selber entscheiden lassen, welches Modell ihnen am besten entspricht?

      2. Avatar von jh
        jh

        weil viele Frauen perfektionistisch sind! die ersten Monate soll sich Frau orientieren aber danach wie im job mit 80:20 arbeiten und Mann einbinden. Grösstes Problem: die meisten Männer werden da kein Verständnis haben und da hilft nur traditionelle Ehe. Wenn sie so erzogen wurden, ändern sie sich nicht.egal wie oft sie sagen sie sind gleichberechtigt. hab das oft gehört, bezieht sich nur auf Geld in den meisten Fällen. Haushalt eventuell wenn keine Kinder da sind. Diese Männer wollen auch keinen Kompromis, sie stellen sich zuhause dumm weil es sich nicht lohnt, zuhause mehr zu machen. im job haben sie Anerkennung und Geld und das zählt inder Gesellschaft! Wieso soll Frau mehr Haushalt machen wenn das schlechter angesehen wird? Richtig, es wird erwartet, sonst ist Frau Rabenmutter, Feministin usw
        Frauen organisieren sich in Krabbelgruppen usw, recherchieren alles bzgl. Kind. Kenne kaum Männer die das machen. Grund: fehlendes Interesse! Lohnt sich nicht. Da müsste die Gesellschaft Männer ausschliessen die workaholics sind. Geld ist Macht und das wissen die meisten Männer! Und deswegen bleibt es so

    2. Avatar von jh
      jh

      viele regen sich auf weil nach diesen Erkenntnissen KEINE gleichberechtigte Beziehung möglich ist! Frauen die daran geglaubt haben sind ntürlich enttäuscht, wie ich. ich bin deswegen single und kinderlos. Versorgerehe wäre eventuell was für mich wenn vieles passt und der Mann grosszügig ist. Dann mach ich alles zuhause. Aber sonst wird es meist nicht klappen, kaum ein Mann bleibt paar Monate allein mit Kind zuhause! Und die meisten sehen den Job als wichtiger. wieso soll ich als Frau reduzieren wenn Job für Männer wichtiger ist? Solange ach kaum ein Mann Hausmann sein will, mach ich bei den sog. Kompromissen nicht mit! Kenne keinen Mann der vorher Gedanken macht wie er im Falle des Kindes alles organisiert! Konnte mit keinem Partner darüber reden da sie keinen plan hatten. Oft kam dann raus dass es irgendwie klappt bzw. ich mich kümmere aber natürlich muss ich wieder normal arbeiten. wie man Haushalt unter sTRESS einteilt, wissen die meisten Männer auch nicht. wenn sie viel arbeiten, bestellen sie halt was. geputzt wird gar nicht oder die Freundin macht es usw. Sie kennen sich mit Kindergärten usw nicht aus. Ich bezweifle dass sich solche Männer voll einbringen, vielleicht aushelfen aber mehr kommt nicht. und wenn beide vollzeit arbeiten, geht es so nicht!!! auch wenn die Frau nicht teilzeit zuhause bleibt oder gar nicht arbeitet

    3. Avatar von Katinka
      Katinka

      Ich habe noch nie von Frauen gehört, die vor den Kindern Teilzeit arbeiten!

  8. Avatar von Ladina
    Ladina

    Ein Artikel, der sehr viele Gute, wichtige und zum Nachdenken anregende Punkte aufzeigt. Vor allem dass mit dem Mangel an Ehrgeiz zu Hause habe ich noch nie überlegt und finde ich interessant.
    Ich finde es allgemein sehr schade, wie wenig Frauen von ihren Männern fordern. (Auch die kinderlosen, by the way). Für mich zum Beispiel ist es ganz klar, dass mein Mann nicht mehr Vollzeit arbeiten kann, wenn wir Kinder haben. Und dass habe ich ihm schon früh in unserer Beziehung mitgeteilt.

    1. Avatar von jh
      jh

      super, so was suche ich auch. solche Männer sind schwer zu finden. frauen bescwehren sich seltener da ihnen die Beziehung mehr liegt als dem Mann und sie unbedingt Kinder wollen. Männer verzichten lieber bevor sie Kompromisse machen müssen!

  9. Avatar von Sarah
    Sarah

    Interessanter Artikel. Auf den Punkt gebracht.
    Die Frage bleibt: Wieso machen moderne Männer nicht mehr?
    Nach meiner Meinung: weil die Frauen sich oft für die Familie verantwortlich fühlen und dann automatisch übernehmen (sie reduzieren Arbeitspensum, Mother Gatekeeping Syndrom etc). Ich weiss, es ist schwierig die einzugestehen. Aber die einzige Lösung ist kompromisslos zu verhandeln und Gewisse Verantwortungen loszulassen und bewusst dem Partner zu übergeben.
    Zudem bleibt Teilzeit oft eine Falle. Ich selber war in dieser Falle, obwohl ich mehr verdiente als mein Mann (hätte gar nie Teilzeit arbeiten sollen, das drückte mich in all dem im Artikel geschriebenen Korsett). Er hat nun seinen Job gekündigt, orientiert sich neu und ist mehr zuhause ist als ich. Seither ist unsere Dynamik ganz anders. Ich arbeite zwar nun mehr, bin aber viel entspannter. Kein Mental Load mehr.

    1. Avatar von MoonaLiisa
      MoonaLiisa

      Ich weiss nicht, warum sich Personen von diesem Artikel angegriffen fühlen. Meines Erachtens zeigt er sehr differenziert Fakten auf und greift mitnichten jemanden persönlich an. Das offensichtlich bestehende und wissenschaftlich gut belegte strukturelle Problem lässt sich nicht wegargumentieren. Es ist nicht in Ordnung, wenn eine gleichberechtigte Elternschaft nur dann gelebt und mit dem gewünschten beruflichen Werdegang vereinbart werden kann, wenn laut genug gerufen und ausdauernd genug gekämpft wird. Sei es, dass ein Teilzeitpensum möglich ist, dass erschwingliche Betreuungsplätze vorhanden oder Löhne geschlechterunabhängig sind. Fakt ist, die Voraussetzungen sind nicht vorhanden. Und das bezieht sich auf alle Geschlechter.
      Warum arten solche Diskussionen aus in ein Gegeneinander? Lasst uns miteinander für Gleichberechtigung einstehen. So dass wirklich jede Familie selbst entscheiden kann, welches Modell sie leben möchte.

    2. Avatar von dfg
      dfg

      nein das Problem ist dass sich diese Männer wehren, sie wissen dass sie irgendwo eine Frau finden die dumm ist und arbeitet und den meisten Haushalt übernimmt. ich habe mich immer gewehr, darauf wurden die männer passiv- aggressiv, manche ex freunde haben mich als egoistin und feministin beschimpt und dass ich schlechte Mutter sein werde. Männer werden sauer wenn man sie durchschaut. leider wissen wenige Frauen dass Männer dies als strategie nutzen. daher werde ich wohl co-parenting mit separaten wohnunungen machen oder gleih Spermabank oer keine Kinder. und mit Männern führe ich seit einer Weile wegen diesen Sachen maximal freundschaft plus, mehr ist nicht möglich.