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Wir streiten immer über dasselbe. Wie kommen wir da raus?

Paare streiten über alles Mögliche und doch liegen den meisten Konflikten dieselben Fragen und Bedürfnisse zugrunde. Amel Rizvanovic zeigt, wo der Hase im Pfeffer liegt.

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Geld, Hafermilch, Erziehung, Joghurt, Schwiegermutter, Geschirrspüler, Sex, Socken, Urlaub. Darüber, und über viele andere Themen, zoffen sich Paare. Manchmal geht es im Paarstreit tatsächlich darum, wer den letzten Joghurt aus dem Kühlschrank genommen hat. Meistens aber sind dies Stellvertreterkriege.

Der Hase liegt woanders im Pfeffer.

Was liegt denn unter einem Paarstreit?

Laut dem amerikanischen Psychologen Howard Markman gibt es drei wesentliche zugrundeliegende Motive, also verdeckte Konfliktfelder bei Paarstreit, um die es oftmals eigentlich geht:

1. Power & Control

Beim ersten Feld geht es um die Themen Macht, Kontrolle und Autonomie. Also die Fragen: Wer entscheidet bei den wirklich wichtigen Dingen? Wessen Prioritäten zählen mehr, wiegen schwerer? Who is in charge? Wer ist Versorger:in, Geldverdiener:in? Gibt es eine Macht-Asymmetrie in der Beziehung?

In der Praxis geht es um Fragen wie: Wer geht arbeiten, wenn das Kind krank ist? Wer darf bis Ultimo auf der Party eskalieren – und wer bleibt zuhause im Peppa-Wutz-Land?

2. Trust & Closeness

Dieses Feld beschreibt die Themen Vertrauen und Nähe, emotionale Intimität und Bindung. Es geht also um die Fragen: Kann ich mich auf dich verlassen, wenn es darauf ankommt? Stehst du zu mir? Stehst du auf meiner Seite? Do you have my back? Unterstützt du mich, schützt du mich? Oder lässt du mich im Stich? Kann ich dir vertrauen? Sitzen wir im gleichen Boot?

Diese Fragen werden dann besonders dringlich und sichtbar, wenn man in einer Krise steckt: Bei Arbeitslosigkeit, Schwangerschaft oder Geburt, bei Krankheit, Hausbau oder einem Todesfall in der Familie.

Manche dieser grossen Ereignisse, auch «Life Events» genannt, haben auch schöne Seiten. Dennoch haben sie mit allen anderen «Life Events» gemein, dass etwas Grosses die fundamentale Statik des Lebens erschüttert und es bedeutender Anpassungsleistungen bedarf, die oftmals schwierig und schmerzhaft sein können und Paarstreit zur Folge haben.

3. Respect & Recognition

Hier geht es um Respekt, Wertschätzung, Integrität und Selbstwert. Es geht um Fragen wie: Werde ich wirklich und wahrhaftig gesehen? Bin ich wichtig? Werde ich geschätzt? Gehört? Gefragt? Informiert? Berücksichtigt? Zählt das, was ich sage und was ich tue tatsächlich etwas?

Ein gutes Beispiel hierfür ist die unbezahlte und daher oftmals unsichtbare Care-Arbeit, die nicht genügend wertgeschätzt wird. Oder fühle ich mich gänzlich übersehen und als Nebendarsteller:in abgetan, während mein Gegenüber glänzt wie Tamatoa in Vaiana?

Immer derselbe Paarstreit: Wie können wir unsere Muster durchbrechen?

Die Auseinandersetzung mit unseren Konfliktmustern ist so extrem wichtig und wertvoll, weil wir letztlich alle Wiederholungstäter:innen sind und in denselben Mustern streiten.

Markmans drei Felder können dabei helfen, besser zu verstehen, was Konflikten wirklich zugrundeliegt. Um zu verstehen, wo wir immer und immer wieder stolpern. Gerade auch im Hinblick auf den nächsten Schritt, wenn es nämlich darum geht, passende Lösungsansätze zu erkunden, Dynamiken zu verändern und Muster zu durchbrechen.

Wenn wir unsere eigenen Muster kennen und besser verstehen, was wirklich unter der Wut liegt, dass unser Gegenüber den letzten Joghurt genommen hat, sind wir einen Schritt weiter – und können dort ansetzen.

Wie wir eigene Trigger erkennen und so Paarstreit verstehen.

Verkürzt könnten wir sagen, es geht laut Markman bei unseren Konflikten oftmals eigentlich um Kontrolle, Bindung und Wertschätzung.

Wer sich dafür interessiert, welche Konfliktdynamik in seiner Paarbeziehung besonders präsent ist, kann folgende Fragen zurate ziehen:

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann der Anfang eines spannenden Dialogs bezüglich der gemeinsamen Konfliktdynamik sein.

Nicht alles umkrempeln!

Bei Markmans Modell geht es nicht etwa darum, sich selbst oder das Gegenüber komplett zu verändern oder die Beziehung völlig umzukrempeln. Vielmehr helfen die Ideen von Markman uns bei den zentralen Fragen unserer Beziehungen:

Wieviel Spielraum gibt es? Wie flexibel oder starr ist unser System? Kann es atmen? Ist es beweglich? Was können wir tun, um es ein bisschen beweglicher zu machen?

Darum geht es. Um Beweglichkeit. Um Resonanz. Um diesen Tanz.

Und manchmal auch um Joghurt. Oder Hafermilch.

Autor

Amel Rizvanovic ist Coach und Consultant in Luzern, Vater einer kleinen und zweier grosser Töchter. Gemeinsam mit seiner Frau, der Psychotherapeutin Felizitas Ambauen, hat er den Paarcours entwickelt. Ein Konzept für Paare, die an ihrer Beziehung wachsen möchten. Die Schwerpunkte von Amels Arbeit bilden Positive Psychologie, Kommunikation und Organisationsentwicklung. Mehr über Amel gibt’s auf Facebook und Instagram sowie auf  ambauen-psychologie.com

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 18. Mai 2022 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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