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Kolumne

Markus Tschannen wechselt wieder Windeln: Was ihr fürs Baby wirklich braucht – und was nicht

Babybett, Tragetuch oder Akkusauger – werdende Ersteltern besorgen oft viel zu viel. Meine Erfahrung nach dem dritten Kind: Im Minimalismus liegt die Kraft. Eine ehrliche Liste, welche Erstausstattung du für dein Baby wirklich brauchst – und was rausgeschmissenes Geld ist.

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Der Bauch wächst, das Kind kommt bald. Sobald der Nestbautrieb kickt, begeben sich werdende Ersteltern auf ausufernde Schoppingtouren. «Du Josh, schau mal diese herzigen Strampler im 20er-Pack. Die packen wir grad ein!»

Die Erfahrung, was das Baby wirklich braucht, ist beim ersten Wurf naturgemäss dünn. Die Euphorie der neuen Lebensphase und das Motto «better safe than sorry» verleiten dazu, einen stattlichen Batzen auszugeben. Beim dritten Kind – da sind wir inzwischen mit Tertius angekommen – weiss man dann: Im Minimalismus liegt die Kraft. Mit Babys lernt man sparen. Die Kinder werden später noch teuer genug.

Darum präsentiere ich hier meine persönliche Liste, was in die Erstausstattung gehört und was nicht. Für alle werdenden Eltern und alle, die noch krampfhaft ein Weihnachtsgeschenk für ebensolche suchen.

(Die Liste ist aufsteigend nach Notwendigkeit sortiert.)

Das Babybett

Was für eine elende Geldverschwendung. Okay, wir haben nie eins gekauft, aber bei den beiden ersten Kindern jeweils ein gebrauchtes geschenkt bekommen – und es bald einmal «zum Mitnehmen» an die Strasse gestellt. Fast ohne Gebrauchsspuren.

Der Brecht und Beebers haben nie darin geschlafen, sondern höchstens mit einer Blechtasse über die Gitterstäbe gerasselt, bis wir sie wieder aus Alcatraz befreit haben. Falls ihr doch unbedingt ein Babybett wollt: Kauft um Himmels willen keins. Die stehen kostenlos an der Strasse rum.

Strampler

«Lass uns ein Kleidungsstück erfinden, das richtig mühsam an- und auszuziehen ist.» – «Hihi ja!» Genau so hat sich damals die Erfindung des Stramplers abgespielt. Nichts ist bei einem Baby so wichtig, wie ein schneller, unkomplizierter Blick in die Windel. Nichts stört den schnellen Windelcheck und das anschliessende Wickeln so sehr wie ein Strampler. Wenn es nach mir ginge, ich würde ein Verkaufsverbot erlassen.

Das Pischi

Noch so ein Thema. Wer jemals Babyfäuste durch einen Ärmel zwängen musste, weiss: Das macht man nicht öfter als unbedingt nötig. Warum das Baby also am Abend und am Morgen ohne Not umziehen? Nein, nein, das trägt in der Nacht das, was es auch am Tag trägt. Pischis gibt es dann, wenn sich die Kinder selbständig umziehen können.

Nuggis

Meine Frau (Flaschenkind) und ich (Stillkind, passionierter Daumenlutscher) haben schon vor Jahrzehnten den Nuggi verweigert. Das liegt offenbar in den Genen, denn auch unsere drei Erben lehnen Kautschuk und Silikon als Brust- und Fingerersatz ab. Beim Brecht versuchten wir es vor elf Jahren noch mit verschiedenen Modellen. Beebers und Tertius haben wir zum Testen nur noch den Werbenuggi reingesteckt, den man mit jeder gut sortierten Baby-Prospektli-und Müsterlibox erhält.

#daschamebruuche aus unserem Concept Store

Ein Stubenwagen

Noch etwas, wo man genervt drüberstolpert, wenn man das nölende Baby rumträgt. Ich sag euch, was ihr stattdessen macht: Eine Wolldecke auf die richtige Grösse falten und in einen Kissenbezug packen. Das Ganze auf den Boden legen und das Baby drauf drapieren. Voilà, das ist jetzt euer Stubenwagen. Gern geschehen. Was höre ich da? «Aber das geeeeht bei uns nicht, wir haben einen Hund.»

Ein Hund

Noch etwas, wo man genervt drüberstolpert, wenn …

Ein hübsch aufgebrezeltes Kinderzimmer

Ich habe nie ganz verstanden, weshalb Eltern die Wände des Kinderzimmers bunt streichen und Schnäggli, Häsli oder Bärli draufkleben, nur um dann ein farbenblindes Rollschinkli reinzulegen, das keinen halben Meter weit sieht. «Aber irgendwann kann es dann sehen!» Jaja, das ist schon richtig. Wenn es denn überhaupt Zeit in diesem Raum verbringt. Tertiens grosse Geschwister wachsen mit 11 und 6 Jahren grad aus dem Schnäggli-und-Häsli-Alter raus und haben noch keine einzige Nacht in ihrem Sch…önen Kinderzimmer geschlafen.

Das Tragetuch

Ah, mein persönliches Hassobjekt. Hier habe ich mich beim ersten Kind von einer gspürigen Naturhebamme einlullen lassen. Uff, das gibt wieder 50 Leserbriefe von Trageberater:innen. Jahaa, ein Tuch ist sicher toll fürs Baby, aber wir haben 2025. Es gibt beim besten Willen ergonomische Tragevorrichtungen, die sich nicht anfühlen, als hätte man ein aufwändiges Totenritual hinter sich und würde gleich von Ra und Osiris persönlich in einen Sarkophag gebettet.

Ich schwöre, ich habe es wirklich versucht. Mit einem gefühlt 17 Meter langen Tuch des Marktführers aus edelstem Qualitätsstoff. Tagelang habe ich Knüpftechniken studiert und mit einer Puppe geübt, nur um dem Brecht und mich dann bei der praktischen Anwendung lebenslang zu traumatisieren. Was haben wir geflucht und geheult, bis das Kind im Tuch sass.

Heute klicke ich Tertius in fünf Sekunden in die Tragevorrichtung und passe den perfekten Sitz mit den verstellbaren Gurten an. Aber wer gerne Mittelalterszenen nachspielt, darf natürlich beim Tuch bleiben.

Ein Kinderwagen

Da gehen die Vorlieben bei Babys auseinander. Manche werden ganz gerne herumgefahren und lassen sich später als Bankvorstand oder Bundesrätin im Benz kutschieren. Andere Kinder werden lieber getragen – weil es einfach viel majestätischer ist. Der Brecht bevorzugte den Kinderwagen über das Tragetuch des Schreckens – vermutlich als kleineres Übel. Beebers wollte nur getragen werden und Tertius schreit im Kinderwagen die ganze Nachbarschaft zusammen.

Klar, manchmal ist ein Kinderwagen praktischer als die Tragevorrichtung. Ich sage lediglich: Es gibt Kinder, für die lohnt sich das Nobelmodell für 1’600 Franken nicht. Da reicht ein Oldtimer von der Auktionsplattform. Und wenn die Räder etwas eiern, ist das bei einem Kinderwagen durchaus ein willkommenes Feature.

Eine grosse Auswahl an neuer Babykleidung

Jaja, Babykleidung sieht herzig aus, aber das ist noch kein Grund, viel davon zu kaufen. Schon gar nicht neu. Nichts ist auf dem Zweitmarkt so wertlos wie Babykleidung, die nach dreimal tragen schon zu klein ist. Wer für Babys erste Garderobe mehr als 20 Franken bezahlt, ist bei «eat the rich» mitgemeint.

Und mehr als vier, fünf Bodys braucht man auch nicht. Wenn sich das Baby alle drei Nächte den Rücken hochscheisst, müsst ihr die Suppe sowieso sofort waschen, damit das braune Batikmuster wieder verschwindet. Die Regel lautet: Ein Body weilt am Kind, eins in der Waschmaschine, eins trocknet gerade und das vierte wartet frisch gewaschen auf den nächsten Unfall. Alles Weitere ist Luxus.

Babyschuhe

Ihr kennt bestimmt die angeblich so traurige Kürzestgeschichte, die Hemingway zugeschrieben wird: «Babyschuhe zu verkaufen. Nie getragen.» Angeblich soll sie von einem toten Baby handeln. Mumpitz. Sie handelt von einem Götti, der Babyschuhe für ein formidables Geburtsgeschenk hielt – für jemanden, der noch lange nicht laufen kann und dessen Füsse schneller wachsen als ein Pilz an einem feuchten Herbsttag.

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Babysocken

Das macht schon mehr Sinn. Ein paar sollte man haben, aber mehr braucht kein Baby. Es ist ja nicht so, dass die jemals dreckig werden.

Die Babybadewanne

Durchaus praktisch, wenn man gerade ein Baby badet. Aber die restliche Zeit steht halt ein sperriges Stück Plastik rum – oder Chromstahl, für die Besseren unter euch. Ein Putzeimer tut es auch, oder die grosse Tupperschüssel, die man sowohl für Salat als auch für Erbrochenes benutzt. Tut nicht so empört, jede Familie hat so eine Schüssel.

Ein Schoppenwärmer

Sie sind billig und heizen die Milch zügig auf die gewünschte Temperatur. Aber die meiste Zeit steht ein Schoppenwärmer dekorativ rum. Hier kann man geteilter Meinung sein. Wir hatten beim Brecht einen, mussten aber rasch feststellen, dass er seine Milch am liebsten kalt aus dem Kühlschrank geniesst. Da stehst du dann da, mit deinem tollen Schoppenwärmer.

Eine Babywippe

Sowas Fancyges hatten wir bei den ersten Kindern nicht und ehrlich gesagt weiss ich auch nicht, warum wir für Tertius eine beschafft haben. Aber ich muss sagen: Das Kind ist in seinem neuen Schaukelstuhl sehr glücklich. Beim vierten Kind (Gott bewahre) würde ich auf ein Modell mit Schaukelmotor setzen. Dann muss man nicht immer ein älteres Geschwister zum Schaukeldienst einteilen oder mit Schnüren quer durch die Wohnung eine Fernbedienung basteln.

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Kinderwagenschaukler Robby

Der Dampfsterilisator

Die Regel lautet: Beim ersten Kind wird sterilisiert, beim zweiten Kind kurz abgewaschen und beim dritten Kind der grobe Dreck abgeklopft (und über Sterilisatoren gelacht).

Der Wickeltisch

Den Brecht haben wir auf einem Brett gewickelt, das wir auf die Badewanne gelegt hatten. Beebers dann erst auf einem alten Küchentisch und später auf dem Boden – keine Ahnung, welcher Teufel uns da geritten hat, aber tierschutzkonform war das nicht. Unsere Körper litten unter der Wickelzeit mehr als unter den 6923 Legoteilen, die wir uns in den letzten elf Jahren eingetreten haben. Die Einsicht kam spät, aber sie kam. Für Tertius haben wir uns endlich einen richtigen Wickeltisch gegönnt.

Badeponchos

Diese Duschtücher mit Kaputzenecke sind schon recht gut, aber der Poncho (ein Rechteck vorne, eins hinten und oben ein Loch mit Kapuze) gewinnt die Meisterschaft ums beste Frotteeprodukt mit drei Badewannenlängen Vorsprung.

Grosse Plastik-Stapelboxen

Kein glamouröses Weihnachtsgeschenk, aber eines, das jede Familie entzückt. Pro Kind und Lebensjahr benötigt man rund 8 Stück von den Dingern – für Zeichnungen, Klorollen-Basteleien, Spielzeug, Kleidung, Wintersportzubehör. Aber Achtung: Familien mit zwei oder mehr Kindern benötigen zwingend Boxen mit Deckeln, die man auch von innen öffnen kann.

Der Akkusauger

Er ist der Gott in jedem Kinderhaushalt. Am besten kauft ihr gleich für jeden Raum einen. «Wäre ein Staubsaugerroboter nicht noch praktischer?», höre ich die werdenden Ersteltern fragen. Haha, sweet summer child. Vielleicht einer mit Flammenwerfer, Räumschild und Geländereifen.

Und noch ein unnötiges Produkt zum Abschluss:

Kantenschutz an Möbeln

Jaja, das kommt erst nach der Erstausstattung, aber aus aktuellem Anlass muss ich es doch erwähnen. Ihr könnt die Wohnung mit Bauschaum fluten, es nützt trotzdem nichts. Vor drei Wochen hat sich Beebers zwei Zähne aus- und zwei weitere lockergeschlagen. Am Sofa! Stellt sich raus: Wenn man nur hart genug aufs Polster fällt, spürt man darunter auch Holz.

Okay, das war’s. Mir ist bewusst, dass diese Liste nicht auf alle Familien passt. Jedes Kind ist anders und auch die elterlichen Vorlieben unterscheiden sich. Ja, manchmal klebt man dieses Schnäggli einfach für sich selbst an die Wand. Trotzdem würde ich allen werdenden Eltern zum Grundsatz raten: Geht minimalistisch in die Babyphase und kauft nur, was euch fehlt. (Zeit und Geduld kann man leider nicht kaufen.)

Markus Tschannen, Autor, Kolumnist, mal ehrlich - "Markus Tschannen ist nie ganz fertig"

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Markus Tschannen ist Mediensprecher im Tourismus, Kolumnist für Familienthemen und Hobby-Holzfäller. Er lebt mit seiner Frau, Beebers (6) und dem Brecht (11) in der Nähe von Bern. Im Herbst 25 kam sein jüngstes Kind Tertius (0) zur Welt. Seit zehn Jahren schreibt Markus regelmässig über das Familienleben, unter anderem für den inzwischen eingestellten Mamablog und Papablog des Tages-Anzeigers. Man findet ihn als @souslik auf Bluesky und als @instantsouslik auf Instagram.


Informationen zum Beitrag

Veröffentlicht am 15. Dezember 2025.

Die Kolumne «Markus Tschannen wechselt wieder Windeln» erscheint einmal im Monat.


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4 Antworten

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  1. Avatar von Michelle
    Michelle

    Ich habe mich schon lange nicht mehr so kaputtgelacht (speziell beim Tragetuch, so herrlich beschrieben), vielen Dank! Ich könnte alles genau so unterschreiben!

  2. Avatar von Amy
    Amy

    Wie wahr!

  3. Avatar von Nora
    Nora

    Love it!!

  4. Avatar von Martina
    Martina

    Fantastisch – habe gerade Tränen gelacht. Wir haben vor einer Woche unser drittes Kind bekommen und ich erkenne uns in vielen der Situationen. :-)