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Wie Frauen den Rattenschwanz der unbezahlten Arbeit loswerden? Delegieren!

Wieso fällt es uns Frauen so schwer, Aufgaben abzugeben? Und was sich die Konsequenzen, wenn wir meinen, alles selbst schaffen zu müssen? Johanna zeigt auf, wie sich unbezahlte Arbeit direkt auf Geld, Karriere und Altersvorsorge auswirken kann. Ein Plädoyer fürs Delegieren.

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In einer perfekten Welt würden wir sämtliche Hausarbeiten mit einem Klacks erledigen und dabei fröhlich “das bisschen Haushalt” trällern.

Leider, leider, ist es mit einem Klacks nicht getan. Und vor allem Frauen tun sich oft schwer, wenn es darum geht, Aufgaben abzugeben.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik leisteten im Jahr 2016 Frauen in der Schweiz 28.1 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche und kamen mit bezahlter Arbeit auf 16.6 Stunden. Bei den Männern verhält es sich andersherum: Sie sind mit 17.9 Stunden unbezahlter Arbeit dabei und schaffen ganz beachtliche 27.3 bezahlte Stunden pro Woche.

Männer und Frauen arbeiten also gleich viel – mit dem feinen Unterschied, dass Männer mehr Zeit monetarisieren.

Die einen leisten mehr bezahlte und die anderen mehr unbezahlte Arbeit.

Was hat das für Konsequenzen?

Um das herauszufinden, habe ich mit CEOs von KMUs und grösseren Firmen gesprochen.

Auf die Frage, ab welchem Arbeitspensum sie befördern, kam im Regelfall die gleiche Antwort: ab 80%. Bei Führungskräften gab es gar eine Präferenz für 100% wegen der Aussenwirkung aufs Team. Im Kontrast dazu arbeiten 59% der arbeitenden Frauen in Teilzeitverhältnissen und haben eine entsprechend geringere Wahrscheinlichkeit, die Karriereleiter zu erklimmen.

Und Beförderungen gehen Hand in Hand mit Gehaltserhöhungen, die wiederum in höhere Einzahlungen in die Pensionskasse, AHV, etc. resultieren, was dann einen schönen Lebensabend beschert.

Entsprechend gering fällt die finanzielle Vorsorge vieler Frauen aus und bei einer Scheidungsrate von 39% (2017) erhöht sich das Risiko der Altersarmut massiv. Irgendwann könnten sie sich wünschen, sie hätten nicht den Grossteil ihrer verfügbaren Arbeitszeit auf unbezahlte Arbeitszeit verwendet.

Und was ist die Lösung?

Was müsste passieren, dass Frauen die Anzahl ihrer unbezahlten Arbeit reduzieren und die Anzahl der bezahlten Arbeit steigern? Die Haushaltsarbeit löst sich ja nicht einfach in Luft auf: Die Wäsche faltet sich nicht von Zauberhand, Fertigpizzen haben nicht auf einmal mehr Nährwerte und Mary Poppins kommt nicht angeflogen, um auf die Kinder aufzupassen!

Natürlich sind all diese Aufgaben nicht zwangsläufig der Frau anzulasten. Aber: Die Realität sieht aktuell so aus, dass sich oft die Frauen dafür verantwortlich fühlen. Oder immer fragen müssen, wenn sie Hilfe wollen. Eine mögliche Lösung:

Mehr Aufgaben aus dem unbezahlten Bereich abgeben oder delegieren.

So hat frau mehr Zeit für wertstiftende Aufgaben.

Abgeben kann und soll in verschiedenen Formen kommen, angefangen mit einer fairen Vereinbarung mit dem Partner, dass beide gleich viele Aufgaben im Hausbereich übernehmen, um das Arbeitspensum der Frau hochzufahren. Und klar, auch Männer können ihr Arbeitspensum auf 80% oder weniger reduzieren, um damit die verschiedenen Rollen unter einen Hut zu bringen.

Wenn beide andere Passionen haben als den Wohnungsputz, können sie sich auch entscheiden, mehr der unbezahlten Aufgaben extern abzugeben, um damit ihre Work-Life-Balance zu verbessern. Genau, im Umkehrschluss heisst das, Geld dafür zu bezahlen, um mehr Zeit für bezahlte Arbeit zu haben.

Klingt kontra-intuitiv, wird aber langfristig gesehen Früchte tragen.

Partner begegnen sich auf Augenhöhe und Frauen sorgen finanziell besser für sich vor und reduzieren damit ihre Abhängigkeiten. Übrigens sind Männer bestimmt nicht traurig, wenn sie nicht mehr den Grossteil der finanziellen Verantwortung alleine tragen müssen!

Argumente gegen das Delegieren?

Um besser zu verstehen, wie Frauen in der Schweiz zum Thema Delegieren stehen, habe ich eine Online-Umfrage durchgeführt. Hierbei habe ich ein paar sehr interessante und grundsätzliche Dinge gelernt: Frauen in der Schweiz delegieren wenig und führen Geld als Hauptgrund auf. Nur ein Viertel nimmt externe Services in Anspruch, bezahlt also für Dienstleistungen. Demgegenüber delegiert ein Drittel gar nicht und macht entsprechend alles selbst. Die Hälfte spannt den Partner ein und manche setzen auch auf die Hilfe der Kinder.

Hier muss ich natürlich frech von der Seite einwerfen, dass es sich beim Delegieren an Familienangehörige oft nicht um das echte Delegieren handelt, das als “Rechte oder Aufgaben [abtreten und] auf einen anderen übertragen” definiert ist. Vielmehr werden in vielen Fällen die Frauen ihre Liebsten daran erinnern, einen Beitrag zu leisten, der noch weit unter der “fair share”, also dem angemessenen Beitrag, liegt.

Und nein, es liegt nicht daran, dass Frauen alles selbst machen wollen!

Ganze 74% der Frauen wünschen sich, mehr zu delegieren und sind besonders scharf darauf, Putzen, Kochen und Admin-Aufgaben loszuwerden.

Um es kurz zusammenzufassen, Frauen delegieren zu wenig, wollen mehr abgeben und doch passiert so wenig. Dahinter stecken folgende Gründe:

● 41% wollen kein Geld ausgeben
● 23% können es selbst schaffen
● 23% wissen nicht, wem sie vertrauen können
● 22% hätten ein schlechtes Gewissen
● 20% wissen nicht, wo sie Hilfe finden können

Warum wir mehr delegieren sollten?

Besser als L’Oréal kann ich es auch nicht sagen “Because I am worth it”.

Die gefühlte Schmerzgrenze, kein Geld für Sachen ausgeben zu wollen, die man auch selbst machen kann, ist nachvollziehbar, aber leider sehr kurzfristig gedacht. Denn genau hieraus entwickelt sich ja der Rattenschwanz, dass Frauen vermehrt in Teilzeit arbeiten, weniger befördert werden und ihr finanzielles Potential nicht vollends ausschöpfen.

Ich verstehe es schon. Der Gedanke, alles selbst schaffen zu müssen, ist auch bei mir tief verankert, so dass ich jedes Mal eine grosse undurchsichtige Hemmschwelle durchbrechen muss, wenn ich neue Aufgaben aus meinem Alltag abgebe.

So gross ist meine Wohnung ja auch nicht, dass ich nicht noch schnell wischen und saugen könnte. Und wer garantiert mir denn, dass es auch so gut wird, wie wenn ich es selbst mache?

Ja, ich steh mir öfters im Weg. Aber mit Blick auf die Zukunft schafft Delegieren für mich einen grösseren Mehrwert, als wenn ich selbst meinen Fenstern wieder zum Durchblick verhelfe.

Und woran hapert es bei Dir mit dem Delegieren?

Meine eigene grosse Erkenntnis: Wir müssen zuerst verstehen, warum es uns so schwer fällt, Aufgaben abzugeben. Weshalb wir in Kauf nehmen, auf der beruflichen Seite auf der Strecke zu bleiben.

Ist es die Sorge, dass die Umsetzung nicht dem eigenen Perfektionismus entspricht? Oder geht es doch um die Kosten und dass man das Geld ja auch anders ausgeben könnte? Egal, was der Grund ist: Die Selbstreflexion wird helfen, diese innere Ketten abzuwerfen und Delegieren in einem neuen Licht und als echte Möglichkeit zu sehen.

Kafikasse_Any_Working_Mom

Johanna Herbst - ihr Text Delegieren jetzt auf mal ehrlich

Autorin

Johanna Herbst lebt in der Stadt Zürich. Sie hat ihren M.B.A an der NYU Stern School of Business gemacht und insgesamt mehr als 12 Jahre Arbeitserfahrung in Corporate Finance, Management Consulting und Business Development für Firmen wie Procter & Gamble oder Horvath & Partners. 2018 hat sie Delygate.com gegründet.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 18. Juli 2019 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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3 Antworten

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  1. Avatar von Andi
    Andi

    Inhaltlich ist es richtig. Aber wenn jemand (nicht nur Frauen) Mühe hat mit Delegieren, dann liegt das meist nicht am Angebot. Eine Putz- oder Haushaltshilfe zu finden ist ja nicht wahnsinnig schwierig.

  2. Avatar von Karin
    Karin

    Das Problem mit dem Delegieren ist halt auch, dass wir damit zu sehr ungleichen Strukturen beitragen. Meist sind es ja Frauen, die für uns putzen, Wäsche bügeln, unsere Kinder betreuen – und all diese Tätigkeiten sind eher schlecht als recht bezahlt. So wird aus nicht bezahlter “Frauenarbeit” dann schlecht bezahlte Frauenarbeit – auch nicht gerade toll.

  3. Avatar von Sarah Bangerter
    Sarah Bangerter

    Finde ich top, danke Johanna 🙂