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Wie viel arbeite ich? Die Eltern-Rechnung: Mental Load + Care-Arbeit + Erwerbsarbeit

Weil Care-Arbeit und Mental Load schwer fassbar sind, lässt sich unsere Leistung als Eltern nur schlecht messen und ist oft gefühlt nichts wert. Zeit, umzudenken! Mit Liste zum Ausdrucken und Ausrechnen.

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Wer macht wie viel? Wer macht mehr? Ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass bei uns diese Milchbüechlirechnungen nicht stattfinden. Wir leben kein traditionelles Familienmodell, ich bin ungefähr zu gleichen Teilen erwerbstätig wie mein Partner (allerdings nicht nur zu Bürozeiten) und leiste, gewollt, etwas mehr Betreuungsarbeit oder Care-Arbeit.

So weit, so gut.

Und dann ist es eben doch nicht immer gut: Immer wieder komme ich ans Limit.

Es wird zu viel. Der Hut zu klein. Die Zeit zu knapp. Ich bin gestresst, frustriert, fühle mich erdrückt.

Wenn wir – wieder einmal – zusammensitzen, um zu schauen, wie wir uns besser aufteilen können, komme ich in Erklärungsnot.

Was mache ich denn eigentlich alles?

Dieses bisschen Denken: die Mental Load

«Wenn du wüsstest, woran ich immer noch alles denken muss!»

«Woran denn zum Beispiel?»

«Ja, äh….zum Beispiel, neue Gummistiefel für die Kids, weil die alten zu klein sind…»

Augenrollen.

Gummistiefel?! Da geht man in den nächsten Laden, nimmt ein Paar, zägg und weg!

Ja, es war nicht das geschickteste Beispiel, das ich da gewählt hatte, um meinem Partner meine Belastung durch die «Mental Load» zu erklären. Die unsichtbare Denkarbeit, die zu unser aller Alltag gehört, die aber in Familien exponentiell grösser ausfällt. «Emotional Labor» wird sie auch genannt, oder «the third shift». Sie beinhaltet neben langen, abzuhakenden To-do-Listen auch Zwischentöne, kleine Aufmerksamkeiten.

Das Abschiedsgeschenk für die KiTa-Gruppenleiterin, die Deko für den Kindergeburtstag, das denkerische Planen des Wocheneinkaufs (wie kriegen wir möglichst wenig Food Waste hin? Wer mag was?). Kleine Dinge, eben, und wahrscheinlich sind die Gummistiefel trotz Augenrollen ziemlich beispielhaft.

Denn ja, Gummistiefel müssen her und die könnte man wahrscheinlich in fünf Minuten irgendwo bestellen – aber: Sind die Grössen auch verlässlich, oder muss ich sie dann eh zurückschicken? Kommen die Stiefel aus fairer Herstellung? Und Moment, standen da nicht secondhand noch welche zum Verkauf?

Die Mental Load tragen vorwiegend wir Mütter. Dieses bisschen Denken, das macht frau doch nebenbei, und oft wäre das Delegieren aufwändiger, als es einfach gleich selbst zu erledigen.

Die Mental Load ist nicht fassbar, und genau deshalb so schwierig zu quantifizieren.

Wir sind gestresst, ständig unter Strom, tragen die To-do-Liste im Kopf laufend nach. Will man die Mental Load beschreiben, flutscht sie durch die Finger wie ein glitschiger Fisch – oder eben, wirkt lächerlich. Ist doch in zehn Minuten erledigt, meint das Gegenüber – was machst du für einen Aufstand deswegen, und sowieso:

Sag doch, wenn ich helfen soll!

Womit wir dann wieder beim Delegieren wären, und die Frau ganz automatisch zum «Chef Familie» wird, obwohl sie möglicherweise zusätzlich einem bezahlten Job nachgeht und Betreuungsarbeit, Care Work, leistet.

Ein Comic, das diesen stillen Chrampf übrigens treffender nicht auf den Punkt bringen könnte, heisst «You should’ve asked» (von uns hier auf Deutsch übersetzt: Du hättest doch bloss fragen müssen).

Die Rechnung der Arbeit: Mental work + Care Work + Paid work
(c) Emma: The Mental Load.

Die mentale Arbeit ist der Hauptgrund, wieso die schöne, vorgeburtliche Vorstellung von der gleichberechtigten Elternschaft, in der wirklich beide Elternteile 50/50 leisten, oft eine Illusion bleibt. Aber wie kann man etwas quantifizieren, delegieren oder aufteilen, wenn es unsichtbar bleibt?

Betreuungsarbeit: die verschupfte Schwester der Erwerbsarbeit

Immerhin lassen sich in Sachen Betreuungsarbeit Stunden aufschreiben: Kind steht auf, Kind geht irgendwann ins Bett. Wer nachts regelmässig aufstehen muss, rechnet ein paar Stunden hinzu. Ganz genau erfassen kann man die eigene Care Work mit Hilfe der App «WhoCares», mit der man seine tägliche unbezahlte Sorge- und Pflegearbeit zeitlich erfassen und in Lohn umrechnen kann.

Care Work lässt sich also gut quantifizieren. Einziges – aber leider ungünstiges – Problem: ihr Image.

Die Betreuungsarbeit ist seit jeher weiblich konnotiert, «Frauensache» und ist somit – Überraschung! – weniger wert. Zumindest in unserem kulturellen System.

Berechnungen werden zwar immer wieder gemacht – der Blogger Steven Nelms zum Beispiel hat den Wert der Betreuungsarbeit seiner Frau ausgerechnet, oder letztes Jahr wurde Hausfrauen in einer Hochrechnung ein Lohn von ca. 7’600 Euro zugesprochen. Fiktiv, natürlich. Zum Muttertag gab’s dann doch bloss einen Blumenstrauss.

Was, wenn wir für unsere Rechnung dieses Wertesystem ignorieren und die Betreuungsarbeit einfach mal gleichsetzen mit ihrer grossen Schwester Erwerbsarbeit? Wir erhalten einen Blick in eine Zukunft, in der wir Gleichberechtigung tatsächlich erreichen können.

Die Erwerbsarbeit: Erfolg wird finanziell definiert

Die ursprüngliche Definition von Arbeit und jene, die gerade bei uns in der Schweiz einen überdurchschnittlichen Stellenwert geniesst. Die Schweizer arbeiten im Schnitt 42 Stunden und 36 Minuten pro Woche (Bundesamt für Statistik, Mai 2018), in Europa werden sie dabei nur noch den Isländern überholt, die noch 20 Minuten drauflegen.

Erhält man für seine Leistung kein Geld, ist sie oft gefühlt nichts wert.

Erfolg definieren wir nach wie vor finanziell. Kein Wunder also, hört man von neuen Müttern nach durchwachten Nächten oft: «Aber er muss halt morgens zur Arbeit». … Sie nicht? Eine Elternzeit könnte hier langfristig in der Wahrnehmung sehr viel bewirken.

Wieviel arbeite ich? Rechne es aus mit unserer Vorlage!

Aber zurück zur Einstiegsfrage: Was mache ich eigentlich alles? Und was will ich machen? Ehrlicherweise wusste ich das selbst nicht so genau. Und habe mich deshalb einmal hingesetzt, und es en detail aufgeschrieben.

Berechnung der wöchentlichen Arbeitszeit einer Mutter, zusammengesetzt aus Care Work, Erwerbsarbeit und Mental Load.

Sich selber also einmal bewusst zu machen, wieviel man eigentlich leistet, tut gut und fördert auch das gegenseitige Verständnis und die Wertschätzung. Die Rechnung ist dabei eine ganz einfache:

Mental Load + Care-Arbeit + Erwerbsarbeit = geleistete Arbeitsstunden.

Für euch haben wir das Ganze «in schön» aufbereitet, die Vorlage gibt es in unserem Concept Store:

#daschamebruuche aus unserem Concept Store

Um die einzelnen Komponenten der Liste etwas fassbarer zu machen, haben wir die Überbegriffe noch etwas ausgeführt. Selbstverständlich können beliebig viele eigene Punkte hinzugefügt werden.

Am besten füllen beide Partner:innen die Aufstellung für sich selber aus. Anhand der Ergebnisse lassen sich Verbesserungsmöglichkeiten diskutieren, miteinander, aber auch für sich selber – denn oft realisiert man erst, wenn man es schwarz auf weiss sieht, wie wenig Zeit im Hamsterrad eigentlich bleibt für die eigenen Bedürfnisse.

Auf der zweiten Seite finden sich deshalb die Zeiten, die Eltern auch für sich einplanen sollten. Diese Zeiten sind der Nährboden, damit der ganze Arbeitsteil funktioniert, die Organisation nicht im Streit zerbricht, die Liebe sich nicht irgendwo zwischen Kita und Mitarbeitergespräch verabschiedet. Gemeinsame Self-Care, aber auch individuelle.

Ich habe dank der Liste herausgefunden, dass ich schätzungsweise 81 Stunden pro Woche arbeite (Wochenenden nicht mitgezählt). Und ich bin sehr gespannt, wie eure Rechnungen aussehen und was eure Schlussfolgerungen daraus sind! Teilt sie gerne in den Kommentaren.

Autorin

Andrea Jansen hat 2016 Any Working Mom gegründet und lange als CEO geführt. Bei mal ehrlich ist sie für Strategie und Business Development verantwortlich. Sie reist gerne durch das Leben und um die Welt, versucht, weniger zu micromanagen und mehr zu schlafen. Sie ist Unternehmerin, Stiftungsrätin, Journalistin und Mutter von drei Kindern. Seit mindestens drei Jahren will sie ihre Website updaten und kommt nicht dazu – bis dahin findet man sie auf Insta als jansenontour.

Informationen zum Beitrag

Dieser Beitrag erschien erstmals am 1. Oktober 2018 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.


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37 Antworten

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  1. Avatar von Anna
    Anna

    Merci für den wichtigen Beitrag! Er ist zwar bereits etwas älter, ich bin aber erst heute drüber gestolpert.
    Die ewige Diskussion um mental load. Bei uns zu Hause teilen wir uns Care Arbeit und Erwerbsarbeit auf, so gut es geht 50:50. Was ich super finde und sehr dankbar bin dafür. Und was haben wir bereits Stunden damit verbracht, den Mental load irgendwie aufzuteilen. Das Problem dabei ist, dass wir in vielen Dingen anderer Ansicht sind. Ihn stört es nicht, wenn die Bettwäsche alle 3 Monate gewaschen wird, das Kind in kaputten und dreckigen Kleidern rumläuft, die Wohnung einmal im Monat mal gesaugt wird. Also werden diese Dinge ‘für mich’ erledigt. Ich bin selber Schuld, wenn ich meine Kinder- und Arbeitspause zum aufräumen benutze statt wirklich Pause zu machen. Und da ist der grosse Unterschied zwischen uns. Ich kann mich nicht entspannen, und ich fühle mich auch nicht wohl, wenn es unaufgeräumt, schmutzig und stinkig ist. Ihn stört das nicht, und er kann im Chaos wunderbar entspannen.
    Wenn es mir dann manchmal alles zu viel fragt er mich ‘Wie kann ich dir helfen, was soll ich tun, was brauchst du?’
    Ganz einfach: Ich möchte gerne ab und zu diejenige sein, die diese Fragen an ihn stellt.

  2. Avatar von Christian
    Christian

    Hallo,
    ich finde das ganze Thema leider auch zu einseitig betrachtet. In unserer Familie ist es beispielsweise so, dass ich Alleinverdiener bin, morgens um 6 Uhr (wenn alle noch schlafen) aufstehe, um 18:30 Uhr nach Hause komme und nach dem Essen unsere älteste Tochter ins Bett bringe. Nachts teilen wir die Schichten. Bei der Arbeit herrscht eine, wie heute leider üblich, eine enorm hohe mentale Belastung und ein dauerhaft hohes Stresslevel, was einem auch nach Feierabend beschäftigt. Ansonsten kümmere ich mich um alle finanziellen Dinge in der Familie, angefangen von der Hausrate, Heizöl, Reparaturen, Kindergarten etc. Auch alle Arbeiten rund um das Haus und Garten werden von mir übernommen. Das war nur ein kurzer Auszug aus den Tätigkeiten. Da finde ich es nur mehr als gerecht, dass meine Frau andere organisatorischen Tätigkeiten rund um Familie und Haushalt übernimmt. Das beides für uns eine enorm hohe Belastung darstellt, steht außer Frage. Aber darüber sollte man sich vorher im Klaren sein, bevor man eine Familie gründet. Daher ist es meines Erachtens zu kurz gedacht, einfach Aufgaben auf den Mann zu übertragen. Vielleicht ist seine mentale Belastung sogar um ein Vielfaches höher, aber er spricht einfach nicht drüber. Daher müssen immer zwingend beide Seiten betrachtet werden. Am Ende hilft es nur ein offenes Gespräch und sich auf den Gegenüber einzulassen. In diesem Sinne…viel Erfolg!

  3. Avatar von Margrit
    Margrit

    Es geht um die Wahrnehmung und Anerkennung. Heute habe ich den Begriff “mental load” das erste Mal gehört und es war eine enorme Erleichterung, die Sache benennen zu können. Das, was mich täglich fertig macht und gar nicht wahrgenommen wird. Ich habe drei Kinder, beide Familien sehr weit weg, also auch im Notfall keine Hilfe, demnach hängt alles von mir ab, keine Chance an Pay Job zu denken. Das bedeutet eine grosse Belastung. Ich spreche den Männern ähnliche Belastung nicht ab, ganz im Gegenteil, die meisten tragen auch einen grossen “mental load” mit sich. Nur – dies wird gesehen und anerkannt. “Papi hat viel Stress bei der Arbeit.” Mami? “Mami arbeitet nicht.” Sie tut nichts, oder? “Was hast du heute den ganzen Tag gemacht?” – “Einen Knopf angenäht, fünfmal das Zimmer vom herumliegenden Zeug befreit, Wäsche gehängt, das Geld für die Schule vorbereitet, abgewaschen, ein Buch dem Kind vorgelesen…” “Also nichts richtig Wichtiges…” Nicht bezahlt, also nicht wichtig. Und doch – ohne all dieser mentalen und “Kleinigkeits-Arbeit” würde nichts funktionieren. Mein Mann hat, nach einer gewissen Zeit, es akzeptiert, dass ich deutlich mehr zu tun habe, als er sieht. Aber meinem Sohn ist es unbegreiflich, dass Mama etwas leistet, denn “Mami arbeitet nicht”. “Das Bisschen Haushalt macht sich von allein…” Das macht mich fertig. Es wäre für mich wichtig, dass es in der Gesellschaft diese unsichtbare und unbezahlte Belastung der Mütter endlich wahrgenommen und Respekt für ihre Leistung erbracht würde. Nichts mehr und nichts weniger. Männer: Oft geht es nicht um Lösungen, sondern nur um die Wahrnehmung und Anerkennung. Ihr strebt auch danach.

    1. Avatar von Martina
      Martina

      Liebe Margrit,
      Ich halte es zB für mich seit längerem schon mit dem Begriff “ich bin (derzeit) nicht erwerbstätig”, anstatt zu sagen, “ich arbeite nicht”. Denn arbeiten tue ich einiges, und das wirst du bei dir wahrscheinlich genau so sehen (ich hab 3 Kinder zw 8 und 16Monaten und bin dezeit nicht erwerbstätig;-) )
      Also an der Stelle könntest du deinem Sohn zB sehr klar machen, was du alles tust. Oder, dort wo es keine großen Konsequenzen hat, es vlt mal sein lassen…(je nachdem wie alt dein Sohn ist),oh, keine Brotzeit gepackt? Oh, keine Strümpfe mehr im Schrank? Oh, keine Zahnpasta mehr? Plus, vor darf er auch einfach mal mehr selbst machen. (ZB: eigener Wäschekorb im Zimmer, gewaschen wird das nur wenn es auch von ihm aus bei mir zum Waschen landet)
      Da darfst du deinem Sohn Vorbild sein und/oder werden [was ich, nebenbei gesagt, ganz genau so zu mir selbst sage, denn ich sehe meine Arbeit längst nicht immer!!!]
      Nur wenn ich meinem Sohn beibringe, wie viel Arbeit in einem Haushalt steckt, wird er das auch nachempfinden und wertschätzen können.
      Und hab ichs richtig verstanden, dein Sohn sagt zu all den Aufgaben (Knopf, vorlesen…) “nichts richtig wichtiges”? Da kannst du ja den Spieß mal umdrehen und sagen, ahso, wenn das lesen nicht wichtig ist für dich, dann lassen wir es 😉 weißt du wie ich meine ?
      Ich hoffe sehr für dich, dass du den wahren Wert deiner Arbeit, und deiner selbst, für dich wahrnehmen und sehen kannst. Von Herzen geschrieben!!

    2. Avatar von Mina
      Mina

      Um es mal ehrlich zu sagen.. Das, was du da beschreibst mit deinem Sohn ist fürcherlich. Und was noch schlimmer ist, da wird der nächste Macho heranerzogen, unter dem die nächste Frau wie du wird leiden müssen.. Schau nicht weiter zu und wunder dich. Hör mit deiner Umsorge dieser Art des Sohnes auf. Er kann alleine diese unwichtigen Aufgaben erledigen. Was keinen Wert für ihn hat, muss er auch nicht beanspruchen.. Du bist keine Bedienstete und du musst dich zu dieser Rolle erst recht nicht von einem Teil der eigenen Familie degradieren lassen. Teile ihm bei Nachfrage mit, dass du seine Bedenken mit Blick auf deine fehlende Nützlichkeit zur Kenntnis genommen hast und stattdessen wichtigeren Aufgaben nachgehen wirst zukünftig.. Sei deinem Sohn ein Vorbild, es ist noch nicht zu spät.. Was du ihm aktuell vorlebst, werden er und seine Söhne weiterleben.. Kleine Kinder und Jugendliche brauchen keine Zukunftsmärchen von Gleichberechtigung oder verzweifelte Mental Load Aufrufe oder doch eher traurige Bitten (?), was sie brauchen ist das Vorleben solcher Prinzipien in der Praxis.. Und übrigens, wenn schon das eigene Kind nur einen Wert in bezahlter Arbeit sieht, darf die Mama nun offensichtlich dieser mit dem besten Gewissen aller Zeiten ab jetzt nachgehen, während der Sohn ganz alleine seine Schulprojekte, Fahrten zum Verein, etc. schultern darf.. Es mag zwar etwas Sarkasmus in diesem Beitrag enthalten sein, allerdings ist der Hinweis zur Umsetzung genauso zu verstehen. Wir Frauen müssen langsam aufhören uns selbst zu bemitleiden, weil wir Dinge tun, die nie in der Gesellschaft die gerechtfertigte Wertschätzung erhalten werden, sondern einfach damit anfangen, uns einen angeseheneren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen, den die Männer schon lange innehaben, indem wir einfach nur aufhören Haushaltsaufgaben in einem verrückten Ausmaß nachzugehen, über die Männer letztlich meist nur müde lächeln. Und siehe da, ganz automatisch werden die Männer Schritt für Schritt lernen, warum auch sie manchmal mitmachen müssen, nämlich weil das ‘gefügige Weibchen’ kurz vor dem Burnout ihnen nicht mehr alles abnimmt. Es ist ein harter Weg mit vielen Rückschlägen, aber wenn wir ihn nicht mal in Angriff nehmen, haben wir schon verloren.

  4. Avatar von Fabi
    Fabi

    Ich frage mich auch häufig wieso die Mental Laod immer an mir hängen bleibt. Man könnte fast meinen, dass Mann vor der Beziehung und der gemeinsamen Wohnung nicht über mehrere Jahre hinweg alleine gelebt hat. Anscheinend hat die Denkarbeit damals in der eigenen Wohnung noch gut funktioniert, bei den Besuchen übers Wochenende habe ich zumal immer frische Bettwäsche vorgefunden, WC-Papier war stets vorhanden und der Karton wurde immer auf dem Weg in die Garage entsorgt. Würde ich heute nicht an all diese Dinge denken und sie erledigen bzw. delegieren, würden wir sehr wahrscheinlich mehrere Wochen im miefenden Bett verbringen und der Karton würde sich meterhoch stapeln.
    Mir wurde dieses ständig an alles denken zu mühsam und ich habe begonnen, Mann auflaufen zu lassen bezüglich Dingen, die für mich und Kind nicht so wichtig sind. So quasi Erziehung für Mann. Mir ist zwar bspw. bewusst, dass seine Sockenschublade leer ist und gewaschen werden müsste, aber ich verzichte ganz bewusst darauf dies zu erwähnen, geschweige denn zu erledigen. Dann muss er halt einen Tag barfuss oder mit dreckigen Socken rumlaufen. Sein geliebter Joghurt wird auch nur gekauft, wenns auf der Liste landet oder geäussert wird. Ansonsten muss er sich mit dem zufrieden geben, was vorhanden ist. Und wenn Sohnemann morgens durch Mann in die Kita gebracht wird, ist die Tasche halt mal einfach nicht gepackt. I don’t care 🙂
    Auf alle Fälle hat sich das Hirn seit diesen Massnahmen wieder etwas aktiviert und Mann denkt mehr mit.

  5. Avatar von Adam
    Adam

    Ziemlich einseitige Darstellung.

  6. Avatar von Miguel (2 Teenagers, single dad)
    Miguel (2 Teenagers, single dad)

    Das BAfS hat kürzlich die neue Studie zum Thema herausgegeben. Brisant: Alleinlebende Väter arbeiten insgesamt mehr, als alleinlebende Mütter. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/unbezahlte-arbeit.html Und ja, SprücheklopferInnen existieren, die behaupten mann würde halt zu viel Zeit für dieselbe Aufgabe aufwenden, als frau = Effizienz. Nun, solche Kommentare gibt es, alle aber haben eines gemeinsam: Respektlosigkeit. Mental load kann man nicht messen und soll man auch nicht, da jede/r eigene Strategien entwickeln muss, die mentale Last zu verringern (Resilienz). In der Not auch mit der Hilfe einer Fachperson. Zu behaupten, Mütter würden sich mehr Gedanken machen, führt nur dazu, dass die Väterarbeit keine Wertschätzung erfährt bzw. Väter keine Sorgen hätten (siehe stressbedingte Sterberate Mann vs. Frau, haben Männer Gefühle?). Und das ist ja nicht im Sinne der Mütter. “Hilf mir” darf nicht heissen “du machst weniger als ich”, sondern “ich bin überfordert, weiss nicht weiter, egal, was/wieviel ich wann für wen geleistet habe”. Schwäche zu zeigen, braucht Mut, und darum erstaunt es mich umso mehr, dass gerade Frauen, die von sich behaupten, Empathie erfunden zu haben, es nicht schaffen, aus der “ich”-Perspektive mit ihrem Partner darüber zu sprechen und nach Lösungen, die für das ganze familiäre System funktionieren müssen, zu suchen. Den Partner sowohl emotional als auch intellektuell abzuholen. Hauptsache ist: er soll liefern. Eine mir bekannte Psychiaterin und Paartherapeutin hatte es auf den Punkt gebracht: es ist unfair, den Partner als Therapeuten zu missbrauchen. Für alles andere gibt es auch Ämtlilisten mit klaren AKV Regeln. Dann sieht man, ob Mann wirklich nichts leistet, oder Frau, wie von vielen Männer despektierlich behauptet, halt zu viel Zeit “beim Käfelen” verbringt. In einer Partnerschaft gibt es weder CEOs noch AssistentInnen! Weder zuhause noch ausser Haus!

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Lieber Miguel, vielen Dank für Deine spannende Antwort und wir schätzen es immer sehr, wenn sich Väter aktiv in die Diskussion einschalten. Ich bin mir einzig nicht sicher, ob ich Deinen Kommentar richtig verstanden habe.

      “Hilf mir” darf nicht heissen “du machst weniger als ich”, sondern “ich bin überfordert, weiss nicht weiter, egal, was/wieviel ich wann für wen geleistet habe”.

      schreibst Du. Und da bin ich beispielsweise ganz bei Dir. Dieser Artikel ist KEINE Kritik am Vater. KEINE Kritik am Mann. Die Rechnung sollten am besten beide Elternteile machen (haben wir so gemacht bei uns zu Hause), und es geht danach auch nicht darum, mit dem Finger aufeinander zu zeigen, sondern gemeinsam Lösungen zu finden, wo man sich gegenseitig entlasten kann, oder wo man sich zusammen als Paar Zeit schaffen will!

      Ein Geschlechterkrieg bringt uns in dieser ganzen Diskussion nicht weiter, im Gegenteil. Es tut mir leid, dass anscheinend einige Männer diesen Text so aufgefasst haben – er war so nicht gemeint und ich finde auch selber diese Inhalte nicht darin. “Nichts” leisten tun sowieso die wenigsten, eher ist es bei allen zuviel.

      Danke für Deinen Kommentar!

  7. Avatar von Aline
    Aline

    Liebe Andrea,
    du findest Worte für einen Zustand, den wahrscheinlich viele Mütter (ob arbeitend oder nicht) kennen, ich auch. Den Zustand beschreiben ist aber nicht ganz so einfach. Ich habe schon oft mit meinem Mann darüber diskutiert, dabei hat’s auch immer wieder so geklungen, wie bei dir und AWD (Gummistiefel…. musst halt delegieren… etc.) und wir fragen uns noch heute, wieso diese mentale Arbeit oft von den Frauen gemacht wird. Leider ist es wahrscheinlich trotz Emanzipation (wie weit wir da bei Müttern sind, sei mal dahingestellt) so, dass wir schon als Kinder zuschauen, wie es die Frauen resp. Männer um uns herum machen und dann halt imitieren. So kann man auch das sich-für-alles-und-jeden-verantwortlich-Fühlen lernen. Obwohl ich das nicht will, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich es trotzdem tue. Die bislang beste Lösung (ganz effizient gedacht, Andreas) ist der Austausch mit meinem Mann, der sich zwar jeweils kurz so fühlt wie Andreas (nämlich angegriffen), danach aber bereit ist, darüber zu reden. Dabei merken wir, dass wir im gleichen Boot sitzen, halt einfach vielleicht unterschiedliche Ruder halten (oder unterschiedlich schnell paddeln). Löst das Problem im Alltag nicht immer, ist aber spannend und gibt ein gutes Gefühl.

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Liebe Aline, ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ja, Du hast doch recht – genau darum geht es: Um den Austausch, um das gegenseitige wahr – und ernst nehmen. Ich glaube nicht, dass sich die Mental Load so einfach quantifizieren lässt (auch die Liste ist eine Annäherung an ein Gefühl), und wie Schmerzempfinden ist auch der Druck unterschiedlich gross. Auf jeden Fall herzlichen Dank für’s Lesen und drüber nachdenken!

    2. Avatar von Andreas
      Andreas

      Liebe Aline,
      Wenn meine Frau mir sagt, dass sie sich erschöpft fühlt, und ihr alles zu viel wird. Dann höre ich ihr zu und versuche sie zu entlasten. Und fühle mich nicht angegriffen.
      Wenn sie mir sagt, sie sei erschöpft, und ihr werde alles zu viel, und überhaupt müsse man die Aufgabenverteilung in der Partnerschaft mal genauer anschauen, weil da Faktoren wie “Mental Load” nicht berücksichtigt werden, dann fühle ich mich immer noch nicht angegriffen. Ok, können wir gerne tun.
      Wenn dann Aufgaben angeführt werden, die aus meiner/männlicher? Sicht auch gestrichen werden könnten, dann diskutiere ich vielleicht etwas. Aber ok, akzeptiert.
      Wenn dann aber alle (vorsichtig!) eingebrachten (Teil-)Lösungsvorschläge abgelehnt werden, bleibe ich letztlich vollends hilflos zurück. Und ärgere mich dann vielleicht eine Woche später wirklich, wenn die Frau wieder erklärt, dass ihr alles zu viel ist, während ich…
      Und ja, Geschlechterkrieg. Natürlich ärgert es auch manchmal, wenn auf allen Kanälen zu lesen ist, was Frauen alles leisten (unbelohnt und nicht anerkannt), während die Männer doch nur ihren Job tun (und sich zu Hause vor der Verantwortung drücken) und die Familien finanziell versorgen. Was, nebenbei gesagt, auch zu manchem “Mental Load” führen kann.

      1. Avatar von Andrea Jansen
        Andrea Jansen

        Lieber Andreas, auf Gefahr hin, den Geschlechterkrieg noch etwas anzuheizen: vielleicht liegt genau in dieser Erwartungshaltung ein Teil des Problems. Du lieferst Lösungen und erwartest Veränderungen. Nur leider können die Lösungen wahrscheinlich nicht alle von dir kommen, sondern deine Frau überfordert sich – wie viele von uns, wie ich auch – selber. Der gesellschaftliche Druck, einem Ideal zu genügen, überfordert uns. Was du also tun kannst, ist zuhören. Ernst nehmen. Ich glaube, viel mehr erwarten wir gar nicht unbedingt. Denn ja, auch uns Frauen ist bewusst, dass auch unsere Männer den Druck der Vereinbarkeit und somit auch die Mental Load immer stärker spüren. Es ist ja leider kein Kuchen, den man einfach aufteilen kann – sondern jeder trägt die eigene Last der eigenen Erwartungen auch noch zusätzlich mit. Ich hoffe, das macht ein wenig Sinn für Dich – in jedem Fall Danke für die offene Diskussion! Ich wünschte, mehr Männer würden sich aktiv einbringen. Es ist sehr bereichernd und horizonterweiternd.

      2. Avatar von Maria
        Maria

        Ihr Lieben, kennt ihr «Laugh your way to a better marriage»?
        Dieser Amerikanische Pfarrer lässt uns alle Tränen lachen. Nach ca. 2h wird es dann zu katholisch, aber vorher ist seine Show grandios.
        http://www.youtube.com/watch?v=ntk1Tl7dscI

  8. Avatar von Christina
    Christina

    Liebe Andrea, ich schätze deinen Blog sehr. Die Belastung der Frauen durch einen „Mental Load“, wie du ihn beschreibst, irritiert mich aber. Vielleicht, weil ich ihn so nicht kenne. Mein Mann kauft die Gummistiefel, die abtretende Kita-Leiterin erhält ein Danke von Herzen etc. (Ich kaufe nicht gerne ein und kümmere mich nicht gerne um originelle Geschenke). Meinst du nicht, die mentale Belastung, die du beschreibst, entstammt schlicht einem 50er-Jahre-Denken, das Frauen anscheinend noch zu sehr verinnerlicht haben? Herzliche Grüsse! (Ich habe übrigens zwei Kleinkinder und arbeite 60%, mein Mann arbeitet 90%.)

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Liebe Christina – erstmal: Good for you! Du scheinst ein Problem nicht zu haben, das ganz viele andere Frauen (und sicher auch Männer) kennen. Woher die Belastung stammt, weiss ich leider nicht (der Begriff Mental Load und die Idee dahinter stammt nicht von mir, sondern ist ein etablierter Begriff in der ganzen Gleichberechtigungsdiskussion) – Du hast sicher einen guten Punkt damit. Ich bin ebenfalls überzeugt, dass wir an alten und übersteigerten Rollenbildern festhalten (mehr dazu hier: https://mal-ehrlich.ch/die-perfekte-mutter-sie-muss-weg/) und diese loswerden müssen. Trotzdem wird es immer viel zu organisieren geben – noch einmal, super, dass ihr Euch das so stressfrei aufteilen könnt. Ist sicher die Ausnahme.

      1. Avatar von Christina
        Christina

        Liebe Andrea, hoffentlich habe ich nicht überheblich geklungen. Bei uns läuft natürlich längst nicht alles stressfrei, besonders wenn z.B. die Kinder krank sind und nicht in die Kita können. Aber das mit dem Mental Load aufteilen, scheint bei uns zu funktionieren. Mir war nicht klar, dass dies eine Ausnahme ist, ich werde über dieses Thema nachdenken. Mit liebem Gruss, Christina

        1. Avatar von Andrea Jansen
          Andrea Jansen

          Liebe Christina, überhaupt nicht. Ich denke einfach, wir alle dürfen nicht automatisch von uns selber auf Andere schliessen. That’s all 😉

    2. Avatar von Nicole
      Nicole

      Liebe Christina, ich bin froh, dass es noch andere Ausnahmen gibt…. 😃

  9. Avatar von Nadine
    Nadine

    Danke liebe Andrea, für diesen tollen, so ehrlichen und offenen Bericht, der mir komplett aus der Seele spricht!!!
    Da hast Du den Nagel voll auf den Kopf getroffen!
    1000 Dank!
    Generell, super inspirierender Blog, mit diesen genial geschriebenen Stories die “tätschehrlich” sind 😁👍

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Liebe Nadine, herzlichen Dank für Dein Feedback – das gibt uns wieder Wind unter den Flügeln. Merci!

  10. Avatar von Andreas
    Andreas

    Seit immer häufiger dokumentiert wird, dass in der Regel Väter und Mütter total etwa gleich viel leisten, wird immer häufiger mit dem Konzept “Mental Load” argumentiert um zu demonstrieren, dass es dann doch wieder die Mütter sind, die mehr belastet sind.
    Als ob die Väter, die in der Regel deutlich mehr Erwerbsarbeit leisten, in dieser nicht auch “Mental Load” bewältigen. Und die Beschäftigung mit der Arbeit meist nicht bei Arbeitsschluss aufhört.
    Andererseits ist es richtig, auch die Management-Aufgaben in der Familie fair aufzuteilen. Allerdings könnte es dann sein, dass wirklich nur Jobs abgehakt werden, und die Bestellung neuer Stiefel wirklich nur 5min benötigt. Mir scheint, mit einer klaren Pendenzenliste ist zudem ein grosser Teil Mental Load bereits aus dem Kopf verbannt (und ja, Delegieren auch möglich).
    Den Ausschnitt aus dem Comic finde ich übrigens nicht wirklich toll. Gut, wenn die Arbeit gesehen und angepackt wird. Aber es scheint, dass hier (Zeit-) Management und Priorisierung nicht wirklich funktionieren. Man kann auch mal eine Arbeit liegenlassen, wenn gerade keine Zeit dafür ist.
    Letztlich weiss ich aber immer noch nicht, wie man denn nun Haus- und Betreuungsarbeit und vor allem Mental Load eigentlich in Stunden ausdrückt. Wenn ich vor dem Fernseher Wäsche falte, ist das Arbeit? Wenn ich den ganzen Tag Kinder betreue, die im Zimmer selbstständig spielen?
    Und: Wenn man dann mit dem Partner über Aufgaben spricht, wird dann auch diskutiert, welche wirklich nötig sind? Ist es nicht gerade auch der Vorteil der Haus- und Betreuungsarbeit, dass man zu grossen Teilen selbstbestimmt arbeitet, und Zeit in Projekte investiert, die zur guten Atmosphäre beitragen, die ein anderer aber vielleicht nicht tun würde? Will man wirklich, dass man mit dem Partner ein verbindliches Jobprofil klärt, inklusive Arbeitsbesprechung?

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Lieber Andreas, vielen Dank für Dein Feedback. Interessanterweise können viele Männer den Text nicht nachvollziehen, und argumentieren wie Du mit Logik und Effizienz. Es soll dabei auch nicht um ein “Jöbli” aufteilen gehen, oder um ein pedantisches Eintragen von erledigten Tasks, sondern um die gegenseitige (und auch die eigene!!) Wertschätzung. Niemand hat behauptet, dass Männer keine Mental Load haben oder diese bewältigen. Aber in einem grossen Teil der Bevölkerung ist die Frau “Chef Familie”, wo diese emotionale Arbeit einen grossen Teil ausmacht. Wie Du vielleicht auch in den Kommentaren lesen kannst, ist diese unsichtbare Last ein Thema bei sehr vielen Frauen – und ja, vielleicht auch bei Männern! Sinn dieses Textes ist es, sie sichtbar zu machen. Und nicht, wie vielleicht falsch vermutet, einmal mehr einen Geschlechterkampf herbei zu führen.

      1. Avatar von Andreas
        Andreas

        Liebe Andrea. Das ständige Betonen und Aufzeigen, was vorwiegend Frauen leisten (und Männer entsprechend nicht), tönt nun mal nach Geschlechterkampf. Selbst wenn man den Partner nur liebevoll wieder mal an seine Pflichten erinnern will.
        Alles weitere ist schön ablesbar in der Diskussion oben mit Regula. Dabei geht es nicht darum, dass die Meinung des Mannes irgendwie wichtiger wäre (aber auch das Umgekehrte nicht!). Aber wenn man gemeinsam Aufgaben verteilen will, muss man sich ja auch einig werden, was denn diese Aufgaben sind.
        Interessant ist ja, dass zumindest gespürt der Aufwand für Hausarbeit und Betreuung immer grösser wird. Also je mehr eigentlich Väter zu Hause mitarbeiten, desto grösser wird laufend die Arbeit, die offenbar zwingend zu tun ist.
        Wenn also jemand überlastet und abends erschöpft ist, dann kann bis zu einem gewissen Grad der Partner helfen. Genauso hilfreich wäre es aber auch, die eigenen Ansprüche etwas zu reduzieren und Prioritäten zu setzen. Und da bin ich vermutlich wieder ganz Mann: Ich will doch nicht ständig über Probleme diskutieren, sondern Lösungen finden und umsetzen.
        In diesem Zusammenhang fand ich die Erklärungen von Margrit Stamm wieder einmal sehr interessant: https://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/maenner-sollten-aufhoerenihre-frauen-zu-imitieren/story/17945195

        1. Avatar von Andrea Jansen
          Andrea Jansen

          Lieber Andreas – beim Thema Ansprüche reduzieren bin ich voll bei Dir (siehe auch https://mal-ehrlich.ch/die-perfekte-mutter-sie-muss-weg/). Wenn Du sagst, “Ich will doch nicht ständig über Probleme diskutieren, sondern Lösungen finden”, steckst Du aber bereits mitten im Thema. Für uns Frauen ist es wichtig, über die Probleme zu diskutieren. Es ist für viele von uns ein Bedürfnis, das Problem zu erkennen, es zu spüren (und zu sehen, ob es denn überhaupt eins ist), verschiedene Optionen zu finden, und dann die beste zu wählen. Wir kaufen nicht gerne in 5 Minuten Gummistiefel, die dann nach zwei Tagen in alle Einzelteile zerfallen. Davon auszugehen, dass also eine schnelle Problemlösung der einzige richtige Weg ist (für dich: JA!, heisst aber nicht, dass alle es so sehen müssen!), ist nicht unbedingt zielführend, sondern für das Gegenüber vielleicht sogar recht frustrierend. Item: Ich kann und will nicht ganz verstehen, warum man sich als Mann angegriffen fühlen muss von diesem Text. Das Gegenteil war eigentlich die Absicht. Wir werden aber eventuell in den nächsten Tagen einen Text von einem Mann dazu veröffentlichen können. Bin gespannt.

          1. Avatar von Andreas
            Andreas

            Liebe Andrea. Es ist hier so viel davon die Rede, was Frauen alles leisten, was nicht anerkannt und vor allem bei der gleichberechtigten Arbeitsaufteilung nicht gezählt wird, dass natürlich der Eindruck entsteht, dass Mütter grundsätzlich mehr arbeiten als Väter, und diese sich entsprechend mehr engagieren sollten. Die Stundenzählerei ist ja auch als Diskussionsbasis gedacht.
            Allerdings wundere ich mich schon, wenn jemand angibt, 16 Stunden täglich zu arbeiten.
            Wir handhaben das ja eher so, dass am Abend oder Wochenende der noch eine Aufgabe mehr abschliesst, der noch mehr Energie hat. Es ist ja nicht alles eine Frage der objektivierbaren Arbeitsstunden. Aber: Natürlich gehört zur Diskussion auch, ob nun wirklich jede Tätigkeit zwingend erforderlich ist.
            Auf die “männliche Perspektive” bin ich dann sehr gespannt.

  11. Avatar von Svenja
    Svenja

    Ich habe das einmal vor knapp einem Jahr gezählt und kam drauf, dass ich 10h an einem normalen Tag mit Arbeit verbringe und 6 Stunden mit Familie, Haushalt und Kindern. 1/2 Stunde habe ich noch Yoga gemacht. Danach habe ich mich nie wieder gefragt, warum ich oft finde, dass mir alles zuviel ist. Und mental load war da gar nicht dabei. Danke für Deinen tollen Artikel.

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Danke Dir für’s Feedback! Und Du bist ja eh eine Ausnahmesituation 😉

  12. Avatar von Regula
    Regula

    Liebe Andrea
    Tatsächlich, dies ist ein enorm wichtiges Thema, welches eben genau am Anfang der Familien-Phase milchbüechlimässig diskutiert werden sollte – Dein Text “wir machen das dann 50/50” spricht ja ebenfalls Bände! Hätte ich das alles vor 13 Jahren gewusst und beherzigt, wäre ich heute vielleicht nicht so desillusioniert und hätte keine ernsthafte Ehe-Krise durchgemacht, wer weiss? Ich konnte mir in der Kleinkind-Phase meine ständige Müdigkeit, mein latent vorhandenes Unbehagen, meine Überforderung und meine Frustration nicht wirklich erklären und schon gar nicht konnte ich meinen Zustand meinem Mann erklären! Mit Deiner Workload-Vorlage hätte ich eine Erklärungsgrundlage schaffen können.
    Ich sage Grundlage, denn ein Knackpunkt dieser Diskussion ist aus meiner Sicht die unterschiedliche Wertung und Priorisierung. Ich möchte die Mahlzeiten mehrheitlich mit Frischprodukten zubereiten, mein Mann findet, das gehe doch auch mit einem Fertigprodukt. Er würde diesen Zeitaufwand, den ich da betreibe, somit als “self care” oder “me-time” werten (“du kochst ja gern!”). Weiter ist es mir wichtig, mich am Abend 10 Minuten zu jedem Kind ans Bett zu setzen und wenn sie mögen den Tag Revue passieren zu lassen oder einfach echli über den Rücken zu streicheln. Mein Mann findet das unnötig und würde wohl auch diese Zeit (10 Minuten pro Tag à zwei Kindern ergibt notabene über zwei Stunden pro Woche…) als “self care” oder “me-time” kategorisieren. Ich telefoniere mehrmals in der Woche mit meiner Mutter – manchmal einfach aus Pflichtgefühl, weil sie mein Joker ist, wenn ich dringend eine Kinderbetreuung brauche (ich sage nur: Schulferien…!). Mein Mann findet das übertrieben und würde das kaum als “care work” akzeptieren. Dasselbe gilt für Deko Geburtstag oder Gschänkli für Kita-Betreuerin – ist doch unnötig, braucht es nicht, wozu der Aufwand?
    Ich denke, Du hast dieses Thema ja mit der “Gummistiefel”-Metapher ebenfalls angedeutet. Somit kann ich Dir nur von Herzen beipflichten und eindringlich raten: macht möglichst früh in der Elternphase diese Rechnung und verifiziert sie immer wieder. Nehmt Gefühle von diffuser Unzufriedenheit sehr ernst und spielt nicht auf Zeit (“ach, das gaht scho wieder verbi”). Sprecht die unterschiedlichen Werthaltungen und Prioritäten an und gebt nicht auf, bevor ihr nicht für beide wirklich stimmige Kompromisse gefunden und definiert habt…
    Immerhin: die Belastung nimmt mit der Zeit ab. Denn die Kinder werden grösser, gehen zur Schule und werden selbständiger. Da kommen andere Themen auf’s Tapet, sicher – aber die Freiräume nehmen definitiv zu und die Zeit kann wieder etwas selbstbestimmter eingeteilt werden. Und zum Reden, Verhandeln, Kompromisse finden ist es nie zu spät. So hat unsere Ehe die Krise mit ein paar Schrammen überstanden… In diesem Sinne: danke Andrea, für Deinen unermüdlichen Einsatz in der Sache “Vereinbarkeit vom Elternsein und dem Ich” – denn es geht um so viel mehr als um die Vereinbarkeit von Muttersein und Erwerbstätigkeit…

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Liebe Regula, herzlichen Dank für Dein Feedback, Deine Ehrlichkeit und Offenheit. Wozu der Aufwand? Ja, das höre ich – und sicher auch viele andere – oft. Ich persönlich finde, hier geht es auch um Respekt. Respekt vor den Werten und Prioritäten der anderen Person. Nur, weil es Dir wichtig ist (Büechli vorlesen) und Deinem Mann nicht, wird seine Meinung ja nicht plötzlich zur einzig richtigen? Ich glaube, hier steckt eben auch der Kern des Problems: Wir leben in einer Patriarchie, in der Effizienz und Leistung das höchste Gut ist. Emotionale Bedürfnisse werden weggewischt, weil nicht zielfördernd. Ich versuche hier täglich, meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahr- und ernst zu nehmen – und ohne jetzt komplett in die Eso-Ecke abzudriften, wir MÜSSEN versuchen damit aufzuhören, Empfindungen als unwichtig vom Tisch zu wischen. Ob Du schlussendlich für Dich oder für Deine Kinder Büechli anschaust, oder für beide, ist doch ebenfalls irrelevant! “Arbeit” muss doch nicht zwingend unangenehm oder anstrengend sein, aber sie ist nichtsdestotrotz eine Leistung.

  13. Avatar von Michèle
    Michèle

    Ein super Artikel, der viele Dämme bricht und ein Thema auf den Punkt bringt, das viele von uns beschäftigt und so schwer fassbar ist. Ich habe es so noch nicht “benamst”, aber ich habe auch bemerkt, wie mich diese Mental Load neben 70% Büro und 80% Betreuungs-Job belastet. Mein Ausweg: Mental Load delegieren, wenigstens einen kleinen Teil. Jetzt bin ich gespannt, mit was für Schuhwerk unser Junior demnächst im Kindergarten aufkreuzen darf 😉

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Danke, Michèle. Ich habe das Gummistiefelkaufen jetzt auch delegiert. Erste Frage war: Welche Grösse? Ich habe sehr gelacht (und nur gelacht, nix gesagt). Der nächste Regen kommt bestimmt.

  14. Avatar von Simona Isler
    Simona Isler

    Herzlichen Dank für den tollen Artikel. Auf die Gefahr hin, eine Tüpflischeisserin zu sein: Care-work bezeichnet in der Regel personenbezogene Arbeit (oder Sorge-Arbeit) und findet sowohl unbezahlt wie auch bezahlt statt (zbsp. in Kitas, Spitäler, Schulen). Im bezahlten Care-Arbeits-Sektor arbeiten übrigens auch mehrheitlich Frauen zu schlechten Bedingungen. Liebe Grüsse!

    1. Avatar von Andrea Jansen
      Andrea Jansen

      Liebe Simona

      vielen Dank! Von Tüpflischiisserin zu Tüüpflischiisserin: Ja, das weiss ich natürlich. Aber auch die unbezahlte Betreuungsarbeit gehört zu Care Work – und wir reden hier ja von der individuellen Eigenbilanz. Wer jetzt als Krankenpflegerin arbeitet, wird das aber in der Liste trotzdem in der bezahlten Spalte aufführen. Wer zu Hause die kranke Mutter betreut, schreibt es unter unbezahlter Arbeit auf. Care Work ist generell unterschätzt und unterbezahlt – bitte unbedingt dazu das Video im Text schauen, es ist sehr wichtig.

  15. Avatar von Karin
    Karin

    Super geschrieben! Ehrlich gesagt habe ich mich schon oft gefragt warum die mentale Arbeit fast nur an den Frauen hängt. Bis heute habe ich keine Erklärung gefunden… Das Beispiel mit den Gummistiefeln ist übrigens super gewählt – und das darauf folgende Augenrollen kann ich mich bildlich vorstellen 🙂
    Ähnlich wie von dir Beschrieben ergeht es mir übrigens auch wenn ich im Gespräch mit kinderlosen, 100% erwerbstätigen Leuten zu erklären versuche was ich den ganzen Tag so mache und was genau mich denn so stresst an meinem Alltag als nicht erwerbstätige Mutter.
    Danke für den tollen Artikel!

  16. Avatar von Irish
    Irish

    Dein Artikel trifft es gerade so sehr auf den Punkt (vor allem den Teil bei dem dem Partner die innere Todo Liste erklärt wird – und er findet nur ‚pfff‘), dass mir beinahe die Tränen kommen.

    Spannend finde ich ja die Problematik, dass viele Väter ein neues modernes Rollenbild in Bezug auf Be-Erziehung, aber das Rollenbild der Frau sich hartnäckig hält und das Todo bei der Frau bleibt.

    Danke- mal schauen ob ich meinen Manm für die Planungspdfs gewinnen könnte.

  17. Avatar von Tanja
    Tanja

    Liebe Andrea,
    Ich bin euch für diesen Blog, die ehrlich, ungeschminkten Geschichten und Beiträge so unendlich dankbar. Aber gerade dieser hier spricht mir aus der Seele. ENDLICH gibt es einen Namen für meine Gefühle, die oft einsetzende Überforderung, die Müdigkeit… genau, es ist der Mental Load, der neben meiner täglichen Care-Work und der bezahlten 40%-Paid-Work auch noch irgendwo ganz viel Platz in meinem Gehirn einnimmt und mich ständig ans Limit bringt. ENDLICH kann ich meinem Mann erklären was ich überhaupt meine! Es waren zuvor oft klägliche Versuche und nie habe ich die richtigen Worte gefunden, weil ich selber gar nicht wusste um was es eigentlich geht. Hallo Gummistiefel! ….. (oh genau, die muss ich wirklich auch noch kaufen gehen…. pffff). Deine Liste werde ich (und mein Mann) auf jeden Fall ausfüllen und ich bin gespannt auf die Endsumme, aber ich weiss jetzt schon, 50/50 werden es am Schluss nicht sein :-/ Aber das ist vielleicht auch gar nicht so schlimm, denn endlich kann ich das nicht-sichtbare sichtbar machen und in Worte packen, und wir haben endlich eine Grundlage, um darüber zu diskutieren. Vielen Dank!