Das Baby kommt: Welche Fragen sollte man vorher klären?
«Wir schauen dann, wenn das Baby da ist» ist kein Plan. Lies hier, wie immens wichtig eine Baby-Checkliste mit Abmachungen vor der Geburt ist.

Damit sich keiner beschweren kann, vereinbart ihr VOR dem Kind, wer was macht. Capisch?
Natürlich kommt alles anders als geplant, vor allem wenn es um Kinder geht. Dennoch: Wenn ich Frauen (es sind meist Frauen, dochdoch) höre, die sich beschweren, ihre Männer würden nichts tun – im Haushalt, in der Kindererziehung, in der Freizeit mit der Familie – denke ich mir oft: Ja, habt ihr das denn nicht VORHER abgemacht? Wer was macht, gerade wenn die Kinder klein sind?
Öhmmmm, offenbar nicht, wie meine Recherchen (ohne repräsentativen Anspruch) ergeben haben. Mehrheitlich deshalb, weil man als Nicht-Eltern schlicht noch keine Ahnung hat, was da auf einen zukommt. Oft auch aus einer Illusion heraus, der Vater werde ja wohl sehen, was es zu tun gibt und einfach mit anpacken. Und manchmal einfach, weil es fürchterlich unromantisch ist, Regeln aufzustellen. Das gilt auch bei Eheverträgen, dennoch sind sie nützlich.
Was ich werdenden Eltern empfehlen würde?
Ganz einfach: Reden, reden, reden. Am besten sogar, bevor die Frau schwanger ist. Denn wie sonst kann man herausfinden, wie der Partner oder die Partnerin zu einer 50:50-Aufteilung steht? Oder jedem anderen Verhältnis? Ausserdem kann so keiner sagen, er hätte nicht gewusst, dass sie so empfindet (oder umgekehrt).
Es geht ja auch darum, herauszufinden, ob der Partner einer dieser Männer ist, der glaubt, Frauen hätten ein bestimmes «Wasch- und Baby-Füdli-Putz-Gen», welches es uns erlaubt, all die lässigen Sachen eben besser und schneller zu erledigen. So, dass es schlicht keinen Sinn machen würde, als Vater selber Hand anzulegen. Oder auch, ob er glaubt, sein Job sei ja so viel anstrengender, weshalb er jedes Wochenenende ausschlafen müsse… Solche Sachen eben, welche im Nachhinein eine Ehekrise auslösen können. Ihr wisst schon, was ich meine.
Die Checkliste: Das muss besprochen werden
Die zu besprechenden Themen sind vielfältig, viele scheinen selbstverständlich. Dennoch sollten folgende Punkte unbedingt angesprochen werden.
#1 Beruf:
Klärt auf jeden Fall vorher ab, wer wieviel arbeiten will und kann. Auch empfehle ich ein Notfallszenario, falls die gewünschte Aufteilung aus diversen Gründen so nicht möglich ist (weil die Mutter es nicht schafft, ihr Baby nach ein paar Wochen in eine Betreuung zu geben, falls etwas mit dem Kind ist oder Ähnliches). Natürlich gibt es auch die Variante, dass ein Elternteil ganz zu Hause bleibt, doch auch das (oder gerade dieser Fall) will vorher geklärt sein.
#2 Betreuung:
Wenn diese gewünscht oder nötig ist, schon vorab klären, wer das Kind bringen, wer es abholen wird. Wie flexibel das gehandhabt werden kann. Krippe? Grosseltern? Tagesmutter? Au-pair?
#3 Das Kind ist krank:
Wer bleibt zu Hause, wenn beide arbeiten? Der/die, die gerade keinen wichtigen Termin hat oder abwechselnd. Weil auch hier die Mutter kein Doktor-Gen hat und der Vater genauso gut Fieber messen und Kotze aufwischen kann. Ohne Scheiss!
#4 Haushalt:
Sehr unromantisch, ich weiss. Aber wieso nicht – WG-ähnlich – eine Ämtliliste machen? Bis die Ämtlis automatisch gemacht werden, kann man sich an dieser Liste orientieren. Hier kann man natürlich auf «Talente» achten. Ich zum Beispiel koche nicht gut, da liegt es nahe, dass der Vater öfter kocht, dafür putze ich lieber/besser.
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#5 Nachts aufstehen:
Diese Qual, während Monaten, manchmal Jahren, nachts aufstehen zu müssen, weil das Baby und später das Kind etwas braucht, weint, kotzt etc., DARF man nicht dem Zufall überlassen. Wenn das Baby nicht gestillt wird, gibt es meines Erachtens schlicht keine Ausrede für Väter, nachts nicht auch einmal aufzustehen. Und nein, der Beruf ist eben KEINE Ausrede, die Mutter kratzt sich tagsüber mit einem Neugeborenen auch nicht am Allerwertesten, diese Tage sind verdammt anstrengend! Wenn die Mutter nun stillt, kann der der Vater ihr beispielsweise das Baby ans Bett bringen, dann kann sie im Liegen stillen und muss zum Wickeln und ins Bett legen nur einmal aufstehen. Wir hatten das so vereinbart, dass ich nachts aufstehe und mein Mann morgens früh, weil wir das beide am besten vertragen konnten. Sehr individuell das Ganze.
#6 Wochenende:
Mit Kleinkindern die Hölle, da diese wie an jedem Wochentag sehr früh wach sind (die kleinen Biester, die!). Hier der einzig wahre Tipp: Wechselt euch ab. Samstag schläft die Mutter, Sonntag der Vater aus. Ich habe nie verstanden, wieso beide Eltern im Morgengrauen aus den Federn müssen, bloss weil Baby wach ist. Nachmittags kann der fehlende Schlaf dann nachgeholt werden.
#7 Familienbett & Co.:
Wie oft ich schon Paare darüber habe streiten hören, ob das Kind im Ehebett schlafen, einen Nuggi haben darf oder geimpft werden soll, kann ich gar nicht mehr zählen. Themen, die wissenschaftlich nicht einwandfrei geklärt wurden, sind in unserer Gesellschaft sowieso schwierig. Wenn sich sogar die Eltern nicht einig sind, wird’s ganz kompliziert. Deshalb UNBEDINGT vorher abmachen und beide sollen sich daran halten. Oder neu ausdiskutieren. Sonst können diese Dinge das Familienleben gehörig beeinträchtigen.
#8 Freizeit:
Ihr seid bald eine Familie, wunderbar! Aber ihr seid keine siamesischen Drillinge! Der Alltag mit Baby und Kind ist anstrengend, nehmt euch Auszeiten, zu zweit, aber auch alleine! Sucht euch bald eine sporadische Betreuung, gerade wenn keine Grosseltern zur Verfügung stehen. Hierzu gehören auch Freundschaften, die gepflegt werden wollen und da sollten sich ebenfalls beide Partner einig darüber sein. Tipp: Jeder kriegt einen Abend pro Woche, an dem er raus darf. Ob Sport oder Freunde treffen, ist egal, Hauptsache mal was Anderes!
Später kommen Themen wie Arztbesuche, Räbeliechtlischnitzen, Kindergeburtstagsgeschenke besorgen undundund dazu. Aber das gibt dann eine neue Liste.
Ergo…:
Die Quintessenz dieser Liste ist natürlich immer, dass die Mutter den Vater auch machen lässt. Selber ein Control Freak, weiss ich genau wie das ist, wenn man dem Vater dauernd über die Schulter schaut, ob er den Po auch richtig putzt oder den Schoppen nicht zu heiss macht. Lasst das sein! Eure Männer sind nicht blöder als ihr, aber wenn ihr sie das fühlen lasst, werden sie ganz schnell den Bettel hinschmeissen und einfach alles euch Müttern überlassen! Und dann heisst es eben «selbst schuld».
An die Männer appelliere ich so: Zeigt euren Frauen Respekt! Eine Geburt ist anstrengend und es braucht sehr lange, bis man sich wirklich erholt hat. Ausserdem ist es einfach nur anständig, seiner Partnerin einen Teil der Last abzunehmen. Und das UNGEFRAGT! Ok?
Ich wünsche allen werdenden Eltern viel Freude mit ihrer Familie und Erfolg mit der Aufgabenaufteilung!
Informationen zum Beitrag
Dieser Beitrag erschien erstmals am 9. Februar 2017 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.
Der Beitrag erschien erstmals auf wireltern.ch am 21. Dezember 2016.
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